München - Klaus Augenthaler kennt den FC Bayern in- und auswendig. Sieben Mal wurde er mit den Münchnern Deutscher Meister. Später begann der Weltmeister von 1990 beim Rekordmeister seine Trainerkarriere als Assistenzcoach. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 55-Jährige über die Stärken der Bayern, den Startrekord und den einzigen ernsthaften Konkurrenten.

bundesliga.de: Herr Augenthaler, wie bewerten Sie den Saisonstart der Bayern mit dem neuen Startrekord?

Klaus Augenthaler: Die Bayern haben einen optimalen Start in die neue Saison erwischt, nach sieben Spielen noch eine weiße Weste und bereits ein komfortables Punktepolster auf Borussia Dortmund. Sie haben sich keinen Ausrutscher erlaubt und auch schwere Auswärtsspiele in Bremen und Schalke gewonnen. Das war zwar auch in der letzten Saison ähnlich, als sie auch zwischenzeitlich acht Punkte Vorsprung hatten und am Ende dennoch nicht Meister wurden. Aber ich bin mir sicher, dass sie daraus gelernt haben und sie diesmal durchstarten. Ausrutscher wie das 0:0 in Freiburg oder die Niederlage in Mainz werden sie sich meiner Meinung nach nicht mehr erlauben.

bundesliga.de: Warum ist der FC Bayern in dieser Saison so stark?

Augenthaler: Für den guten Start sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Der Kader des FC Bayern ist in der Breite viel besser geworden. Die Abwehr wurde verstärkt, aber auch die Offensive. In der vergangenen Saison waren die Bayern von den Toren von Mario Gomez abhängig. Wenn er nicht traf, hatten sie ein Problem. Jetzt ist Gomez verletzt, aber er wird von Mario Mandzukic gut ersetzt. Und in der Hinterhand hat der FC Bayern auch noch einen Claudio Pizarro, der auch noch seine Tore machen wird.

bundesliga.de: Wie wichtig ist ein Bastian Schweinsteiger für das Starensemble?

Augenthaler: Ein Bastian Schweinsteiger in Topform ist sehr wichtig für die Bayern. In der letzten Saison war er öfter verletzt und dann auch bei der EM nicht 100-prozenitg fit. Ich hoffe, dass er jetzt gesund bleibt und seine alte Topform konstant bringt.

bundesliga.de: Halten Sie die Münchener für stärker als den Titelverteidiger Borussia Dortmund?

Augenthaler: Ja. Die Bayern haben zwar im letzten Jahr beide Bundesliga-Duelle gegen Dortmund verloren. Aber schon damals war es sehr eng, sie waren nicht die schlechtere Mannschaft. Es fehlte auch ein bisschen das Glück. Aus dieser Saison und diesen Spielen haben die Bayern ihre Lehren gezogen. Nach zwei Jahren ohne Titel ist die Gier bei den Bayern wieder größer.

bundesliga.de: Wie man in der Champions League aber gesehen hat, ist auch der FC Bayern verwundbar.

Augenthaler: Die Niederlage in der Champions League bei BATE Borisov war vielleicht ein Warnschuss zur rechten Zeit. Die Münchener haben gesehen, dass es nicht reicht, wenn sie nicht ihre Leistung zu 100 Prozent abrufen. Und das kann ihnen auch in der Bundesliga passieren. Davor wird Jupp Heynckes warnen.

bundesliga.de: Kann Borussia Dortmund in dieser Saison noch einmal an die Bayern herankommen? Oder haben auch noch andere Clubs Chancen?

Augenthaler: Ich denke, dass den Bayern in dieser Saison nur Borussia Dortmund wieder gefährlich werden könnte. Der BVB spielt wieder einen Klassefußball, der sehr schön anzuschauen ist. Das macht richtig Spaß. Die neun Punkte Rückstand sind bei der Drei-Punkte-Regel aufzuholen. Das haben wir in der vergangenen Saison gesehen. Wenn die Bayern schwächeln sollten, muss Dortmund aber auch da sein. Für mich sind die Bayern in dieser Saison der Meisterschaftsfavorit. Ich glaube, dass sie durchmarschieren werden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski