München - Jürgen Klopp hat eine klare Vorstellung, was er einst im Schaukelstuhl seinen Enkeln erzählen will - und was nicht. "Dass man in einem Halbfinale war, ist sicher keine Geschichte, die man mit 70 noch erzählt", meint der Trainer. Und darum soll das Pokalspiel bei Greuther Fürth (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker) auch nicht die Endstation sein. Keine Frage - der BVB will unbedingt nach Berlin.

Die Voraussetzungen für einen Einzug ins Finale scheinen nicht die schlechtesten zu sein. Durch die Bundesliga marschiert die Borussia seit Wochen mit breiter Brust und hat ihre Erfolgsserie auf 20 Spiele ohne Niederlage geschraubt. Personell kann der Trainer zwar nicht aus dem Vollen schöpfen, verfügt aber auch ohne den verletzten Mario Götze wieder über echte Alternativen im Mittelfeld.

"Pokal-Geschichte" fortsetzten



Ilkay Gündogan hat sich mit zuletzt starken Auftritten in den Fokus gespielt und macht Sebastian Kehl und Sven Bender mächtig Druck. Luxusproblem? Kennt Klopp nicht. "Ich bin ganz froh, dass mehr als elf Spieler gut drauf sind. Das ist ganz praktisch!"

Zudem stimmt die Motivation - alle Dortmunder sind absolut heiß auf das Endspiel in Berlin. "Die Mannschaft hat eine ganz große Gier entwickelt in diesem Wettbewerb, um etwas Besonderes erreichen zu können", hat der Trainer festgestellt. "Wir haben unsere eigene kleine Pokal-Geschichte geschrieben. Und die wollen wir fortsetzen."

Respekt vor Fürth



Das Wichtigste aber: Seine Spieler scheinen nicht ansatzweise der Versuchung zu erliegen, den Gegner zu unterschätzen. "Wer die 2. Bundesliga anführt und im Pokalhalbfinale steht, der muss guten Fußball spielen. Wir wissen, was uns da erwartet", stellt Marcel Schmelzer klar. Sebastian Kehl sieht es ähnlich: "Auf die leichte Schulter nehmen werden wir die Fürther sicherlich nicht. Sie haben eine sehr gute Mannschaft, stehen auf Platz eins, haben gerade erst auswärts klar gewonnen - die sind sehr, sehr gefährlich."

Jürgen Klopp, der als Trainer von Mainz 05 noch nie am Ronhof gewinnen konnte, bescheinigt dem Zweitliga-Spitzenreiter "eine fantastische Runde und die Qualität einer Erstligamannschaft aus dem Mittelfeld. Nur deutlich selbstbewusster, weil sie viele gute Ergebnisse im Rücken haben". Akribisch hat er die Fürther in den letzten Wochen beobachten und analysieren lassen - offenbar mit Erfolg: "Über diesen Gegner wissen wir alles, was man wissen kann!"

Historische Chance für Fürth



Bestens vorbereitet für das "Spiel des Jahres" sind aber auch die Fürther. Und sie fühlen sich wohl in der Rolle des Außenseiters. "Unsere Chancen auf das Finale liegen im einstelligen Prozentbereich", stapelt Mike Büskens tief. "Aber wir werden alles dafür tun, um nach Berlin zu kommen. Du hast im Fußball immer eine Chance, du musst nur daran glauben."

Seine Spieler motiviert der Coach, der als Profi zweimal mit Schalke den Pokal in die Höhe recken durfte, nicht nur mit der Aussicht auf ein auch finanziell höchst lukratives Endspiel und der Chance auf die Europa League. Büskens erinnert sie daran, dass sich ihnen schon gegen den Deutschen Meister die ganz große Fußball-Bühne bietet: "Das kann ein historisches Spiel werden. Es ist die Gelegenheit, sich überregional zu präsentieren. Und wir werden das mit Herzblut und Leidenschaft tun."

Schröck verletzt - Nöthe dabei



Verzichten muss Greuther Fürth gegen den BVB weiter auf Stephan Schröck. Im Sturm könnte wie zuletzt bei 1860 München der Ex-Dortmunder Christopher Nöthe wieder an der Seite von Olivier Occean stürmen. Für den Ur-Schalker Gerald Asamoah bliebe dann zunächst nur die Rolle des Jokers - und des Einpeitschers. Seine Mitspieler scheint Asamaoh mit seinem selbstbewussten Humor jedenfalls schon angesteckt zu haben. Wie bemerkte doch Stephan Fürst nach dem deutlichen Erfolg bei 1860 mit einem breiten Grinsen? "Ein 4:1 wird s gegen den BVB wohl nicht wieder werden. Aber wir wären auch mit einem 1:0 zufrieden."

Wobei die Aussichten, hinten die Null zu halten, gar nicht die schlechtesten sind. In der 2. Bundesliga stellt Greuther Fürth mit 21 Gegentreffern die beste Abwehr. Im Pokalwettbewerb ist man sogar noch ohne Gegentor. Das hat nur eine weitere Mannschaft geschafft - der BVB.

Dietmar Nolte