Kaiserslautern - Als Stefan Kuntz im April 2008 zum Vorstandsvorsitzenden des 1. FC Kaiserslautern ernannt wurde, machten die "Roten Teufel" niemandem Angst. Im Gegenteil: Mit nur fünf Siegen nach 27 Spieltagen und dem zweitschwächsten Angriff der 2. Bundesliga stand der FCK auf einem Abstiegsplatz mit sechs Punkten Rückstand aufs rettende Ufer.

Der Rest ist Geschichte - und füllt einige Kapitel in der Historie des 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer sicherten sich am letzten Spieltag die Klasse, spielten im Folgejahr im vorderen Tabellenfeld und stiegen 2009/10 als Zweitligameister in die Bundesliga auf.

Kuntz, der Mann hinter dem Erfolg, ist stolz und zugleich bescheiden. Das wird auch im Gespräch mit bundesliga.de deutlich. Der 47-Jährige spricht über die Nähe zur Pfälzer Region, die Euphorie im Umfeld und in der Mannschaft und die Auftaktpartien in der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Kuntz, willkommen zurück in der Bundesliga. Ist der FCK bereit für das Abenteuer?

Stefan Kuntz: Ich denke, wir sind gut vorbereitet und wollen die Herausforderung annehmen.

bundesliga.de: Ihre Mannschaft hat sich in der Pfalz auf die Saison vorbereitet und auf ein Auslandstrainingslager verzichtet. Warum hat sich der Verein dafür entschieden?

Kuntz: Basis unseres Erfolges war neben der herausragenden Arbeit aller Beteiligten die hundertprozentige Identifikation und Einheit zwischen Fans und Mannschaft. Das bringen Trainer und Spieler auch sehr glaubhaft rüber. Die Mannschaft hat zum Beispiel über 170 Termine letztes Jahr wahrgenommen: Wir sind zu unseren Fans gefahren und haben nicht gesagt, kommt ihr doch hoch. Aber man darf sich auch nichts vormachen: Wenn der sportliche Erfolg gefehlt hätte, hätte auch das seine Wirkung verfehlt. Im Traditionsjahr wollen wir diesen Ansatz weiterverfolgen und authentisch Nähe vorleben.

bundesliga.de: Wie ist die Stimmung im Team und vor allem in der Region so kurz vor dem ersten Bundesligaspiel?

Kuntz: Beim Team merkt man die positive Anspannung und Vorfreude auf den Saisonstart. Die Mannschaft brennt - sprichwörtlich. Für die Euphorie im Umfeld, in der ganzen Region sprechen nackte Zahlen: Über 26.000 Dauerkarten haben wir verkauft und 130.000 Ticketanfragen für das Spiel gegen die Bayern sind eingegangen.

bundesliga.de: Zum Saisonstart der Bundesliga geht es nach Köln. Ist das ein Gegner, dem man im Kampf um den Klassenerhalt Punkte abnehmen sollte?

Kuntz: Ich gebe auf Zahlen und Statistiken nicht viel, auch wenn mir viele erzählen, dass wir seit 16 Jahren nicht mehr in Köln verloren haben sollen. Wir kommen mit vier Jahren 2. Bundesliga im Gepäck zurück und gehen mit dem geringsten Etat aller Bundesligisten in die Saison. Dennoch wird Marco Kurz mit seiner Mannschaft in jedes Spiel gehen, um es zu gewinnen. Unser Ziel ist der Klassenerhalt und dafür zählt jeder Punkt.

bundesliga.de: Bis zum ersten Pflichtspiel zuhause ist es noch eine Weile. Doch das Warten lohnt sich für die FCK-Fans, denn am 2. Spieltag geht es gegen den FC Bayern. Eine ideale Plattform für den FCK und die Pfalz, der Liga zu zeigen, was ihr die vergangenen Jahre gefehlt hat...?

Kuntz: Für uns ist natürlich jede Partie spannend. Wenn man so lange weg war, findet sich zu jedem Spiel eine besondere Geschichte: In Köln sind wir 1991 Meister geworden, 2008 haben wir dort den Verbleib in der 2. Bundesliga geschafft. Das Spiel gegen den FC Bayern bedarf keiner Worte, das Derby gegen Mainz auch nicht und dann kommt mit Hoffenheim ein Verein, der ganz anders funktioniert als wir. So geht das die ganze Saison...

bundesliga.de: Haben Sie das Gefühl, Verein, Trainer, Spieler und Anhänger konnten die Euphorie des Aufstiegs bis jetzt mitnehmen? Und wenn ja, wie weit kann diese Euphorie die "Roten Teufel" noch tragen?

Kuntz: Die Euphorie im Umfeld habe ich ja schon angesprochen, und wer die Feierlichkeiten zum Aufstieg und der Zweitligameisterschaft miterlebt hat, der weiß und hat gespürt, wie sehr die Fans und die Region die Rückkehr in die Bundesliga herbeigesehnt haben. Ich nenne in diesem Zusammenhang gern den 1. FC Köln, der mit drei Heimsiegen in der Liga geblieben ist und nie wirklich in Abstiegsnot war - wir wollen auswärts und auf dem "Betze" punkten, aber unsere Fans und die Stimmung etwa auf der Karlsberg Westtribüne sind ein absolutes Plus auf dem "Betze".

Die Fragen stellte Sebastian Stolz