"Hütche uffstelle, Bälle uffpumpe" - die Zeiten, in denen das Profil des Trainerberufs mit diesen einfachen Tätigkeiten umschrieben wurde, sind vorbei. Um von der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH die Lizenz zu bekommen, muss ein Proficlub einen Cheftrainer mit Fußball-Lehrer-Schein beschäftigen, dem, wie es in den Statuten heißt, "vertraglich und nach außen erkennbar alleinverantwortlich die Leitung des Trainings der Lizenzmannschaft übertragen ist."

Bei Hertha BSC gibt man sich mit der Mindestanforderung nicht zufrieden. Zusätzlich zu den zwei vorgeschriebenen Fußball-Lehrern absolvieren derzeit zwei weitere Hertha-Nachwuchstrainer die elfmonatige Ausbildung und ein weiterer ist schon für den kommenden Lehrgang angenommen. "Ein Trainer mit der höchsten Lizenz bringt natürlich ein positives Rüstzeug für die Gesamtstruktur eines Vereins mit. Deswegen legt Hertha großen Wert darauf. Je mehr Fußball-Lehrer man hat, desto besser", sagt Frank Vogel, der bei Hertha BSC das Leistungszentrum leitet und als Koordinator der Jugend- und Amateurabteilung arbeitet.

Leistungszentren seit 2002 Pflicht

Seit der Saison 2002/03 müssen die 36 Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens der DFL ein Leistungszentrum für Juniorenfußball nachweisen. Dort muss ein Club der Bundesliga mindestens zwei Trainer beschäftigen, die über eine Fußball-Lehrer-Lizenz verfügen, ein Club der 2. Bundesliga mindestens einen Fußball-Lehrer. Damit ist sicher gestellt, dass sich auch um die jungen Fußballer nur absolute Trainerprofis kümmern.

Der Status des Fußball-Lehrers ist die höchste Qualifikation, die die Trainerausbildung des Deutschen Fußball-Bundes vorsieht. Nur wer diesen Trainerschein besitzt beziehungsweise die Ausbildung dafür begonnen hat, darf als Chefcoach in einem Club ab der 3. Liga aufwärts arbeiten. Alternativ kann der Coach auch über eine gültige UEFA-Pro-Lizenz oder eine gleichwertige gültige, im Ausland erworbene Trainerlizenz, die von der UEFA anerkannt wird, besitzen.

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Elf Monate Ausbildung in Köln

Unterhalb des Fußball-Lehrers sieht das Trainer-Lizenzsystem des DFB drei weitere Stufen vor: als erstes die C-, dann die B- und schließlich die A-Lizenz. Ex-Profis, die mindestens sieben Jahre als Lizenzspieler aktiv waren oder mindestens zehn A-Länderspiele absolviert haben, können direkt mit der Ausbildung zur B-Lizenz beginnen.

Seit der Reform der Trainerausbildung im vergangenen Jahr dauert der Lehrgang zum Erwerb des Fußball-Lehrers inzwischen elf Monate. Ausbildungsort ist die Hennes-Weisweiler-Akademie an der deutschen Sporthochschule in Köln, geleitet wird diese von Frank Wormuth. Die Ausbildungsinhalte umfassen dabei die Bereiche Fußball-Lehre, Trainingswissenschaft, Sportmedizin, Psychologie/Pädagogik sowie verschiedene für den Trainer im Leistungsfußball relevante Spezialgebiete.

Schwieriger Balanceakt

Die Anwärter müssen dabei oft einen schwierigen Balanceakt zwischen dem Tagesgeschäft und der Ausbildung hinlegen. "Da ist großes Wohlwollen des Vereins notwendig", weiß Vogel. Dennoch hält er die Auflagen der DFL für sinnvoll: "Es ist ein positiver Druck der Verbände, möglichst gut ausgebildete Trainer auf die Jungs loszulassen. Denn die zahlreichen Facetten des Trainerhandwerks beherrscht man nicht automatisch dadurch, dass man selbst früher mal Spieler gewesen ist."

Die Maßnahmen zeigen in Berlin Wirkung: Seit 2000 hat Hertha rund 30 Spieler hervorgebracht, die Einsätze in der Bundesliga oder 2. Bundesliga absolviert haben. Wichtig ist für Vogel aber auch die soziale Komponente: "Die schwierige soziale und finanzielle Lage vieler Familien hinterlässt in der Seele der Jugendlichen immer größere Spuren. Der Stress und die Arbeitslosigkeit nehmen zu, und das macht auch vor dem Fußball nicht halt. Je besser es der Verein versteht, mit diesen Problemen der Jugendlichen umzugehen, desto klarer werden die Konzentration und die Weiterentwicklung im Fußballbereich sein. Denn wenn der Kopf klemmt, blockiert das auch die Füße."

Denis Huber