Hätte man den Dortmundern vor 30 Jahren von einem Fußball-Tempel mit über 80.000 Plätzen inmitten ihrer Stadt erzählt, von einem Stadion mit Glasfassade, Rasenheizung und der größten Stehplatztribüne Europas, alle hätten ob derlei Phantastereien nachsichtig gelächelt. Heute steht an der Strobelallee mit dem SIGNAL IDUNA PARK tatsächlich Deutschlands größtes Fußballstadion. Fassungsvermögen: Exakt 81.264 Plätze.

Die Spielstätte an der Strobelallee, für Fans schlicht "der Tempel", von Presse, Profis und Prominenz nicht selten mit dem Attribut "schönstes Stadion der Republik" versehen, ist nach Vollendung der dritten Ausbaustufe eine der größten und komfortabelsten Arenen Europas. Ein langer Prozess der Errichtung und Umgestaltung hat mit den letzten Umbaumaßnahmen zur FIFA WM 2006 seinen Höhepunkt erreicht.

Zwilling "Rote Erde"

Die Stadion-Story beginnt vor über 40 Jahren, genauer gesagt am 5. April 1965. Nach vier langen Jahren der Diskussionen um Erweiterung und Modernisierung der in die Jahre gekommenen Kampfbahn "Roten Erde" nimmt der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt "die Anregung zur Kenntnis, nicht das Stadion Rote Erde auszubauen, sondern durch Einbeziehung der beiden westlichen Übungsfelder und geringfügiger Flächen des Luftbades ein neues Fußballstadion zu errichten".

Die erste Hürde auf dem Weg zu einer neuen Arena, im offiziellen Sprachgebrauch "Zwillingsstadion" genannt (weil parallel zur Roten Erde errichtet), ist genommen.

Am 2. April 1974 - neun Jahre nach dem Beschluss der städtischen Gremien - ist es dann endlich so weit: 54.000 überwiegend stehenden Besuchern bietet das Westfalenstadion im Ursprungszustand Platz. Eingeweiht wird es mit einem Freundschaftsspiel gegen Schalke 04.

"Dem kleinen Mann ein Dach über dem Kopf"

Genau genommen reicht die Geschichte des SIGNAL IDUNA PARK zurück bis ins Jahr 1961. Damals befasst sich der Sportausschuss erstmals mit der Erweiterung der "Kampfbahn Rote Erde".

Schon zu jener Zeit des sich anbahnenden Strukturwandels im Revier, der einsetzenden Krise bei Kohle und Stahl, sitzt das Geld ebenso wenig locker wie heute. Deshalb gehen zehn Jahre ins Land, bis der Rat der Stadt am 4. Oktober 1971 den Bau des Westfalenstadions beschließt. Schneller ist die Frage der Finanzierung nicht zu lösen gewesen.

56.000 Zuschauern soll dagegen das Westfalenstadion Platz bieten. Nach Fertigstellung sind es knapp 54.000, davon allerdings nur 17.000 Sitzplätze. Dass der Großteil (47.000) der Plätze überdacht ist, wird vom damaligen Präsidenten des BVB, Heinz Günther, besonders gewürdigt. Es biete auch "dem kleinen Mann ein Dach über dem Kopf". Seinerzeit keine Selbstverständlichkeit.

Fünf Baustufen seit 1992

Bis 1992 erleben die Besucher das Westfalenstadion 18 Jahre lang weitgehend im Originalzustand. In den folgenden Jahren gibt es immer wieder einschneidende Veränderungen, fünf insgesamt. 1992 wird das Fassungsvermögen durch die Umrüstung von Steh- in Sitzplätze auf der Nordtribüne auf 42.800 Zuschauer reduziert. Im Rahmen der "Ausbaustufe eins" werden schon drei Jahre später West- und Osttribüne um einen Oberrang mit jeweils 6.000 Sitzplätzen aufgestockt. In einer zweiten Ausbaustufe kann die Kapazität 1999 auf 68.600 erhöht werden.

Dabei wird die Südtribüne, das Epizentrum Dortmunder Fußballbegeisterung, auf 24.454 Plätze und somit zu Europas größter Stehplatztribüne ausgebaut. Für internationale Spiele lassen sich die Stehplätze in Sitzplätze umwandeln.

Pylone als Wahrzeichen

Die am 13. September 2003 abgeschlossene dritte Ausbaustufe beschert nicht nur eine Erhöhung des Fassungsvermögens um rund 14.000 Zuschauer. Auch in punkto gepflegter Gastlichkeit setzt der BVB neue Maßstäbe. Mit insgesamt 3.450 Bewirtungs-Plätzen verfügt der SIGNAL IDUNA PARK auch in diesem Bereich über die größten Kapazitäten der Liga. Dennoch stimmen in Dortmund die Verhältnisse: In Relation zum Gesamtfassungsvermögen beherbergen die Gastronomiebereiche lediglich einen bescheidenen prozentualen Anteil von Besuchern.

Die acht 62 Meter hohen gelben Pylone sind mittlerweile markante Ausrufezeichen in der Dortmunder Skyline. Hinzu kommen seit Dezember 2005 die bis zu 3,50 Meter hohen und von den Bundesstraßen 54 und 1 weit sichtbaren Buchstaben des neuen Namensgebers, tagsüber in schwarz sichtbar, nachts in weiß leuchtend.