Stark gespielt, knapp gewonnen: Der 1:0-Erfolg über den 1. FC Köln bescherte Borussia Dortmund drei Punkte und damit den erhofften Auftakt nach Maß zum Saisonstart.

Für BVB-Verteidiger Neven Subotic war es vor allem ein Sieg der Leidenschaft. Im Interview mit bundesliga.de spricht der Manndecker über Chancenverwertung, Defensivverhalten und das nächste Spiel in Hamburg.

bundesliga.de: Der erste Sieg ist geschafft - und für die Dortmunder Abwehr war es ein recht ruhiger Nachmittag.

Neven Subotic: Wir haben verdient gewonnen und wir können mit unserer Leistung insgesamt zufrieden sein. Die ganze Mannschaft hat defensiv gut gearbeitet. Ich glaube, Kuba hat seinem Gegenspieler alleine rund 20 Mal den Ball abgenommnen. Bei jedem Spieler war die Leidenschaft über 90 Minuten zu spüren. Das war schön und das haben auch die Fans honoriert.

bundesliga.de: Ist das Ergebnis nicht zu niedrig ausgefallen?

Subotic: Auch für einen 1:0-Sieg gibt es drei Punkte. Natürlich hatten wir noch zahlreiche gute Chancen; wir haben auch die Latte getroffen. Man muss Kölns Torwart Mondragon ein großes Kompliment machen. Er hat überragend gehalten. Trotzdem muss man sagen: Wenn wir unsere Chancenverwertung verbessern, werden solche Spiele demnächst auch vom Ergebnis her deutlicher enden. Und wir müssen uns nicht auf ein Eigentor des Gegners verlassen.

bundesliga.de: Hatten Sie die Kölner so defensiv erwartet?

Subotic: Nein, nicht wirklich. Köln hat tatsächlich sehr defensiv agiert und stand zum Teil mit zehn Spielern am eigenen Strafraum. Da war es gerade in der ersten Halbzeit für uns sehr schwer, Lücken zu finden. In der zweiten Hälfte haben wir das besser gelöst und uns klarere Chancen erarbeitet.

bundesliga.de: War das Spiel schon ein Maßstab für die Saison? Oder war Köln zu harmlos?

Subotic: In der Bundesliga ist jeder Gegner stark und muss erst bezwungen werden. In der vergangenen Saison haben wir zu oft in solchen Partien wie dieser nur unentschieden gespielt. Und diese Punkte haben uns am Ende gefehlt. Wir haben mit dem Spiel sicher einen Schritt nach vorne gemacht. Das Wichtigste war die Leidenschaft, die wir gezeigt haben. Und wir haben bewiesen, dass wir neben unseren offensiven Qualitäten auch defensiv stark sind. Das unterscheidet uns von anderen Mannschaften in der Liga. Ich denke, wir haben insgesamt unser Potenzial gegen Köln angedeutet, aber da kann noch mehr kommen.

bundesliga.de: Wo sehen Sie noch Steigerungsbedarf?

Subotic: Wir müssen mehr Tore schießen, wenn wir so gute Chancen haben. Andererseits kann man speziell unseren Stürmern keinen Vorwurf machen. Wenn Zidan in den Winkel zielt und Mondragon hält trotzdem, dann macht einem der gegnerische Torwart das Leben schon ziemlich schwer.

bundesliga.de: Am nächsten Samstag muss der BVB beim Hamburger SV antreten. Da dürfte mehr Arbeit auf Sie als Manndecker zukommen.

Subotic: Köln hat nur mit einem Angreifer agiert, der HSV wird sicher offensiver spielen. Und mit Petric, Guerrero und Berg haben sie auch einige erstklassige Stürmer im Kader. Da werden wir in der Innenverteidigung mehr gefordert sein, aber ich persönlich finde das gar nicht so schlecht. Man ist auch als Verteidiger voll im Spiel, ist ständig gefragt und kann sich noch mehr einbringen.

bundesliga.de: Gibt es Revanchegelüste, weil die Hamburger dem BVB am letzten Spieltag noch den Platz im Europapokal weggeschnappt haben?

Subotic: Was in der letzten Saison war, sollten wir jetzt nicht wieder aufrollen. Natürlich war es bitter, dass der HSV in der Tabelle noch an uns vorbeigezogen ist. Und an das letzte Spiel in Hamburg haben wir auch keine guten Erinnerungen. Da gab es den Platzverweis für Kovac nach dem Schlusspfiff. Aber am Samstag gilt für uns beim HSV einfach das, was bei jedem anderen Club auch gilt: Wir wollen gewinnen!

bundesliga.de: Dabei helfen soll dann auch wieder Torjäger Lucas Barrios, der gegen Köln sein erstes Bundesligaspiel gemacht hat. Wie beurteilen Sie ihn?

Subotic: Er ist ein sehr offener Typ und hat sich schon prima integriert - vor allem, wenn man überlegt, dass er erst seit zwei Wochen in Deutschland ist. Er versucht sogar schon ein bisschen Deutsch zu sprechen. Dass er auf dem Platz ein richtig Guter ist, hat er auch gegen Köln gezeigt. Er kann den Ball gut halten, ist kopfballstark - und an einem guten Tag haut er bestimmt auch ein paar Tore rein.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte