Als Werder Bremen in der vergangenen Saison schlecht in Tritt kam, konnte man dies leicht nachvollziehbar mit der erheblichen Verletztenmisere begründen. Eine bittere Tatsache, aber für Thomas Schaaf und das Bremer Umfeld auf sympathische Weise nicht als Ausrede haltbar.

Was damals als Ausrutscher gelten sollte, scheint sich aber nun bei deutlich verbesserter Personalsituation zu wiederholen. Auch in dieser Saison stolpert Werder ins Rennen um die Deutsche Meisterschaft und weckt damit Erinnerungen an vergangene Tage. Spielzeiten, vor denen die Grün-Weißen noch nicht selbstverständlich als Titelaspirant gehandelt worden waren.

Wie damals

Vor gut einem Jahrzehnt wunderte sich niemand über einen bescheidenen Saisonstart der Hanseaten. Zu Beginn der Spielzeit 96/97 dümpelte Werder nach dem 3. Spieltag auf dem vorletzten Platz. Ein Jahr später leuchtete man vom ersten bis zum vierten Spieltag sogar den Tabellenkeller mit der Roten Laterne aus. In der Folgesaison präsentierte sich die Tabellensituation nur unwesentlich attraktiver.

17, 18, 18, 15, 12, 11, 13: die Platzierungen am 3. Spieltag zwischen 1996 und 2002. Erst danach erwarb sich Werder die Mitgliedschaft für den exklusiven Club der "Schalen-Jäger". Und plötzlich findet man sich in der aktuellen Tabelle nach 270 Minuten plus Nachspielzeit auf dem 13. Platz wieder.

Was läuft noch nicht rund, dass Werder so holprig in die Meisterschaftssaison startet?

bundesliga.de kramt in der Datenkiste:

Tag des offenen Tors

Werder kassierte an den ersten drei Spieltagen sechs Treffer, im Schnitt zwei pro Partie! 2007/08 waren es über die gesamte Spielzeit nur 1,3 Gegentore pro Spiel gewesen

Deja-vu

Auch in der vergangenen Saison waren die Abwehrschrauben zum Start nicht richtig justiert. Damals mussten die Bremer ebenfalls sechs Treffer in den ersten drei Partien hinnehmen. Erst ab dem 6. Spieltag verbesserte sich die Quote

Wiese unter Dauerfeuer

Alle sechs Gegentore in der laufenden Saison fielen aus dem Spiel heraus. 16 Schüsse bekam die Schaaf-Elf auf ihren Kasten (mehr als fünf pro Spiel), pro Partie einer mehr als 2007/08 (4)

Mann gegen Mann

Die Zweikampfquote der Bremer (48 Prozent gewonnen) reicht noch nicht an den Wert des Vorjahres heran, als Werder knapp 51 Prozent seiner Duelle am Ball gewann

Der Chef fehlt

Mit Per Mertesacker fehlt den Hanseaten ihr bester Zweikämpfer aus der Vorsaison (72,5 Prozent gewonnen), der 2007/08 auch die meisten klärenden Aktionen hatte (234)

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Zwar gab die Schaaf-Elf tendenziell sogar mehr Torschüsse ab (19) als in der vergangenen Saison (18,5), doch die Chancenverwertung hinkt aktuell (12 Prozent) dem Vorjahreswert hinterher (15 Prozent)

Pizarro zielt noch ungenau

Claudio Pizarro hatte bei seinen ersten beiden Einsätzen fast 60 Ballkontakte pro Partie - ein ungewöhnlich hoher Wert für einen Stürmer. Gemessen an seinem unermüdlichen Einsatz musste aus den acht Torschüssen (und eine Torschussvorlage) eigentlich mehr herausspringen als ein Treffer

Die Hoffnung kommt zuletzt: Diego ist zurück

Bei seinem Comeback in Mönchengladbach legte er fünf Torschüsse auf und versuchte bei vier Torschüssen selbst sein Glück (ein Treffer). Mit ihm sollten die Bremer bald wieder zur gewohnten Treffsicherheit zurückfinden