München/Berlin - Vor Beginn des Länderspiels gegen die Türkei wirkte Joachim Löw noch gelassen und entspannt. Während der Partie zeigte er in seinem 60. Einsatz als Bundestrainer dann aber Emotionen wie selten zuvor.

Spätestens nach dem 2:0 durch Mesut Özil fiel die Anspannung etwas ab. Und nach dem dritten Sieg im dritten Spiel wirkte Löw im Interview endgültig wieder locker und gelöst.

Frage: Herr Löw, wie beurteilen Sie die Leistung Ihrer Mannschaft?

Joachim Löw: Ich bin sehr zufrieden, denn es war ein schwieriges Spiel für meine Mannschaft. Sie stand schon unter Druck, denn es war ja fast ein Auswärtsspiel. Aber die Mannschaft hat einen unglaublichen Willen, viel Lauffreude und Einsatz gezeigt. Wir haben klar und verdient gewonnen.

Frage: Haben Sie vor dem Spiel an so einen souveränen Sieg geglaubt?

Löw: Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Ich wusste, dass die Türken hoch motiviert sind. Ein Spiel in Deutschland, vor so vielen Fans, das ist für die auch eine Frage der Ehre. Für uns war es gut, dass wir in Führung gegangen sind. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann ein bisschen Glück, weil wir zwei, drei Situationen nicht so gut gelöst haben. Wir haben uns dann aber spielerisch befreit und uns gute Chancen erarbeitet.

Frage: Sie haben nach einer vergebenen Chance von Lukas Podolski extreme Emotionen gezeigt und Ihren Frust an einem Ersatzball ausgelassen. Was war da los?

Löw: Normalerweise macht der Lukas diesen Ball rein. Aber ich habe mich schon ein bisschen aufgeregt. Ich hoffe, dass ich keine Zuschauer getroffen habe.

Frage: Toni Kroos hatte die schwierige Aufgabe, Bastian Schweinsteiger zu ersetzen. Hat er das geschafft?

Löw: Das war keine einfache Situation. Toni Kroos ist noch jung und hat bei uns noch nicht so häufig von Beginn an gespielt. Dann musste er auch noch gegen Emre oder Nuri Sahin dagegen halten. Das sind super Fußballer. Aber im Laufe des Spiels hat er sich immer besser bewegt. In der zweiten Halbzeit war er sehr, sehr präsent.

Frage: In der Bundesliga laufen viele WM-Teilnehmer Ihren Top-Leistungen hinterher. In der Nationalelf blühen Sie aber auf. Woran liegt das?

Löw: Nach so einer intensiven WM und der kurzen Vorbereitungsphase finden die Spieler nicht sofort den Rhythmus und deshalb mangelt es noch an der gewissen Konstanz. Da fehlen dann einfach ein paar Wochen Basis-Training. Unsere Mannschaft ist aber extrem erfolgsbesessen und zielorientiert. Und das ruft sie in so einem Spiel auch ab. Wir haben vor allem läuferisch auf einem Top-Niveau agiert. Das war auch notwendig gegen die Türkei.

Frage: Am Dienstag steht die nächste Partie in Kasachstan auf dem Programm. Sind Sie auf den Außenseiter schon vorbereitet?

Löw: Ich muss erst einmal dieses emotionale Spiel gegen die Türkei verarbeiten. Wir haben uns zwar schon im Vorfeld der beiden Partien informiert, aber so richtig werden wir uns in den kommenden Tagen mit Kasachstan beschäftigen.