Hoffenheim - Im Kraichgau tut sich was. 1899 Hoffenheim hat seine Mannschaft mit einigen hochkarätigen Spielern verstärkt, um in der kommenden Saison die internationalen Plätze ins Visier zu nehmen. Die vielleicht prominenteste Neuverpflichtung war die von Nationalspieler Tim Wiese, den bundesliga.de zum Interview bat.

bundesliga.de: Herr Wiese, wie haben Ihre Bremer Mannschaftskameraden reagiert, als Sie ihnen sagten, dass Sie nach Hoffenheim gehen? Gab es ein bisschen Flachs und Spott?

Wiese: Nein, im Gegenteil. Die Kollegen haben mir gratuliert. Man weiß ja in der Bundesliga, dass Hoffenheim ein Verein ist, der Perspektive hat und finanziell gut aufgestellt ist.

bundesliga.de: Aber Sie waren auch bei Real Madrid im Gespräch, haben mit Bremen um Titel gespielt und sind jetzt in der Provinz gelandet. Warum wollten Sie nicht nach Spanien?

Wiese: Ich weiß, was ich an Deutschland und der Bundesliga habe. Ich habe ja mit Jose Mourinho (dem Trainer von Real Madrid, die Red.) gesprochen. Und ich weiß, dass bei Real mit Iker Casillas ein absoluter Hero im Tor steht. Außerdem habe ich mich an das Beispiel von Timo Hildebrand erinnert, der als Torhüter des Deutschen Meisters nach Spanien wechselte und dann nicht viel gespielt hat. Da bleibe ich lieber in der Bundesliga, die auch auf einem Topniveau ist.

bundesliga.de: Sie sind nun seit einigen Wochen in einer neuen Umgebung. Wie gefällt es Ihnen auf dem Land?

Wiese: Mir gefällt es super in Hoffenheim. Ich bin ohnehin eher ein ländlicher Typ. Das ist ja hier auch ein schönes Weinbaugebiet. Da freue ich mich, auch ab und zu einmal ein Gläschen guten Weins zu trinken. Aber im Ernst. Das Trainingszentrum ist überragend. Hier steckt unheimlich viel Potenzial in dem Verein. Es war die richtige Entscheidung, nach Hoffenheim zu wechseln und hier für vier Jahre zu unterschreiben.

bundesliga.de: Was waren die ausschlaggebenden Gründe für Ihren Wechsel?

Wiese: Ich hatte sehr gute Gespräche mit Trainer Markus Babbel. Er hat mir erklärt, was er vorhat und erreichen will. Nach den vielen Jahren in Bremen unter Thomas Schaaf, der auch ein sehr guter Trainer ist, freue ich mich nun auf einen neuen, jungen Coach, der frech und mutig spielen lässt. Außerdem haben wir uns gut verstärkt und den richtigen Mix aus jungen und erfahrenen Spielern gefunden. In Hoffenheim wird der Jugendwahn manch anderer Vereine nicht mitgemacht. Und das ist gut so.

bundesliga.de: Das Saisonziel ist sehr ambitioniert. Es soll nach Europa gehen.

Wiese: Es wird in Hoffenheim Zeit für das internationale Geschäft. Wenn das nicht mein Ziel wäre, wäre ich fehl am Platz. Es ist doch für einen Fußballer das Schönste, international zu spielen gegen die Topteams Europas in großartigen Stadien. Ich habe mit Bremen fünf Jahre lang international gespielt und stand im Europa-League-Finale. Das hat Riesenspaß gemacht, das möchte ich wieder erleben.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie mit inzwischen 30 Jahren Ihre Karriere?

Wiese: Ich wäre sicher gerne mal Deutscher Meister geworden. So bin ich Pokalsieger geworden, stand in einem Europacup-Finale. Im Großen und Ganzen ist es für mich in meinen elf oder zwölf Profijahren aber ganz gut gelaufen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich zwei schwere Verletzungen weggesteckt habe und mich nie habe unterkriegen lassen.

bundesliga.de: Zurück zur TSG. Wo muss sich Hoffenheim vor allem verbessern, wenn die Qualifikation für Europa klappen soll?

Wiese: Wir müssen daheim stärker werden. Hoffenheim hat in der letzten Saison nur vier Heimspiele gewonnen, das ist natürlich zu wenig. Fans und Team müssen zu einer Einheit zusammengeschweißt werden. Und wenn wir das hinbekommen, können wir auf einer Euphoriewelle durch die Saison reiten. Ich glaube, die Mannschaft hat richtig viel Potenzial.

bundesliga.de: Zum Saisonauftakt geht es in gut zwei Wochen nach Mönchengladbach. Das wird eine schwere Aufgabe.

Wiese: Mit Bremen haben wir da nicht viel geholt und meistens viele Gegentore bekommen. Aber Hoffenheim liegt der Borussia nicht so. Wir müssen aufpassen, wollen da aber drei Punkte holen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski