Nach einem "guten warm-up für die WM-Qualifikation" hat Joachim Löw den Konkurrenzkampf in der deutschen Nationalmannschaft weiter geschürt.

17 Tage vor dem Ernstfall nutzte der Bundestrainer das mäßige 2:0 (0:0) zum Saisonauftakt gegen Belgien, um den Druck auf die Etablierten wie Kapitän Michael Ballack und Torsten Frings, aber auch Christoph Metzelder, Per Mertesacker oder Miroslav Klose hochzuhalten.

"Die Spieler müssen in die Mannschaft wollen"

"Ich möchte den Konkurrenzkampf haben. Ich erwarte, dass die Spieler angreifen. Deshalb ist es auch legitim, dass ein Thomas Hitzlsperger sagt, dass er Stammspieler werden will. Die Spieler müssen darauf drängen, dass sie in die Mannschaft wollen", verdeutlichte Löw vor den ersten Qualifikationsspielen für die WM 2010 in Südafrika.

Bereits am 29. August wird er sein Aufgebot für die beiden Partien in Liechtenstein (6. September) und in Finnland (10. September), aber auch für das Abschiedsspiel von Oliver Kahn (2. September) benennen.

Schweinsteiger schießt Deutschland in Führung

Der Erfolg gegen Belgien vor 34.117 Zuschauern in Nürnberg durch Treffer von Bastian Schweinsteiger (59./Foulelfmeter) und Marko Marin (77.) war 52 Tage nach dem verlorenen EURO-Finale gegen Spanien (0:1) der Start in ein laut Bastian Schweinsteiger "neues Abenteuer", bei dem in allen Mannschaftsteilen die Karten neu gemischt werden.

"Für den Trainer ist es eine gute Situation", sagte Schweinsteiger, der in der zweiten Hälfte erstmals Kapitän der DFB-Auswahl war: "Auch gestandene Spieler müssen Leistung zeigen, um ihren Platz zu verteidigen. Es gibt wenige Mannschaften auf der Welt, die einen so jungen Kader haben. Es rücken viele gute Spieler nach. Das Potenzial ist sehr groß."

Tasci feiert überzeugenden Einstand

Zur Freude von Löw, dem es gelegen kam, dass gegen die harmlosen Belgier einige Spieler aus der zweiten Reihe auf sich aufmerksam machten. Insbesondere Neuling Serdar Tasci zollte er ein Sonderlob: "Er hat all das umgesetzt, was wir von ihm erwartet haben. Er ist taktisch gut ausgebildet, hat eine hervorragende Spielauflösung. Er hat enormes Potenzial."

Zusammen mit Heiko Westermann habe der 21 Jahre alte Stuttgarter die Abwehr gut organisiert, sagte Löw und fügte vieldeutig in Richtung des WM- und EURO-Duos Metzelder/Mertesacker an: "Die Innenverteidigung bei der EURO war nicht so stark und präsent wie bei der WM. Da gab es Abstimmungsprobleme. Wir brauchen Alternativen."

Das Fehlen von Ballack und Frings war spürbar

Im Mittelfeld sollen Hitzlsperger und Simon Rolfes den bisherigen Leistungsträgern Ballack und Frings, die beide gegen Belgien verletzt absagen mussten, Beine machen. Löw betont zwar immer wieder, "dass wir schon wissen, was wir an Michael Ballack und Torsten Frings haben".

Dennoch ließ der Bundestrainer ("Wir waren gut im Fluss") auch nach dem Belgien-Spiel keine Gelegenheit aus, um die Herausforderer zu stärken. "Sie haben die Dinge gut umgesetzt, waren sehr engagiert. Wichtig war, dass sie mutig gespielt haben, auch Mut zu Fehlern hatten", bewertete Löw die solide Leistung von Hitzlsperger und Rolfes in zentraler Mittelfeldposition übertrieben positiv.

Beim Kampf um die Plätze im Mittelfeld erwartet Löw auch von Piotr Trochowski ("Er hat unglaubliche Fähigkeiten") und dem 19-jährigen Marin, der sieben Minuten nach seiner Einwechselung im zweiten Länderspiel sein Premierentor in der DFB-Auswahl erzielte, "dass sie angreifen".

Podolski sammelt weiter Pluspunkte

Auch im Angriff hat der Bundestrainer die Qual der Wahl. Fünf Stürmer (Klose, Podolski, Gomez, Kuranyi und Helmes) kämpfen um zwei Plätze. Gegen Belgien konnte sich zwar keiner durch ein Tor in den Vordergrund drängen, aber Lukas Podolski und Mario Gomez, der den Elfmeter herausholte, sammelten durch ein großes Pensum immerhin Pluspunkte.

Zumal Miroslav Klose, vor der Pause Spielführer, nach wie vor meilenweit von seiner Form entfernt ist und so um seinen Stammplatz fürchten muss. Gefahr droht dem WM-Torschützenkönig momentan sogar von Patrick Helmes, der nach Aussage von Löw "ein großes Potenzial hat. Von ihm erwarte ich in den kommenden Monaten einiges".

Robert Enke vorläufige Nummer 1

Offen ist nach wie vor auch die Torwartfrage. Robert Enke konnte sich im ersten Spiel nach dem Rücktritt von Jens Lehmann im Kampf um die Nummer eins nicht groß auszeichnen. Wichtig sei gewesen, "dass wir zu Null gewonnen haben", sagte er.

In Liechtenstein und Finnland wird der Schlussmann von Hannover 96 voraussichtlich wieder im Tor stehen: "Da ist es wichtig, die Chance zu nutzen."