Welche Mannschaft hat den besten Angriff, um ein knappes Meisterschaftsrennen für sich zu entscheiden? bundesliga.de hat genau jene befragt, die es am besten wissen müssen: Ehemalige Torschützenkönige.

Auch wenn sich Boubacar Sanogo kaum darüber freuen dürfte, am vergangenen Samstag gelang ihm in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim etwas Historisches. Ein Spieler mit drei Pfostenschüssen in einem Spiel - das gab es seit Einführung der Datenbanken noch nie in der Bundesliga.

Die Partie von 1899 Hoffenheim gegen Werder Bremen endete 0:0, auch wegen Sanogos Pfostenpech ließen die Hoffenheimer wichtige Punkte im Meisterschaftskampf liegen.

Jagd auf die Torjägerkanone

Es sind diese wenigen Zentimeter, die am Ende eine Meisterschaft entscheiden können. Vor allem, wenn es an der Tabellenspitze so eng zugeht wie in dieser Spielzeit. Warum aber gerade der eine Stürmer einen Lauf und der andere die Seuche hat, das ist ein großes, womöglich nie zu lösendes Rätsel.

Doch klar ist auch: Die Stürmer sind die wichtigsten Erfolgsgaranten. Kein Zufall, dass in den vergangenen zehn Jahren der Bundesliga-Torschützenkönig vier Mal aus dem Kader des Deutschen Meisters kam.

Die neue Berliner Euphorie

Was aber sind für die Stürmer die wichtigsten Voraussetzungen, damit sie in den entscheidenden Situationen treffen? "Euphorie." Das sagt einer, der es wissen muss: Klaus Fischer, 1976 selbst Torschützenkönig. Für ihn ist es zwar eine große Überraschung, aber schon längst kein Zufall mehr, dass Hertha BSC derzeit mit vier Punkten Vorsprung die Tabelle anführt. "Die schwimmen gerade auf einer Erfolgswelle. Weil nicht einmal die eigenen Fans am Anfang mit diesem Erfolg gerechnet haben", sagt Fischer im Gespräch mit bundesliga.de.

Am meisten zu dieser Euphorie beigetragen hat zuletzt der Ukrainer Andrey Voronin (bisher 10 Saisontore). Der vom FC Liverpool ausgeliehene Angreifer hat im Jahr 2009 schon sieben Tore für die Berliner erzielt und schnürte am Samstag gegen Cottbus gar einen "Dreierpack". Die Hertha zieht dank ihm von Sieg zu Sieg, dabei ist der zweite Stürmer Marko Pantelic (6 Tore) nach fünf Wochen Verletzungspause gerade erst wieder fit geworden.

Wolfsburgs effektives Doppel

Doch ein anderer erfahrener Angreifer glaubt, dass die Rückkehr des Serben den Berlinern womöglich gar nicht so sehr weiterhelfen wird. "Pantelic und Voronin funktionieren gemeinsam nicht so gut. Ich denke nicht, dass sie das beste Sturmduo stellen werden", sagt Fredi Bobic, Torschützenkönig von 1996, auf bundesliga.de-Nachfrage.

Für Bobic arbeitet das beste Angreiferteam aktuell nicht in Berlin, sondern 250 Kilometer weiter westlich: "Grafite und Dzeko vom VfL Wolfsburg, das sind im Moment die Konstantesten. Und sie machen immer die wichtigen Treffer, keine so genannten statistischen."

Grafite (14) und Edin Dzeko (12) haben bisher 26 der 46 Wolfsburger Tore erzielt, dabei hat Grafite in neun der bisher 23 Spiele gefehlt. Deshalb ist auch Klaus Fischer überzeugt: "Von den derzeitigen Top-Mannschaften ist Wolfsburg am meisten von seinen Stürmern abhängig. Und wenn sie fit bleiben, wird Wolfsburg ein wichtiges Wörtchen mitreden in Sachen Meisterschaft."

Den FC Bayern nie abschreiben!

Was Fischer Bayer Leverkusen übrigens nicht mehr zutraut, obwohl Patrick Helmes (17 Tore), wie "Mister Fallrückzieher" sagt, ihn von allen Bundesliga-Stürmern am meisten an ihn selbst erinnert: "Der ist ein echter Knipser."

Bobic und Fischer sind sich auch in einer anderen Sache einig: Den FC Bayern darf man nie abschreiben. Miroslav Klose (10 Tore) und Luca Toni (9 Tore) gemeinsam könnten in Topform jederzeit die Meisterschaft entscheiden.

Was die Experten den Stürmern von 1899 Hoffenheim jedoch nicht mehr ganz zutrauen, obwohl diese ja meistens vorne zu dritt agieren. "Ein Ibisevic in der Form der Hinrunde ist einfach nicht zu ersetzen", glaubt Fredi Bobic.

Wird es ein Dreikampf?

Und der Hamburger SV? Auch hier glauben beide Ex-Torjäger: Trotz des Super-Duos Mladen Petric (10 Tore) und Ivica Olic (6 Tore) machen wohl eher andere das Rennen. Wenn es nach ihnen geht, wird die Meisterschaft zwischen Hertha BSC, dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern entschieden.

Wer dann wirklich die Schale hochrecken darf, traut sich natürlich niemand vorherzusagen. Denn es wird wohl eine Zentimeterentscheidung werden.

Christoph Leischwitz