Köln - In der laufenden Saison gab es bislang bei vier Vereinen Trainerwechsel, alle vier sind große Traditionsvereine: Bremen, HSV, Schalke und Stuttgart. Bei allen vier Vereinen hat der neue Trainer jeweils eine bessere Bilanz als der alte Trainer in der laufenden Saison hatte: Robin Dutt, Armin Veh, Mirko Slomka und Jens Keller holten aus ihren 31 Saison-Spielen 22 Punkte, das entspricht einem Schnitt von 0,7 Punkten pro Spiel.

Roberto Di Matteo, Viktor Skripnik, Huub Stevens und Joe Zinnbauer holten dagegen in 21 Spielen immerhin 33 Punkte, das entspricht einem Durchschnitt von 1,6 Punkten pro Spiel. Diese starke Verbesserung ist eher zufällig (im historischen Kontext sind die Bilanzen alter und neuer Trainer in Gänze betrachtet tendenziell gleich).

Unter Slomka vergeigte der HSV den Saisonstart

Beim Hamburger SV gab es in der laufenden Saison den ersten Trainerwechsel in der Bundesliga. Mirko Slomka musste nach drei Spieltagen seinen Posten räumen: Von 16 Bundesliga-Spielen unter Slomka hat der HSV zehn verloren, nur drei Mal wurde gewonnen.

Im Schnitt holte Mirko Slomka 0,75 Punkte, sein Nachfolger aktuell 0,91. Zinnbauer hat einiges bewegt, der HSV präsentierte sich unter ihm deutlich aggressiver und laufstärker als unter dem Vorgänger (117 Kilometer pro Spiel statt 113). Zudem wurde die Defensive stabilisiert: Unter Zinnbauer spielte der HSV jetzt schon doppelt so oft zu null (vier Mal) wie unter Vorgänger Slomka in 16 Partien.

Keller stand bei Schalke immer unter Beschuss

Jens Keller musste nach acht Punkten an den ersten sieben Spieltagen gehen, dabei war seine Gesamtbilanz gut: Mit 1,76 Punkten im Schnitt pro Spiel ist er der dritterfolgreichste Schalke-Trainer in der Bundesliga-Geschichte (Mindestens 17 Spiele als Trainer).

Trotz Kellers Verdiensten zog der FC Schalke 04 bereits zum 26. Mal während der Saison die Reißleine - Bundesliga-Rekord. S04 hat unter Roberto Di Matteo in der Bundesliga zu Hause eine weiße Weste und gewann alle vier Heimspiele, blieb aber auswärts ohne Punkt. Sechs Gegentore in sechs Spielen sind ein guter Wert.

Viktor Skripnik einst wie Thomas Schaaf

Viktor Skripnik wurde am 25. Oktober 2014 Nachfolger von Robin Dutt, dem das 0:1 gegen Köln am 9. Spieltag zum Verhängnis wurde. Dutt holte im Schnitt einen Punkt beim SV Werder Bremen, Skripnik bis jetzt 2,25. Skripnik erzielte in seinen ersten vier Spielen als Bundesliga-Trainer exakt die gleiche Bilanz wie einst Thomas Schaaf 1999: Es gab drei Siege und eine Niederlage bei 8:3 Toren.

Unter Skripnik sehen die Werder-Fans ein Offensivspektakel, wie lange nicht mehr: Unter Dutt gewann Bremen kein Pflichtspiel mit mehr als zwei Toren Differenz, die wenigen Siege waren häufig unansehnlich und glücklich. Viktor Skripnik hat jetzt nicht nur den Erfolg wieder gebracht, sondern auch den Spaß wie beim 4:0 gegen Paderborn.

Selten wird die zweite Amtszeit besser als die erste

Lässt man Interimslösungen außen vor, gab es in der Bundesliga-Historie 43 Chef-Trainer, die zu einer früheren Station zurück gekehrt sind. In ihrer ersten Ära beim Verein holten die Trainer im Schnitt 1,5 Punkte pro Spiel, nach der Rückkehr waren es weniger: 1,3 pro Partie (Drei-Punkte-Regel). Nur 13 der 43 Rückkehrer (inklusive Huub Stevens) hatten in ihrer zweiten Amtszeit eine bessere Bilanz als in der ersten.

Am 23. November 2008 wurde Armin Veh (Foto) beim VfB Stuttgart in seiner ersten Amtszeit entlassen, am 23. November 2014 verkündete er gegenüber Stuttgarts Vereinsführung in seiner zweiten Amtszeit seinen Rücktritt, der einen Tag später offiziell verkündet wurde.

Der VfB hatte nach zwölf Spieltagen nur neun Punkte auf dem Konto - eine so schlechte Bilanz hatten die Schwaben zuvor nur einmal: In der einzigen Abstiegssaison 1974/75 waren es umgerechnet sogar nur sieben Zähler. Die Rückkehr von Veh war eine der erfolglosesten in der Historie, einzig das zweite Engagement von Dragoslav Stepanovic bei Eintracht Frankfurt verlief ähnlich enttäuschend.

Huub Stevens kehrte zu zwei Vereinen zurück

Wie jetzt nach Stuttgart kehrte Huub Stevens auch nach Schalke zurück, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen: Im September 2011 übernahm er erneut "seinen" Verein, der auf Platz 5 lag. Nach sieben Spieltagen kam Stevens für den erkrankten Ralf Rangnick, holte in 27 Spielen 52 Punkte und führte Schalke auf Rang 3 und damit in die Champions League.
Stevens‘ Bilanz seiner zweiten Amtszeit auf Schalke: 44 Spiele, 23 Siege, acht Remis, 13 Niederlagen, 86:57 Tore. Starke 1,8 Punkte holte er also im Schnitt pro Spiel. In seiner ersten Amtszeit waren es nur 1,5 Punkte pro Partie gewesen.

Lattek ist der erfolgreichste Rückkehrer

Udo Lattek konnte an seine Erfolge aus den frühen Siebzigern anknüpfen, als er mit dem FC Bayern München 1971/72, 1972/73 und 1973/74 Deutscher Meister wurde. Zur Saison 1983/84 kehrte er zu den Bayern zurück und ließ einen weiteren Titel-Hattrick folgen (1985-87) - mehr geht nicht.

Ganz anders Felix Magath. Nach der Meisterschaft 2009 kehrte er am 27. Spieltag der Saison 2010/11 nach Wolfsburg zurück und belegte am Ende der Saison Platz 15, danach Rang 8. 2012/13 musste der Meistertrainer nach acht Spieltagen auf dem letzten Platz stehend gehen. In der Meistersaison holte er noch über zwei Punkte pro Spiel, in seiner zweiten Amtszeit waren es nur noch 1,2 Punkte.