Es war ein äußerst ungewohntes Bild im Berliner Olympiastadion. Im Anschluss an die Partie zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund sah man zwar wie Kinder feiernde Spieler auf dem Rasen, es waren aber nicht die Gastgeber, die in die Fankurve eilten oder ihren berühmten Jubelkreis bildeten.

Erstmals nach zehn Heimsiegen in Serie mussten die Profis des Haupstadt-Clubs eine Schlappe hinnehmen, mit 1:3 (0:1) gegen den BVB. Durch die zweite Niederlage hintereinander büßte die Hertha außerdem die Tabellenführung in der Bundesliga ein, die sie zuletzt vier Spieltage efolgreich verteidigt hatte.

"Die Niederlage war verdient"

Die Verlierer gaben sich nach Abpfiff durchaus selbstkritisch. "Die Niederlage war verdient. Wir haben unnötige Tore bekommen und am Ende war Dortmund dann auch besser", klagte Mittelfeldspieler Pal Dardai: "Natürlich tut auch der Verlust der Tabellenführung weh. Aber nächste Woche steht das nächste Spiel an und da müssen wir dann gegen Hannover wieder gewinnen."

"Man muss immer 110 Prozent geben. Man hat gesehen, dass wir alles versucht haben, doch Dortmund hatte den Sieg verdient", meinte Kapitän Arne Friedrich. Einziger Höhepunkt der Berliner Angriffsbemühungen war das sehenswerte 1:1 (54.) durch Raffael, der erst drei Dortmunder Abwehrspieler austanzte und dann an Roman Weidenfeller vorbei einschoss.

Mangel an Effektivität

Doch statt nachzulegen wie in den Spielen zuvor, fehlte den Berlinern diesmal die Durchschlagskraft. Auch ein Dreifach-Wechsel von Lucien Favre in der 67. Minute brachte keinen weiteren Torerfolg. Letztlich lagen die Gastgeber zwar nach Torschüssen mit 14:10 vorne, die viel gelobte Effektivität der vergangenen Wochen ließen die Herthaner aber am Samstag ausnahmsweise mal vermissen.

Die Gäste aus Dortmund, die eine starke Anfangsphase mit der Führung durch ihren Top-Torjäger Alexander Frei (25.) krönten, blieben bei ihrer offensiven Spielweise. Wenige Minuten nach Raffaels Ausgleich brachte Sebastian Kehl die Borussen wieder in Front (63.).

"Das Tor hätte nie fallen dürfen. Wir haben nicht mit hundertprozentiger Konzentration verteidgt", bemängelte Trainer Favre, der in der Schlussphase dann noch die Entscheidung in Form von Nelson Valdez' Treffer zum 1:3-Endstand (82.) mitansehen musste.

"Die Mannschaft wird das wegstecken"

Torjäger Andrey Voronin, der trotz Nasenbruchs spielte, ging dieses Mal leer aus. Sein Sturmpartner Marko Pantelic sorgte nach seiner Einwechslung für viel Belebung und blickte trotz der Enttäuschung nach vorn.

"Zwei Niederlagen in Folge haben wir nicht erwartet. Wir dürfen unser Ziel nicht vergessen und müssen unseren Willen wieder zeigen. Wenn wir den wiederfinden, dann stimmen auch die Resultate wieder", sagte der Serbe.

"Das ist eine bittere Niederlage, weil die Mannschaft alles versucht hat und sich viele Chancen erspielt hat. Die Mannschaft hat nicht enttäuscht und wird die Niederlage wegstecken. Der Trainer weiß, wo er ansetzen muss", sagte Manager Dieter Hoeneß mit dem Versuch, dem tristen Nachmittag doch noch etwas Gutes abzugewinnen.

Motivierter Kehl überzeugt

Die Borussia genoss ihren Triumph bei der "Alten Dame" in vollen Zügen. Immerhin war den "Schwarz-Gelben" das gelungen, was zuvor zehn Gästeteams nicht geschafft hatten.

BVB-Kapitän Kehl, der als starker Abräumer und sogar Torschütze überzeugte, bestätigte die Genugtuung: "Eine Berliner Zeitung hat geschrieben, dass die Hertha schon die Meisterfeier plant. So etwas motiviert natürlich."

Klopp schielt nach oben

Anders als viele Gästeteams zuvor, konnten die Westfalen auch nach eigener Führung den Berliner Ansturm abwehren. "Wir haben gut in den Räumen gestanden und vorne sehr breit gespielt, damit Josip Simunic und Arne Friedrich längere Wege gehen mussten", analysierte Jürgen Klopp.

"Wir waren bissiger", ergänzte der starke Tamas Hanjal. Der kleine Ungar glänzte mit präzisen Pässen wie vor dem 1:0, obwohl sein Mitwirken wegen einer Erkältung lange fraglich gewesen war. Auch Keeper Weidenfäller, der sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen konnte, lobte seine Vorderleute: "In kämpferischer Hinsicht haben wir heute unser bestes Saisonspiel geboten."

Der Trainer schielte nach dem neunten Saisonsieg und dem Sprung auf Platz 8 sogar wieder Richtung internationales Geschäft. "Erst waren wir die Unentschieden-Könige, jetzt sollen wir nach zwei Siegen wieder ins internationale Geschäft kommen. Mal abwarten, es sind noch fünf Punkte bis Platz fünf", meinte Klopp.


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