Die Hinserie 2008/09 von Hannover 96 hielt sportlich nicht das, was sie versprach. Zwar konnten tolle Erfolge gegen die Topclubs Bayern München und den Hamburger SV eingefahren werden, insgesamt stotterte der 96-Motor im "Seuchenjahr" jedoch gewaltig. 96-Cheftrainer Dieter Hecking schaut im Interview mit der Club-Webseite zurück auf ein schwieriges Halbjahr.

Frage: Herr Hecking, es ist Winterpause und Zeit für eine Zwischenbilanz. Die fällt wenig positiv aus, oder?

Dieter Hecking: Nein, natürlich haben wir uns alle den Verlauf der Hinserie anders vorgestellt. Aber es gibt Gründe, die man schnell erkennt, wenn man sich einer Analyse stellt.

Frage: Die Verletztenseuche?

Hecking: Die vielen Ausfälle gehören sicherlich dazu, ja. Es war für uns nur schwer absehbar, welche Auswirkungen eine solch massive Häufung von außergewöhnlichen Verletzungen - Kahnbeinbruch, Fußsohlenentzündung usw. - auf das Leistungsvermögen der Mannschaft haben würde. Wir kamen so nie in den gewünschten Rhythmus, konnten kein Selbstvertrauen aufbauen. Eine Situation wie nach dem Leverkusenspiel habe ich tatsächlich noch nie erlebt - die war schon außergewöhnlich. So mussten wir uns schlussendlich auch noch ohne echte Chance auf Schalke aus dem DFB-Pokal verabschieden. Allerdings sollte jede Seuche auch irgendwann wieder vorbei sein. Das gibt mir Hoffnung.

Frage: Welche Gründe sehen Sie noch?

Hecking: Die Vorbereitung war aufgrund des Fehlens vieler Nationalspieler bereits schwierig, später haben wir uns unnötigerweise durch einige Rote Karten selbst geschwächt. So war es für die Mannschaftsteile quasi unmöglich, sich optimal einzuspielen.

Frage: Zudem wird immer wieder bemängelt, Hannover 96 fehle ein Führungsspieler.

Hecking: Tatsächlich ist die Situation eingetreten, dass die natürliche Hierarchie im Team durch die gleichzeitigen Verletzungen von angesehenen Spielern wie Robert Enke, Michael Tarnat, Valérien Ismaël, Altin Lala und Arnold Bruggink ins Wanken geraten ist. So mussten plötzlich Akteure aus der zweiten Reihe besondere Verantwortung übernehmen - dass es da Rückschläge gibt, ist fast logisch. Andererseits bin ich sicher, dass sich die heute schwierige Situation später auszahlen wird. Solch eine Krise schweißt zusammen, die Lernprozesse laufen schneller ab.

Frage: Jan Schlaudraff, Mikael Forssell, Mario Eggimann - klangvolle Namen, die große Erwartungen provozierten. Wie lautet Ihr Fazit hinsichtlich der Neuzugänge?

Hecking: Es ist noch zu früh, die Qualität dieser Transfers zu bewerten. Jan Schlaudraff hat angedeutet, was für außergewöhnliche Qualitäten er hat. Da muss jetzt Konstanz rein. Mit den Leistungen von Miklu bin ich insgesamt durchaus zufrieden, er hat viel fürs Team geackert, auch wenn ihm noch das Abschlussglück fehlt. Mario Eggimann litt unter der allgemeinen Verunsicherung in der Abwehr, er wird sicherlich noch wesentlich wertvoller. Und Florian Fromlowitz musste schneller als erwartet ins kalte Wasser springen. Bei ihm haben sich starke mit weniger starken Leistungen abgewechselt, sein Potential ist unbestritten. Mit Leon Balogun haben wir dazu einen entwicklungsfähigen Spieler geholt, der immer mehr Druck macht. Ich zweifle an keiner dieser Transferentscheidungen und würde sie immer wieder so tätigen.

Frage: Dürfen sich denn die Fans eventuell noch auf einen Wintertransfer freuen?

Hecking: Wir werden sicherlich nicht in blinden Aktionismus verfallen, auch da mit Kocka Rausch und Basti Schulz ja junge Talente ihre Chance genutzt haben - die Entwicklung in den Nachwuchsteams der "Roten" ist insgesamt sehr positiv. Vielleicht ergeben sich noch sinnvolle Ausleihgeschäfte bei dem einen oder anderen. Doch erst nach Weihnachten wird Bewegung ins Transferkarussell kommen, noch gibt es keine Anfragen. Wenn wir uns umschauen, dann nach einem Rechtsverteidiger als Back-Up für Steven Cherundolo. Eines kann ich aber sicher sagen: Szabolcs Huszti werden wir nicht abgeben!