Köln - 33 Spieltage sind absolviert. Im Tabellenkeller der Bundesliga ist nach wie vor alles offen. Alle sechs gefährdeten Vereine vom Dreizehnten Hertha BSC bis zum Schlusslicht SC Paderborn, können den Klassenerhalt noch schaffen, ohne dass extreme Fußballwunder geschehen müssen.

Bei vier Clubs avancierten nicht nur an diesem 33. Spieltag, sondern auch schon bereits zuvor, Spieler zu Hoffnungsträgern. An ihnen können sich die Teamkollegen aufrichten, sie reißen mit ihren Leistungen die anderen mit. bundesliga.de hat diese Spieler zusammengestellt.

Nils Petersen (SC Freiburg): Der Edeljoker

Der im Winter aus Bremen ausgeliehene klassische Mittelstürmer braucht nicht lange, um große Wirkung zu erzielen. Gegen den FC Bayern wurde der 26-jährige Nils Petersen fünf Minuten vor Spielende eingewechselt, mit seinem dritten Ballkontakt sorgte er für den Treffer zum 2:1 und damit für die Entscheidung! Es war bei seinem elften Spiel im Trikot der Breisgauer sein achter Treffer und sein fünfter als Joker.

"Wenn der Trainer seine Einwechslungen immer so legt, dass es passt, bin ich der Letzte, der sich beschwert", sagte Petersen nach den Spiel. Von seinem Trainer Christian Streich gab es ein Extralob. "Nils Petersen ist ein Vollblutprofi und erst kurze Zeit bei uns. Er identifiziert sich mit dem Verein. Ich bin total glücklich, dass er zu uns gekommen ist", freute sich der Fußballlehrer.

Durch den Dreier gegen die Bayern haben sich die Freiburger Chancen auf den Klassenerhalt drastisch verbessert. "Am Sieg gegen die Bayern hat man gesehen, was möglich ist", meint Petersen. "Auch am nächsten Wochenende ist wieder so ein Wunder möglich. Deswegen bleibe ich ganz ruhig und demütig. Das ist auch die Freiburger Mentalität, und die wird am Ende auch belohnt."

Lars Stindl (Hannover 96): Der Alleskönner

Sieben der letzten elf Tore von Hannover 96 gehen auf das Konto von Lars Stindl. Er ist die Trumpfkarte der Niedersachsen im Abstiegskampf, der Mann, der wie kein Zweiter die Hoffnung auf den Verbleib in der Bundesliga am Leben hält. Mit seinem Doppelpack beim 2:1-Auswärtserfolg beim Europa-League-Aspiranten FC Augsburg schoss er 96 aus dem Tal der Tränen.

Nach dem ersten Dreier im Jahr 2015 und 16 sieglosen Partien zuvor steht Hannover 96 wieder über dem Strich. Fiel Lars Stindl in den letzten Jahren vor allem als exzellenter Passgeber und Torvorbereiter auf, so schwang sich der Kapitän in dieser Saison zum Vollstrecker auf, wie seine zehn Saisontore eindrucksvoll belegen. "Unsere Ausgangslage hat sich ein Stück weit verbessert", sagt der Matchwinner. "Sie ist zwar nicht optimal, aber gut. Wir wollten den Sieg schon so lange und sind nun endlich belohnt worden. Nun sind wir bereit für das Finale gegen Freiburg."

Martin Harnik (VfB Stuttgart): Die Spaßkanone

"Martin Harnik ist bei uns für den Humor zuständig", sagte VfB-Trainer Huub Stevens süffisant zur Retourkutsche seines Torjägers Martin Harnik. Der hatte nach seinem Tor zur Stuttgarter 2:1-Führung gegen den Hamburger SV mit seinen Teamkollegen ein kleines "Affentänzchen" an der Eckfahne aufgeführt und damit auf den verbalen Ausrutscher seines Coaches beim Donnerstagstraining angespielt, als Stevens seine Spieler "Affen" genannt hatte. Das war alles vergessen.

Viel wichtiger war, dass der VfB Stuttgart gerade noch rechtzeitig in die Spur zu kommen scheint und Martin Harnik daran einen maßgeblichen Anteil besitzt. Der Österreicher ist mit seinen nun neun Saisontreffern immer noch mit Abstand der beste VfB-Torschütze. Bei seinen letzten sieben Spielen netzte er vier Mal ein. Mit seiner mitreißenden Art steckt er seine Mitspieler an.

"Wir glauben seit mehreren Wochen an uns und standen schon desöfteren mit dem Rücken an der Wand", sagt Martin Harnik vor dem Endspiel des VfB in Paderborn am letzten Spieltag. "Im Vergleich zu den letzten Wochen ist unsere Situation komfortabel. Wir wollen noch eine der beiden Mannschaften vor uns überholen. Diese Chance wollen wir am Schopfe packen."

Gojko Kacar (Hamburger SV): Das Stehauf-Männchen

Bruno Labbadia hatte ihn einst aus Berlin zum Hamburger SV gelotst, seine Ankunft dann aber als Trainer nicht mehr erlebt. Fast fünf Jahre ist das nun her. 55 Spiele absolvierte Gojko Kacar in vier Jahren für die Hanseaten, den Durchbruch hat er nie so richtig geschafft. Und dann heuerte Labbadia erneut in Hamburg an und brachte Kacar nach seiner misslungen Premiere in Bremen in den letzten vier Spielen in der Startelf.

Der Serbe dankte es dem Trainer und schoss die letzten drei Hamburger Tore. In Mainz war es der Siegtreffer, gegen Freiburg der Last-Minute-Ausgleich, in Stuttgart das Tor zur zwischenzeitlichen Führung. So wurde aus dem Auslaufmodel, dessen Vertrag nicht mehr verlängert werden sollte, der Hoffnungsträger. "Wenn er am Boden liegt, steht er wieder auf", lobt Labbadia die Mentalität des 28-Jährigen.

Von Tobias Gonscherowski