Köln - Dortmund gegen Schalke: Das emotionalste Derby im deutschen Fußball findet nicht nur regelmäßig in der Bundesliga statt. Im Jugendfußball treffen die Mannschaften beider Ruhrgebietsnachbarn viel öfter aufeinander, und schon beim Nachwuchs ist BVB gegen S04 das wichtigste Spiel des Jahres.

Lars Ricken hat sich etliche hitzige Duelle mit den Schalkern geliefert: sowohl in den Jugendteams als auch mit den Profis des BVB. Der heutige Nachwuchskoordinator von Borussia Dortmund weiß aber, dass die große Konkurrenz auch fruchtbar und anspornend für beide Clubs ist.

bundesliga.de: Herr Ricken, wie haben Sie die Revierderbys als Ur-Dortmunder in der Jugend und später bei den Profis erlebt?

Lars Ricken: Die Rivalität war früher sehr groß und sie ist auch heute sehr groß. Da hat sich nichts geändert. Für mich als Spieler hatte sich geändert, dass ich in der Jugend nie gegen Schalke verloren habe, bei den Profis dann aber doch. Die Derbys sind elektrisierend, das kann man im Stadion fast körperlich spüren.

bundesliga.de: Gilt das auch schon für die Derbys in der Jugend?

Ricken: Da ist die Bedeutung sogar noch größer! Denn die Spieler aus den Jugendmannschaften kommen ja größtenteils aus der Umgebung von Dortmund und Schalke. Die kennen die Brisanz seit Kindesbeinen. Unsere U 19 hat gerade gegen Schalke verloren: Das haben die Schalker gefeiert, als hätten sie die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Diese Bedeutung muss Manuel Neuer einem Raul oder Huntelaar erst mal erklären.

bundesliga.de: Belebt die Konkurrenz aber nicht auch die Arbeit beider Clubs?

Ricken: Natürlich. Durch unsere räumliche Nähe buhlen wir oft um dieselben Talente. Und nicht nur wir und Schalke, sondern auch Bochum, Köln oder Leverkusen. Das heißt, dass wir gute Argumente brauchen, damit sich der Spieler für den BVB entscheidet. Wir müssen also einen hohen Standard bei den Trainern, Trainingsplätzen und in der gesamten Ausbildung bieten. Insofern ist die Konkurrenz auch fruchtbar.

bundesliga.de: Kooperieren Dortmund und Schalke im Nachwuchsbereich auch in irgendeiner Form?

Ricken: Nein, da geht jeder seinen eigenen Weg und behält sein Know-how für sich. Aber die Spieler treffen sich ja sehr oft: Sie spielen zusammen in den Auswahlmannschaften, manchmal besteht die Westfalenauswahl fast nur aus Dortmundern und Schalkern. Oder sie kommen beim Stützpunkttraining des DFB zusammen. Das fördert natürlich den gegenseitigen Respekt und das Fairplay.

bundesliga.de: Das hört sich ja fast schon nach Freundschaft an.

Ricken (lacht): Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Kevin Großkreutz und Manuel Neuer mal ein Zimmer teilen werden…

Das Gespräch führte Stefan Kusche