München - Eigentlich ist Andreas Ottl als äußerst kommunikativer und gesprächsfreudiger Mensch bekannt. Immer freundlich, stets ansprechbar. Doch auch beim Mittelfeldspieler des FC Bayern gibt es Grenzen. Das musste nun sein Kumpel und Ex-Mannschaftskollege Michael Rensing erfahren. Als der Kölner Schlussmann morgens um neun Uhr versuchte, Ottl auf dem Handy zu erreichen, ging dieser einfach nicht ans Telefon."Das war noch ein bisschen zu früh", lachte der 25-Jährige, fügte aber sofort hinzu: "Ich rufe ihn aber nach dem Training zurück - und werde ihn etwas ausquetschen."

Besonders viel wird Rensing über den 1. FC Köln, seinen neuen Arbeitgeber seit der Rückrunde und Bayerns nächsten Gegner, indes kaum erzählen können. Auch wird der 26-jährige Keeper sicherlich nicht verraten, wie die "Geißböcke" im eigenen Stadion zu bezwingen sind. In den letzten vier Aufeinandertreffen der beiden Teams konnte der Rekordmeister nämlich keinen Sieg einfahren, drei Remis und eine Niederlage lautet die schwache Ausbeute der Münchner aus der jüngeren Vergangenheit.

Ottl: "Die Kölner sind kein Angstgegner"

Doch die Bayern reisen nach drei Pflichtspielsiegen in Folge und bemerkenswerter Torausbeute durchaus selbstbewusst an den Rhein. "Wir haben eine gute Serie gestartet", meint Ottl vor dem Duell mit dem 16. der Bundesliga: "Unser Spiel ist flüssig und wir erarbeiten uns viele Torchancen. Wir sind in einer guten Verfassung - und die Kölner sind kein Angstgegner."

Auch Innenverteidiger Holger Badstuber hat keinen Zweifel am Erfolg am kommenden Samstag, gibt sich aber etwas zurückhaltender als Ottl. Man habe sich in letzter Zeit "schwer getan" gegen Köln, so der 21-jährige Linksfuß, doch der "kleine Aufwärtstrend" seit dem Rückrundenstart soll beim dritten Auswärtsspiel in Folge nicht abbrechen. "Es wird nicht leicht, dennoch müssen wir den Sieg einfahren."

Heiße Wochen haben begonnen

Der Blick auf die Tabelle dürfte den drittplatzierten Bayern trotz ihrer positiven Serie nicht wirklich gefallen - Spitzenreiter Borussia Dortmund hat ganze 14 Punkte mehr auf dem Konto - entsprechend ehrgeizig sind die eigenen Vorgaben.

"Wir sind in der Bundesliga immens unter Druck", sagt Badstuber. Und mit Hoffenheim, Mainz und Dortmund warten bereits die nächsten Knaller auf den Double-Gewinner, ganz zu Schweigen vom Champions-League-Wiedersehen mit Titelverteidiger Inter Mailand am 23. Februar im San Siro. "Wir haben nur noch Endspiele vor uns", so der Innenverteidiger, "daher müssen wir siegen, siegen, siegen. Die heißen Wochen haben begonnen."

Ottl spürt Van Gaals Vertrauen

Das Ende der Ära Mark van Bommel scheint die immer jünger werdende Truppe nicht sonderlich zu stören. Die Hierarchie innerhalb des Teams dürfte mit Kapitän Philipp Lahm an der Spitze wohl gefestigt sein, das Engagement jedes Einzelnen ist gewünscht. "Viele haben bereits Verantwortung übernommen, als Mark noch hier war. Philipp genießt großes Ansehen - das hat er sich erarbeitet", berichtet Ottl.

Was seinen (festen) Platz im defensiven Mittelfeld angeht, hat Andreas Ottl unter Trainer Louis van Gaal - wie eigentlich jeder Bayern-Profi - trotz des Abgangs von Mark van Bommel keine Stammplatz-Garantie. Seine letzten beiden Einsätze über 90 Minuten geben ihm aber Selbstvertauen: "Wir haben die beiden Spiele gewonnen, das spricht auch für mich. Der Trainer vertraut mir. Ich bin guter Dinge, dass ich weiterspiele."

Fest steht, dass Ottls Kommunikationsfähigkeit auf dem Spielfeld deutlich besser ist als morgens um neun Uhr: "Ich bin nicht leise auf dem Platz", sagt er. Doch an einem großen Manko, dass weiß Andreas Ottl genau, muss er noch arbeiten: "Ich kann nicht besonders gut Witze erzählen - weder in der Kabine, noch auf dem Platz."

Vom FC Bayern berichtet Barnabas Szöcs