In Berlin wächst die Euphorie. Hertha BSC hat in der Bundesliga einen Lauf. Nach vier Siegen und 13 Punkten aus den vergangenen sechs Bundesliga-Auftritten steht Hertha BSC auf dem 5. Tabellenplatz.

Am 12. Spieltag zogen die Berliner überraschend Sensationsaufsteiger Hoffenheim den Zahn. Den Treffer des Tages erzielte dabei Andrey Voronin. Der Ukrainer, der erst kurz vor Ende der Transferperiode I von der Anfield Road an die Spree gekommen war, fühlt sich pudelwohll zwischen Fernsehturm und Brandenburger Tor.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Voronin über den Sieg gegen Hoffenheim, Berliner Leistungsträger und das wichtige und schwere Heimspiel gegen den Hamburger SV.

bundesliga.de: Herr Voronin, herzlichen Glückwunsch zum Siegtor gegen Hoffenheim. Wie wichtig war dieser "Dreier" gegen den bis dato Tabellenführenden für das Selbstbewusstsein der Hertha?

Andrey Voronin: Jeder Sieg ist wichtig für das Selbstvertrauen einer Mannschaft. Dennoch gebe ich zu, dass ein Sieg über eine Mannschaft, die momentan in aller Munde ist, noch ein bisschen wichtiger ist. Wir haben super dagegen gehalten und den Sieg erkämpft. Unsere Mannschaft ist intakt.

bundesliga.de: Die wichtigen Tore scheinen Ihnen zu liegen. Schon gegen Leverkusen machte Ihr Treffer den Unterschied. Würden Sie sich als besonders abgebrüht vor dem Tor bezeichnen?

Voronin: Ich freue mich darüber, dass ich mit meinen Toren zu den Siegen meiner Mannschaft beigetragen habe. Ich habe auch schon viele große Chancen vor dem Tor ausgelassen, aber man muss es immer wieder probieren. Ich weiß nicht, ob ich besonders abgebrüht bin. Meine Aufgabe als Stürmer ist es, viele Tore zu erzielen und das versuche ich in jedem Spiel.

bundesliga.de: Sie sind vorerst nur vom FC Liverpool nach Berlin ausgeliehen. Können Sie sich ein längerfristiges Engagement in der deutschen Hauptstadt vorstellen?

Voronin: Das kann ich mir durchaus vorstellen. Berlin ist eine tolle Stadt und Hertha BSC ist ein sehr professionell geführter Verein, der Ziele hat und diese konsequent verfolgt. Ich bin auf jeden Fall gesprächsbereit.

bundesliga.de: Wie sind Sie mit der Spielweise in England zu recht gekommen und liegt Ihnen die Bundesliga vielleicht sogar mehr?

Voronin: Die Spielweise in England hat mir gelegen. Da gibt es keine Atempause und es wird sehr schnell gespielt. Ich habe aber auch bewiesen, dass ich mich in der Bundesliga durchsetzen kann.

bundesliga.de: Sie sind ein "alter Hase" in der Bundesliga und haben mit vielen Profis zusammengespielt. Gibt es bei der Hertha einen Mitspieler, der Sie besonders beeindruckt?

Voronin: Ich finde es schon erstaunlich, was unsere Innenverteidigung mit Arne Friedrich und Josip Simunic in den vergangenen Spielen geleistet hat. Das ist sogar teilweise beeindruckend. Dazu möchte ich auch unseren Keeper Jaroslav Drobny zählen, der uns zum Beispiel das Spiel in Leverkusen gewonnen hat.

bundesliga.de: Bis auf die Spiele bei den Bayern und in Bremen stand Herthas Abwehr unheimlich sicher. Was lief in diesen beiden Partien nicht oder andersherum gefragt: Was lief in den meisten Partien besonders gut?

Voronin: Es gibt Spiele, die einfach von vorne bis hinten nicht laufen. Diese beiden Partien gehörten definitiv dazu. Wenn wir erfolgreich waren, hat es meistens an unserer starken Defensive gelegen. Bei uns muss eben alles zusammenpassen und dann ist es sehr schwer, gegen uns zu gewinnen.

bundesliga.de: Hamburg hat auswärts bereits 14 Gegentore zugelassen. Ist der HSV ein angenehmer Gegner für die Berliner?

Voronin: Das wird sich am Samstag zeigen. Der HSV hat sehr viel in die Mannschaft investiert und verfügt über einen sehr guten Kader. Irgendwann werden sie versuchen, ihre negative Auswärtsserie zu stoppen. Wir werden allerdings etwas dagegen haben.

bundesliga.de: In den vergangenen 14 Duellen zwischen der Hertha und dem HSV gab es keinen einzigen Auswärtssieg. Was muss Berlin tun, damit die Serie auch weiterhin bestehen bleibt?

Voronin: Am besten so spielen wie in den sieben Heimspielen zuvor. Aber Spaß beiseite, wir müssen sehr konzentriert sein und aus einer kompakten Abwehr heraus das Spiel machen. Der HSV wird sich nicht hinten reinstellen und deswegen könnten uns die Hamburger liegen.

bundesliga.de: Noch eine abschließende Frage. Nicht viele Experten haben damit gerechnet, dass die Hertha so weit oben mitmischen kann. Was kann die Mannschaft in dieser Saison alles erreichen?

Voronin: Das ist schwer zu sagen. Wir wollen um die internationalen Plätze mitspielen, aber das wollen viele andere Mannschaften auch. Noch ist in der Tabelle alles eng beieinander. Wir müssen zusehen, dass wir bis Weihnachten im oberen Tabellendrittel bleiben, dann könnte es mit der Qualifikation für den UEFA-Cup klappen.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz