München - Irgendetwas hat er, dieser Rafael van der Vaart. Etwas, das andere nicht haben. Natürlich, er ist ein guter Fußballer. Aber da ist noch mehr, da muss noch mehr sein. Denn nicht jeder gute Spieler, und davon hatte der Hamburger SV schon mehrere, wird so gefeiert, ja fast verehrt.

"Ich bin kein Superman, kein Messi oder Ronaldo", sagte der Niederländer bei seiner Präsentation in der Hansestadt am vergangenen Freitag. Wenn nicht Messi, dann vielleicht der Messias. Zumindest für den gebeutelten HSV. Seit der Heimkehr des niederländischen Spielgestalters - van der Vaart lief ja schon von 2005 bis 2008 für die Hansestädter auf - drängt sich der Eindruck auf, dass er als eine Art Heilsbringer dienen soll.

"Der ganz normale Wahnsinn"



1.000 Fans tummelten sich beim ersten Training des Last-Minute-Neuzugangs auf dem Trainingsplatz unweit der Imtech Arena, um ein Autogramm beziehungsweise das Trikot mit der 23 - die alte und neue van der Vaartsche Nummer - zu ergattern. "Das ist nun mal der ganz normale HSV-Wahnsinn", erklärte ein Trainings-"Kiebitz".

Besagter Wahnsinn fand am Dienstag seine Fortsetzung, als vdV sich das erste Mal nach über vier Jahren wieder das Trikot mit der Raute auf der Brust überstreifte und im Testspiel gegen den Landesligisten SC Schwarzenbeck sofort seine Qualitäten aufblitzen ließ. Der 29-Jährige überzeugte in seiner Rolle als Spielmacher mit einigen klugen Pässen und steuerte auch einen Treffer zum 12:0-Sieg der "Rothosen" bei.

Als van der Vaart nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde, umringten ihn schon wieder Dutzende Fans auf dem Weg in die Kabine. Der Niederländer selbst hat mit dem Hype um seine Person keine Probleme, ganz im Gegenteil: "Ich weiß, was von mir erwartet wird. Ich soll ein Führungsspieler sein. Das will ich auch."

Van der Vaart als Problemlöser



Im Testkick trug van der Vaart sogar die Kapitänsbinde. Ein deutlicher Fingerzeig von Trainer Thorsten Fink, der von der Lösung vdV gänzlich überzeugt ist: "Wir werden durch ihn effektiver, Rafael hat Ideen, ist torgefährlich. Und er will mit führen, macht auch mal den Mund auf." Trotzdem weiß Fink natürlich, dass "Rafael die Last nicht alleine tragen kann".

Definitiv: Van der Vaart wird das HSV-Spiel bereichern, wird das Aufbauspiel an sich reißen, für kreative Momente in der Offensive sorgen und dadurch auch die Defensive entlasten. Ob damit allerdings die Probleme in der zuletzt verunsicherten Mannschaft des Bundesliga-"Dinos" gelöst sind, wird sich am 3. Spieltag im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt zeigen.

"Wir freuen uns über eine absolute Verstärkung", sagt der etatmäßige Spielführer Heiko Westermann, um danach in die exakt gleiche Kerbe zu schlagen wie sein Trainer, "aber er allein kann keine Wunder vollbringen". Immerhin bleiben Fink durch die Länderspielpause noch eineinhalb Wochen, um van der Vaart in die Mannschaft zu integrieren.

Große Aufgabe für den "kleinen Engel"



Der von den Tottenham Hotspurs gekommene Neuzugang wurde von Hollands Nationaltrainer Louis van Gaal nicht für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele nominiert, um sich im neuen Verein einleben zu können. "Es ist gut, dass wir jetzt zwei Wochen Zeit haben, uns kennenzulernen und zielgenau vorzubereiten", findet van der Vaart.

Selbst für einen so erfahrenen Spieler wie ihn, der für die "Spurs" 77 und für Real Madrid 73 Pflichtspiele absolvierte, ist die Mission HSV eine knifflige. In Mladen Petric und David Jarolim hat der Verein im Sommer zwei gestandene Spieler verloren, die auch Verantwortung übernommen haben.

Nun fokussiert sich vieles auf ihn. Eine große Verantwortung, die auf den Schultern des "kleinen Engels" lastet, der zur Hoffnung eines ganzen Vereins, ja sogar einer ganzen Stadt geworden ist.

David Schmidt