Während die Welt noch immer nach Südafrika schaut, kehrt in der Bundesliga mehr und mehr der Alltag zurück. So auch in Mönchengladbach. Dort begann die Borussia zu Wochenbeginn mit dem Training für die Saison 2010/11.

Nach der besten Bundesliga-Saison seit 2005/06 streben die "Fohlen" weit mehr als nur den Klassenerhalt an. Im Interview mit bundesliga.de spricht Trainer Michael Frontzeck über den Trainingsauftakt, die bisherigen Neuzugänge und Ziele der Borussia.

bundesliga.de: Herr Frontzeck, Ihre Team hat als einer der ersten Bundesligist die Trainingsarbeit für die Saison 2010/11 aufgenommen. Warum haben Sie sich für einen solch frühen Termin entschieden?

Michael Frontzeck: Durch die WM endete die vergangene Bundesliga-Saison sehr früh, die Spieler hatten fünf Wochen Pause. Jetzt wieder mit dem Training einzusteigen, halte ich für uns für einen guten Zeitpunkt. Wir haben nun genug Zeit, erst die Grundlagen zu schaffen und später Details zu vertiefen. Zudem haben die Spieler während der Saison-Vorbereitung nach unserem ersten Trainingslager in Herzlake noch einmal drei Tage frei.

bundesliga.de: Sie beginnen am 1. Juli ganz offiziell ihr zweites Jahr als Cheftrainer der Borussia. Gibt es Dinge, die Sie in der Vorbereitung im Vergleich zum Vorjahr anders machen werden oder machen wollen?

Frontzeck: Nein. Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Mannschaft zusammen geblieben ist und ich die Spieler mittlerweile kenne - und sie mich. Das vereinfacht natürlich einiges in den täglichen Abläufen.

bundesliga.de: Auf den einen oder anderen Spieler müssen Sie noch wegen der WM verzichten. Finden Sie denn trotz Trainingsauftakt Zeit, die WM im Fernsehen zu sehen?

Frontzeck: Selbstverständlich, die meisten Spiele finden oder fanden ja abends oder am späten Nachmittag statt. Außerdem sind mit Karim Matmour und Michael Bradley ja auch zwei Spieler unserer Mannschaft dabei.

bundesliga.de: Die Borussia spielte vergangene Saison die beste Spielzeit seit 2005/06. Was hat das Team ausgezeichnet?

Frontzeck: Wir haben uns recht schnell als Mannschaft gefunden, und das nach einer Saison, nach der die Mannschaft mit einem Bein in der 2. Bundesliga stand. Wir hatten eine gute Vorbereitung, sind gut aus den Startlöchern gekommen und haben uns nach fünf Niederlagen in Folge selbst wieder befreit. Wir haben teilweise sehr guten Fußball gespielt und eine für das erste Jahr gute Entwicklung genommen. Wir wissen aber, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, damit wir diesen Weg weiter gehen können.

bundesliga.de: Die WM ist für einen Trainer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist die Freude für die Spieler, die es dorthin geschafft haben und die dort überzeugen. Auf der anderen Seite gibt es doch sicher die Angst vor Verletzungen oder davor, dass andere Clubs Interesse an Ihren Spielern zeigen. Wie gehen Sie damit um?

Frontzeck: Da ich weiß, was so ein Turnier für einen Spieler bedeutet, freue ich mich in erster Linie für unsere Spieler. Außerdem ist es nicht zuletzt ja auch ein Kompliment an den Verein, wenn zwei Spieler von ihren Trainern als gut genug erachtet werden, bei solch einem großen Turnier mitzumachen.

bundesliga.de: Gladbach hat sich bislang mit Jens Wissing, Igor de Camargo, Anderson und dem an Paderborn ausgeliehen gewesenen Sebastian Schachten verstärkt. Welche Rolle können diese Spieler in Ihrem Team spielen?

Frontzeck: Das wird die Saison zeigen. Igor de Camargo kommt als Mannschaftskapitän von Standard Lüttich und mit internationaler Erfahrung zu uns. Wir sind davon überzeugt, dass er die in ihm gesteckten Erwartungen erfüllen kann. Bamba Anderson hat eine Zweitligasaison gespielt, Sebastian Schachten hat nach einem unglücklichen Jahr bei uns ebenfalls den "Umweg" über die Zweite Liga genommen - das hat ihm gut getan. Und Jens Wissing ist ein junger Linksverteidiger, von dieser Sorte gibt es in Deutschland nicht viel. Er wird vielleicht noch seine Zeit brauchen, aber auch von ihm sind wir natürlich überzeugt.

bundesliga.de: Auch die Neuzugänge verdeutlichen es. Die Borussia gleicht salopp gesagt einem "Kinderspielplatz". Ihre Mannschaft ist im Schnitt unglaublich jung. Daraus eine verantwortungsbewusste und reife Truppe zu formen, ist das die vielleicht größte Herausforderung in Ihrer Trainerlaufbahn?

Frontzeck: Wir haben vielleicht vom Durchschnittsalter her eine junge Mannschaft, die aber schon über eine gewisse Erfahrung verfügt. Logan Bailly, Tobias Levels, Raul Bobadilla oder Michael Bradley sind 24 Jahre alt oder jünger und haben zum Teil sogar schon internationale Erfahrung sammeln können. Dazu kommen noch ältere Spieler wie Dante, Filip Daems, Juan Arango oder Thorben Marx - ich denke, dass die Mischung bei uns sehr gut passt.

bundesliga.de: Zum Trainingsstart sagten Sie, dass Borussia sich weiter stabilisieren und weiterentwickeln wolle. Stecken Sie also die Ziele für die kommende Saison ein Stück höher?

Frontzeck: Wir wollen mit realistischen Zielen in die neue Saison gehen und halten nichts davon, den Leuten Sand in die Augen zu streuen. Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren und streben einen gesicherten Mittelfeldplatz an. Alles andere wäre nicht seriös.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz