München - Für seine erste Deutsche Meisterschaft brauchte er nur vier Einsätze. Aber erst jetzt, drei Jahre später, nimmt die Bundesliga wirklich Notiz von ihm. Nürbergs Shootingstar Alexander Esswein mischt die Liga kräftig auf - im zweiten Versuch.

Zum Saisonbeginn 2008/2009 wechselte der gebürtige Wormser aus der Jugend des 1. FC Kaiserslautern im Alter von 18 Jahren zum VfL Wolfsburg. Unter Trainer Felix Magath feierte Esswein im Februar 2009 sein Bundesliga-Debüt.

Lehrreiche Zeit

Am Ende dieser Spielzeit kam der Newcomer auf vier Einsätze und die "Wölfe" konnten prompt ihre bislang einzige Deutsche Meisterschaft bejubeln. In der anschließenden Hinrunde lief Esswein noch vier Mal für die Niedersachsen auf - doch der junge Stürmer hatte es neben den Topleuten Grafite, Edin Dzeko und Neuzugang Obafemi Martins schwer und fand sich im Regionalligakader wieder. Schließlich zog er die Konsequenzen und wechselte in die 3. Liga - zu Dynamo Dresden.

Im Interview mit dem "Kicker" bezeichnete Esswein den Konkurrenzkampf mit den Wolfsburger Leistungsträgern im Nachhinein als eine lehrreiche Zeit: "Ich konnte mir viel von ihnen abschauen. Dzeko ist komplett, Grafite eiskalt vor dem Tor."

"Aufstieg bedeutet mir mehr als die Meisterschaft"

In Dresden entwickelte sich Esswein schnell zu einem absoluten Leistungsträger. Für die Sachsen erzielte er in der vergangenen Saison 17 Tore und gab acht Torvorlagen. Zum Ende dieser Spielzeit stieg der Youngster mit Dynamo in die 2. Bundesliga auf.

"Deutscher Meister zu werden, ist etwas sehr Schönes, aber der Aufstieg bedeutet mir mehr, weil ich viel mehr dazu beigetragen habe", ordnete Esswein den Stellenwert des Erfolges im "Kicker" ein.

Seine starken Leistungen in Dresden weckten bei den Bundesliga-Vereinen jedenfalls neue Begehrlichkeit. Der 1. FC Nürnberg machte schließlich das Rennen und sichterte sich zum Beginn der aktuellen Spielzeit bis zum Jahr 2014 Essweins Dienste.

Starke Rückrunde

Und dort stellt Esswein seine Qualitäten als beidfüßiger, zweikampfstarker und sprintschneller Torjäger immer mehr unter Beweis. Zuletzt gegen Bremen erreichte er für einen Stürmer starke 56 Prozent gewonnene Duelle und eine Maximalgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde. Auf vier Saisontore kommt der 21-Jährige mittlerweile. Allein in den sechs Partien der laufenden Rückrunde erzielte er drei Treffer und bereitete zudem ein Tor vor.

Und am vergangenen Samstag beim SVW wurde der Neuzugang mit seinem entscheidenden Treffer beim 1:0-Auswärtserfolg sogar zum Matchwinner für den "Club". "Jetzt haben wir schon ein gewisses Polster angesammelt", meinte Esswein nach dem Spiel in Hinsicht auf die acht Punkte Vorsprung zu den Abstiegsplätzen.

In dieser Form ist der U-21-Nationalspieler aus der Stammformation der Franken nicht wegzudenken. Alexander Esswein ist in der Bundesliga angekommen - und diesmal richtig.

Benedikt Büschleb