Freiburg - Am Samstag ist der SC Freiburg dem Klassenerhalt ein gutes Stück näher gekommen. Der wäre ein Erfolg, der nicht von ungefähr käme – genauso wenig wie der Sieg gegen den Rekordmeister FC Bayern München, den sich der Sportclub mit viel Fleiß und Kampfgeist verdiente.

Höhere Dezibelzahlen als in den Minuten nach dem Schlusspfiff dürften in Freiburg nicht mehr gemessen worden sein, seit die Toten Hosen im Juli 2013 an der Messe ein Open-Air spielten. Fans und Spieler feierten gemeinsam das 2:1 gegen den FC Bayern. Es war ein Sieg, mit dem im Vorfeld kaum einer gerechnet hatte. Auch nicht die Offiziellen des SC, die heimlich, still und leise auf ein Pünktchen gehofft hatten – als willkommene Basis für einen möglichen Auswärtssieg gegen Hannover am 34. Spieltag.

Petersen: "Dieser Sieg gibt Rückenwind"

Dementsprechend gut gelaunt stand Nils Petersen nach dem Spiel in der Interviewzone. Der ehemalige Bremer hatte vier Minuten nach seiner Einwechslung den Siegtreffer erzielt (89.) und damit das achte Tor im elften Spiel für Freiburg geschossen. "Wenn dir ein Sieg gegen die Bayern keinen Rückenwind gibt, dann weiß ich nicht, was dir Rückenwind gibt."

Möglicherweise eine Sozialisation als Ostdeutscher? Petersens Trainer lobte jedenfalls den linken Fuß seines Goalgetters und stellte fest, dass "alle Spieler aus der ehemaligen DDR beidfüßig ausgebildet sind, das haben die richtig gut gemacht." Kollege Felix Klaus sah die Dinge ähnlich wie Petersen, vergaß aber nicht, gleich eine Warnung nachzuschieben: "Das Dümmste wäre jetzt, sich zu lange zu freuen. Wenn wir nächsten Samstag gegen Hannover verlieren, war der Sieg heute gar nichts wert."

Volle Konzentration aufs Wesentliche

Dass das Team nicht in der Gefahr ist, nach dem Sensationssieg die Konzentration aufs Wesentliche aus den Augen zu verlieren, betonte hingegen noch mal Keeper Roman Bürki, der mal wieder mit einigen guten Paraden Garant des Freiburger Sieges war. "Wir haben da einen Mann, der uns immer wieder daran erinnert." Gemeint war natürlich Christian Streich, der sich prompt zuversichtlich zeigte, dass seine Mannschaft "jetzt nicht anfängt zu spinnen und zu fliegen."

Auf den FC Bayern, dem der SC in einer defensiveren Grundformation als zuletzt entgegentrat, hatte Streich sein Team optimal eingestellt. Doch auch im 4-5-1-System erzielte Admir Mehmedi als einzige Spitze seinen zweiten Treffer im zweiten Spiel hintereinander. Dass der Schweizer WM-Fahrer gerade noch rechtzeitig in die Form der Vorsaison gekommen ist, ist ein weiterer Grund, warum der SC am kommenden Samstag einigermaßen optimistisch nach Hannover fährt.

Grundvoraussetzungen im Abstiegskampf erfüllt

Zumal man alle Grundvoraussetzungen erfüllte, um im Abstiegskampf zu bestehen: 112 Kilometer liefen die Spieler, die 52 Prozent aller Zweikämpfe gewannen – ein ungewöhnlich  guter Wert für ein Spiel gegen den Rekordmeister, der nach eigener Führung so gut wie immer seine Spiele nach Hause bringt. Nicht so am Samstag, als zunächst Mehmedi (33.) und dann Petersen (89.) die Bayern-Führung durch Bastian Schweinsteiger (13.) drehten. Kein Wunder also, dass Streich die Moral seiner Mannschaft als wichtigsten Faktor im Abstiegskampf hervorhob: "Wir haben in der Schlussphase sechs Mal Gegentore bekommen und Elfmeter verschossen. Es spricht für den Charakter dieser Mannschaft, dass sie nie aufhört."

Am kommenden Samstag kommt es nun zu einem weiteren Abstiegs-Endspiel. Im Falle eines Remis hätte der SC nach menschlichem Ermessen den Klassenerhalt sicher (Konstellationen im Abstiegskampf). Es wäre die Lizenz für das siebte Bundesliga-Jahr in Folge. Länger am Stück war der Sportclub noch nie in seiner Geschichte Mitglied der höchsten deutschen Spielklasse. Seit dem Samstag ist er diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf