München - Mike Hanke hat die Borussia mit seinem "Doppelpack" zum 3:0-Sieg in Köln geführt und sich spätestens jetzt einen Platz in der "Fohlen"-Historie gesichert.

Welche "Verwandlung" der Vollblutstürmer hinter sich hat, wie er eines der kuriosesten Tore der Bundesliga-Geschichte erzielte und warum er eigentlich seinen Beruf verfehlte - hier erfahren Sie zehn Dinge über Mike Hanke, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten...

Die Anfänge

Mike Hanke ist Sohn einer Schalke-verrückten Familie aus Hamm. Die fußballerischen Grundkenntnisse sammelte er bei seinem Heimatverein TuS 1910 Wiescherhöfen, wo er im Alter von sechs Jahren mit dem Vereinsfußball geann. Trainer dort war sein Vater. "Noch heute habe ich viele Freunde aus dieser Zeit", sagt Hanke. Dort schoss er auch einmal zehn Tore in einem Spiel. "In der D-Jugend beim 40:0 gegen Post SuS Hamm", erinnert sich Hanke, der seine Torjäger-Qualitäten so früh unter Beweis stellte. 1999 wechselte er zum Lokalrivalen, der Hammer SpVgg.

Ab nach Schalke

2000 wechselte Hanke zum FC Schalke 04, wo er sich, gerade volljährig, als Torjäger der Schalker Oberligamannschaft für einen Profivertrag empfahl. S04-Cheftrainer Huub Stevens schickte den Blondschopf im letzten Spiel der Saison 2001/02 beim 1:2 gegen Wolfsburg zum ersten Mal aufs Feld. Im letzten Spiel der Saison 2001/02 feierte er sein Bundesligadebüt und machte fortan mit Joker-Toren auf sich aufmerksam. Bei den Fans avancierte er schnell zum Publikumsliebling, allerdings bereiteten ihm die fehlenden Einsatzminuten große Probleme. Der Youngster wollte regelmäßig spielen, doch die Konkurrenz war groß.

Tor des Monats

Am 17. April 2004 war Mike Hanke der Hauptdarsteller einer historischen Slapstick-Einlage. "Dieses verrückte Ding werde ich nie vergessen", erzählt der Angreifer. Was war passiert? Gerade hatte Jörg Butt beim Spiel zwischen Schalke und Leverkusen einen Elfmeter zum 1:3 verwandelt - er trabt gemütlich zurück und lässt sich ausgiebig feiern. "Direkt nach dem Wiederanpfiff habe ich dann gesehen, dass er noch zu weit vor dem Tor steht - ich habe laut in Richtung Ebbe Sand gerufen: 'Ebbe, spiel mir den Ball zu!' und dann hab` ich den Ball einfach reingewichst. Leider haben wir das Spiel 2:3 verloren", erzählt Hanke.

Vorbilder

Youri Mulder, Emile Mpenza, Victor Agali, Gerald Asamoah, Ebbe Sand, Ailton - die Konkurrenz bei den "Knappen" war (zu) groß für den Junioren-Nationalspieler. Aber zumindest in Sand sah Hanke auch ein Vorbild. "Als ich zu Schalke 04 kam, war er mein großes Idol", verrät Hanke. In der heutigen Zeit habe er keine Vorbilder mehr, aber "klar ist, dass ich mir von allen Topstürmern was abschaue." Von Sand hat er sich vor allem die Laufbereitschaft und den Einsatzwillen abgeschaut.

Sommermärchen

Dem Wechsel zum VfL Wolfsburg zur Saison 2005/06 folgte bald das nächste Highlight: Die Teilnahme an der WM 2006 im eigenen Land. Doch beinahe wäre der Traum Hankes geplatzt, denn beim Confederations Cup gegen Mexiko ein Jahr vor WM-Beginn hatte er aufgrund einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen und war für die ersten beiden WM-Spiele gesperrt worden. Die Einladung kam trotzdem. Und auch wenn der Stürmer lediglich beim 3:1-Sieg gegen Portugal im Spiel um Platz 3 zum Einsatz kam, war die Teilnahme am Sommermärchen natürlich ein unvergessliches Ereignis.

Rückschläge

Die Zeit beim VfL Wolfsburg war nicht immer einfach für Hanke, auch wenn er in zwei Spielzeiten immerhin 16 Treffer erzielte. Im März 2007 wurde es sogar kurios: Hanke musste am Fuß genäht werden, weil er beim Duschen ausgerutscht, mit dem Fuß gegen eine Kante geprallt war und sich eine Platzwunde auf dem Spann zugezogen hatte. Doch das war längst nicht alles. "Ich hatte mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen", sagte Hanke, dessen Ex-Freundin 2005 einen schweren Autounfall nur knapp überlebte. Nach dem Suizid von Robert Enke fiel er zudem in ein tiefes Loch.

Spiel umgestellt

Nach einer zunächst erfolgreichen Zeit bei Hannover 96, wo er in seiner ersten Saison (2007/08) zehn Treffer markierte, verschwand er zunehmend in der Versenkung. Hanke, noch nie wirklich ein Konterstürmer, kam bei Hannovers Taktik nur noch sporadisch zu Einsätzen und wechselte im Winter 2010 zu Borussia Mönchengladbach. Dort stellte er zusammen mit Traner Lucien Favre sein Spiel um und entwickelte sich vom Strafraumstürmer zum Ballverteiler. Während er früher seine besten Szenen im gegnerischen Strafraum hatte, ist er heute mehr damit beschäftigt, das Gladbacher Spiel zu ordnen.

Schnick-Schnack-Schnuck

Beim 3:0-Sieg der Borussen in Köln zeigte Mike Hanke, dass er trotz seiner neuen Rolle das Toreschießen nicht verlernt hat. Der 28-Jährige erzielte ausgerechnet gegen den Erzrivalen seine ersten beiden Saisontreffer und war damit der Matchwinner. Und es hätte sogar noch einer mehr sein können: Beim Stande von 3:0 hatten Hanke und Marco Reus Zeit und Muße, einen Freistoß auszuknobeln: Wir haben Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, wer ihn schießt. Ich habe leider verloren. Er hat Stein genommen, ich Schere. Es ist schwer, mit einer Schere einen Stein durchzuschneiden..."

Partykönig

Dass Mike Hanke ordentlich feiern kann, konnte man spätestens nach dem gewonnenen Relegationskrimi gegen den VfL Bochum am Ende der vergangenen Spielzeit beobachten. Zusammen mit tausenden Fans machte er die Nacht zum Tag und begeisterte mit dem Apres-Ski-Hit "Vader Abraham hat sieben Söhne". Fans und Mitspieler animierte Hanke zu einer Tanz-Einlage, bei der Arme und Beine in die Luft gestreckt werden und alle den Kopf kreisen lassen. Als er am nächsten Tag mit dunkler Sonnenbrille auftauchte, hatte er keine Stimme mehr...

Beruf verfehlt?

Auf die Frage, ob Mike Hanke bei der Berufswahl alles richtig gemacht hat, könnte man kommen, wenn man sich seine Rasenallergie vor Augen führt. "Die habe ich tatsächlich , aber so schlimm, wie es damals in den Medien stand, ist es nicht. Ich habe keine Probleme auf dem Rasen. Wenn ich beim Spiel unter Adrenalin stehe, sowieso nicht. Manchmal merke ich es beim Training. Wenn die Nase läuft oder die Augen ein bisschen jucken. Aber so extrem, wie es geschildert wurde, ist es nicht. Ich schnaufe dann einmal durch und dann ist gut."