Reisen bildet, heißt es. Wer viel reist, wird auch viel sehen, viel erleben und entsprechende Erfahrungen sammeln. Manche reisen ein Leben lang, andere vereinzelt und unregelmäßig. Viele suchen und finden sich selbst auf einer Odysee und lassen sich danach nieder.

Felix Bastians ist gereist, hat Dinge gesehen und erlebt. Nun hat er sich mit 21 Jahren vorerst in Freiburg niedergelassen. bundesliga.de hat sich aufgemacht, seine bisherige Route zu verfolgen.

Die Geschichte des Felix Bastians könnte wunderbar als Bilderbuch umgesetzt werden: Ein Junge aus dem Ruhrgebiet erlernt seine Fähigkeiten in frühen Jahren bei Vereinen wie Wattenscheid 09, VfL Bochum und Borussia Dortmund. Mit 17 packt er seine sieben Sachen und reist in die englische Stadt Nottingham, wo schon Robin von Loxley, besser bekannt als Robin Hood, so manch ein Abenteuer erlebt hat.

Erste Station: Nottingham

Nottingham Forest heißt sein neuer Verein, sein zwischenzeitlicher Club, für den er insgesamt 14 Spiele absolviert. Zwischenzeitlich deshalb, weil kurz darauf eine Leihtournee in die unteren Ligen Englands beginnt, die sechs weitere Stationen innerhalb von nur drei Jahren beinhaltet.

Zuerst geht es für ein Jahr zu Northwich Victoria (vier Spiele, ein Tor), dann folgt die Grafschaft Yorkshire, Heimat der knuffigen Hunderasse und der leckeren Teigspeise, dort Pudding genannt. In neun Einsätzen erzielte der offensiv veranlagte Verteidiger vier Tore.

Die Reise durch das Königreich führt Bastians über den FC Gillingham in der Grafschaft Kent zum FC Chesterfield und Notts City. Seine letzte Station ist der Milton Keynes Dons Football Club in London.

Zwischenstop in der Schweiz

Nachdem der junge Außenverteidiger halb England bereist und neben Erfahrungen auch viel Spielpraxis gesammelt hat, macht er sich im Jahre 2008 in die Schweizerische Eidgenossenschaft auf, genauer gesagt in die Hauptstadt Bern. Denn junge Burschen gehören - wie der Name es bereits vorwegnimmt - zu Young Boys Bern. Bei den "Gelb-Schwarzen" macht der mittlerweile 20-Jährige in seiner ersten und einzigen Saison 21 Spiele und erzielt zwei Tore.

Seine fußballerische Odyssee findet im Breisgau seinen bisherigen Höhepunkt. SC Freiburg heißt sein neuer und aktueller Verein, Bundesliga nennt sich die höchste deutsche Spielklasse. Am 1. August machte Felix Bastians gegen den SV Elversberg sein erstes Pflichspiel im DFB-Pokal, als er in der 41. Minute eingewechselt wird.

Stammplatz erkämpft

Auch gegen den Hamburger SV kam Bastians von der Ersatzbank, allerdings schon in der 29. Minute. Und es war das vorerst letzte Mal, denn von da an stand der Junge aus dem Ruhrgebiet permanent in der Startelf: gegen den VfB Stuttgart, gegen Bayer Leverkusen und zuletzt gegen den FC Schalke 04, denen die Freiburger in der Veltins Arena drei wertvolle Punkte abnahmen und so den ersten Saisonsieg feiern konnten.

Das viele Reisen scheint sich gelohnt zu haben, denn auch die U-21-Nationalmannschaft profitiert mittlerweile von seinen Erfahrungen, seiner Übersicht und seiner Präsenz auf dem Platz. Am 11. August feierte er sein Debüt gegen die Türkei, vergangenen Freitag bereitete Bastians in der EM-Qualifikation zwei der sechs Tore gegen San Marino vor. Gegen Tschechien am vergangenen Dienstag stand der gebürtige Bochumer ebenfalls in der Startelf.

"Er erfüllt alle Voraussetzungen"

Auch Freiburgs Trainer Robin Dutt lobt seinen offensiven Linksverteidiger: "Er erfüllt alle Voraussetzungen". Dass der 1, 88 Meter große Blonde mit der Rückennummer drei beim SC in der Innenverteidung eingesetzt wird, stört den Vielgereisten gar nicht: "Ich habe schon vom Verteidiger bis zum Flügelspieler alles gespielt."

Ein türkisches Sprichwort besagt: "Nicht wer alt ist, weiß viel, sondern wer viel herumgekommen ist." Felix Bastians ist gerade einmal 21 Jahre alt und schon sehr viel herumgekommen.

Barnabas Szöcs