"Ich habe den Supercup geholt. Ich möchte aber daran erinnern, dass dies nur möglich war, weil zuvor Roberto Mancini den Meistertitel gewonnen hat."

Mit dieser für ihn ungewohnten Bescheidenheit kommentierte Jose Mourinho seinen ersten Titelgewinn mit Inter Mailand. Seit Sommer 2008 gibt der exzentrische Portugiese die Kommandos bei den "Nerazzurri". Ein Jahr hat er auf dieses passende Angebot gewartet.

Schritt zwei gegen Bremen

Mit dem italienischen Supercup wird sich Mourinho allerdings keineswegs zufriedengeben, sein Ziel ist ein größeres: Er soll und will Italiens 16-fachen nationalen Titelträger, der zuletzt drei Meisterschaften in Folge gewann, zum Triumph in der Champions League führen.

Den ersten Schritt auf der Mission "Champions-League-Sieg" machten die Mailänder mit einem 2:0-Auftaktsieg bei Panathinaikos Athen, gegen Werder Bremen (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) soll nun der zweite folgen. "Je früher man sich in der Gruppenphase in ruhigen Gewässern befindet, desto mehr Energien kann man sparen", weiß der Coach und legt dann wieder seine selbstbewusste, zuweilen arrogante Art an den Tag:

"Ich habe in den letzten fünf Jahren die Champions League gewonnen, war zwei Mal im Halbfinale und habe den UEFA-Pokal geholt. Ich habe also schon die Tendenz, in wichtigen Wettbewerben weit zu kommen."

"Psychologischen Knacks" überwunden

"Das Team hatte einen psychologischen Knacks, weil es zuletzt immer schlecht in die 'Königsklasse' gestartet war. Es ist wichtig, dass wir das abgestellt haben", stellte Mourinho nach dem Athen-Spiel zufrieden fest. Diese Aussage verwundert durchaus ein wenig, ist der Kader des F.C. Internazionale doch seit Jahren gespickt mit internationalen Topstars.

Im Angriff übernimmt auch in dieser Saison Zlatan Ibrahimovic viel Verantwortung. Der Schwede ist mit zwei Saisontoren in den ersten fünf Partien gut in die Saison gestartet. Daneben überzeugt auch Mancini, der vom AS Rom kam und an seine starke Form der vergangenen Spielzeit anknüpft.

Aber bei manch anderem Profi bedurfte es vielleicht erst des tiefen Griffs des Portugiesen in seine Trainer-Trickkiste. So führte Mourinho zum Beispiel als eine seiner ersten Amtshandlungen in Mailand einen strauchelnden Stürmerstar zurück in die Erfolgsspur.

Adriano trifft wieder

Trotz Alkoholexzessen, Depressionen und sogar Selbstmordgedanken sprach Mourinho dem Brasilianer Adriano im Sommer sein Vertrauen aus und holte den in seine Heimat ausgeliehenen Angreifer zurück nach Norditalien. Adriano dankte es dem Trainer mit dem Treffer zum 2:0 in Athen und darf sich nun berechtigte Hogffnungen auf einen Einsatz gegen Werder machen.

"Mit dem Alkohol ist es vorbei, jetzt werde ich der neue, alte Adriano", zeigt der 26-Jährige neuen Ehrgeiz. Mit 67 Treffern in 143 Serie-A-Spielen hat Adriano seine Klasse seit 2002 schon ausreichend unter Beweis gestellt.

Die Bremer sollten bei ihrem Gastspiel in San Siro also durchaus gewarnt sein, auch wenn Inters Generalprobe am Sonntag nicht erfolgreich war. Im Mailänder Derby kassierten Mourinho und Co. gegen den Lokalrivalen AC nicht nur die erste Pflichtspielniederlage der Saison (0:1), sondern verloren auch Platz 1 der Tabelle.

Elf Titel mit Porto und Chelsea

"Bitte nennen Sie mich nicht arrogant, aber ich bin Champions-League-Sieger und etwas ganz Besonderes", sagte "The Special One" einst 2004 bei seiner Vorstellung beim FC Chelsea. Wenige Wochen zuvor hatte er mit dem FC Porto die "Königsklasse" gewonnen.

Bei einer Wiederholung dieses Triumphes mit Inter würde der Welt-Clubtrainer der Jahre 2005 und 2006, der mit Porto und den "Blues" schon elf Vereinstitel holte, seinen Anteil daran auch wohl wieder gewohnt selbstbewusst in den Mittelpunkt rücken.

Tim Tonner