München - Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es im Volksmund. In dieser Hinsicht hat sich der CFR Cluj am Dienstagabend nichts zuschulden kommen lassen im Champions-League-Duell gegen den FC Bayern: Zwei der drei Gegentore bei der 2:3-Niederlage in München erzielten die Rumänen selbst, beim dritten Treffer leisteten sie bereitwillig Schützenhilfe.

Trotz einer durchwachsenen Leistung dürfen sich die Münchner deshalb über die Idealausbeute von neun Punkten aus drei Spielen freuen und können den Fokus nun voll auf die Aufholjagd in der Bundesliga richten. "Heute können wir uns wirklich bedanken", lautete die Einschätzung von Bayern-Stürmer Mario Gomez: "Alle drei Tore waren sehr kurios, auch bei mir."

Der Angreifer profitierte beim einzigen selbst erzielten Treffer der Münchner (77.) von einem Abpraller, der nach einem Rettungsversuch der Rumänen von seinem Fuß zurück in die Maschen sprang. "Wir hatten in dieser Saison noch nicht viel Dusel. Heute haben wir viel Glück gehabt, aber verdient gewonnen", gab Trainer Louis van Gaal zu. Man habe sich das Glück an diesem Abend erarbeitet, so der allgemeine Tenor unter den Bayern-Stars.

Knasmüller und Jüllich auf der Bank

Van Gaals Team tat sich gegen die bissigen Rumänen sehr schwer. Zwar verzeichneten die Süddeutschen 69 Prozent Ballbesitz, doch Torchancen erspielten sie sich gegen die tief stehenden Osteuropäer kaum. Durch Unkonzentriertheiten und Abstimmungsfehler machten sich die Münchner das Leben selbst schwer - was angesichts der prekären Personalsituation wiederum wenig verwunderlich war.

Van Gaal schickte erneut eine Rumpfelf ins Rennen. Auf der Ersatzbank nahmen lediglich vier Feldspieler Platz, darunter die Nachwuchstalente Christoph Knasmüller und Nicolas Jüllich. Immerhin stand Taktgeber Bastian Schweinsteiger erstmals nach seiner Verletzung wieder in der Startelf, wo er in gewohnter Manier das Spiel ordnete. Der 26-Jährige war Ausgangspunkt jeder Offensivaktion. Wenn überhaupt einmal etwas Überraschendes passierte, dann lief es über ihn.

"Ich fand, dass unser Mittelfeld gut gespielt hat", lobte van Gaal anschließend. Wie Schweinsteiger, sein Nebenmann Andreas Ottl und der offensivere Toni Kroos Dreiecke gebildet hätten, sei schon viel besser gewesen als zuletzt gegen Hannover.

Anfällige Abwehr

Dass sich allerdings die Abwehrreihe, in der Anatoliy Tymoshchuk zum zweiten Mal in Folge begann, erneut anfällig zeigte, schmeckte dem Niederländer nicht. Das erste Gegentor dürfe so nicht fallen, monierte van Gaal. Tymoshchuk hatte bei einem Freistoß seinen Gegenspieler Cadu aus den Augen gelassen, der anschließend am langen Eck einköpfte (20.).

"Er ist kein Innenverteidiger, sondern Mittelfeldspieler. Er macht das, weil ich im Moment keine andere Lösung habe", sagte van Gaal zur Aufstellung des Ukrainers und schob nach: "Er macht das sehr gut."

Dass Automatismen noch nicht greifen und es an der Abstimmung hapert, wurde insbesondere bei Standards deutlich. "Natürlich sind wir noch nicht eingespielt", räumte Holger Badstuber ein - ein Aspekt, der schon gegen die kopfballstarken Recken des Hamburger SV im Bundesliga-Klassiker am Freitagabend zum Problem werden könnte.

Kein Glanz, aber ein Sieg

Dass trotz Rückstand gegen Cluj ein Sieg gelang, dafür war zu einem großen Teil die vogelwilde Abwehr der Gäste verantwortlich. Cadu in der 32. und Cristian Panin in der 38. Minute trafen ins eigene Netz.

"Am Ende steht ein Sieg, aber kein Glanz", so das Fazit von Mario Gomez, der offen zugab, dass es in diesem Stil vorerst auch in der Liga weitergehen könne, solange die Ergebnisse stimmen.

"Wir wollen eine kleine Serie starten", forderte auch Badstuber. Auf der Bundesliga liege nun das Hauptaugenmerk. Trainer van Gaal ist sich jedenfalls sicher: "Wenn wir gegen den HSV gewinnen, sind wir wieder zurück." Mit ähnlichen Geschenken wie gegen Cluj dürfen die Bayern in der Hansestadt aber wohl nicht rechnen.

Aus der Allianz Arena berichtet Andreas Messmer