München - Borussia Mönchengladbach ist derzeit neben Spitzenreiter Borussia Dortmund die Mannschaft der Stunde. Und das nicht allein ergebnistechnisch, weil die "Fohlen" mit drei Siegen und einem Remis in die Rückrunde gestartet sind - vielmehr ist es auch die zum Teil atemberaubende Spielweise, mit der das Team von Trainer Lucien Favre gerade die Liga aufmischt.

Während die Abwehr im Grunde bereits seit Saisonbeginn sehr stabil wirkte und der VfL somit nach 21 Spieltagen die wenigsten Gegentreffer (zwölf) kassiert hat, kommt in den vergangenen Wochen und Monaten die Abteilung Attacke immer besser ins Rollen. Allen voran Marco Reus, Mike Hanke, Juan Arango und Patrick Herrmann, die gemeinsam 24 der letzten 25 Tore markierten. bundesliga.de hat die beachtliche Leistungsbilanz des neuen "magischen Vierecks" ausgewertet.

So spielt Reus, der sich vor der Auswärtspartie beim 1. FC Kaiserslautern mit großen Adduktorenproblemen plagt und am Mittwoch sogar zur Behandlung nach München gereist ist, in dieser Spielzeit ähnlich stark auf wie in der Vorsaison, als der 22-Jährige jeweils alleiniger Top-Scorer und -Torschütze seiner Mannschaft war. 13 Treffer und drei Vorlagen können sich aktuell mehr als sehen lassen, auch wenn der Nationalspieler vor dem gegnerischen Gehäuse weiterhin viel Luft nach oben hat und acht von 15 Großchancen versiebte.

Hanke blüht auf

Der eiskalte Knipser ist Reus also noch nicht, aber zum einen erarbeitet er sich viele Möglichkeiten selbst (133 Torschussbeteiligungen sind absolute Liga-Spitze), zum anderen suchen speziell seine Qualitäten im eins-gegen-eins wirklich ihresgleichen: Ligaweit wirkte kein anderer Spieler an mehr Doppelpässen mit und setzte mehr Beinschüsse (zwölf) als Borussias "Nummer 11". Dementsprechend ist der Dribbelkünstler häufig nur per Foul zu stoppen, was schon drei Strafstöße nach sich zog.

Seit dem 9. Spieltag agiert Reus außerdem nicht mehr im Mittelfeld, sondern vorwiegend im Sturm, was mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass Hanke an seiner Seite immer mehr aufblühte. War der 28-Jährige seit seinem Wechsel an den Niederrhein im vergangenen Winter vor allem als Vorbereiter und "erster Verteidiger" wertvoll, der den Gegner schon in vorderster Front attackierte, hat er sein Spiel nun etwas umgestellt.

"Weitschusskönig" Arango

Denn Hanke sucht ähnlich oft wie Reus den Doppelpass - und das immer öfter auch erfolgreich, wie etwa die traumhafte Kombination vor seinem 2:0 gegen Schalke 04 am Samstag demonstrierte. Überhaupt scheint der Ex-Nationalspieler seinen "Killerinstinkt" wiederentdeckt zu haben: Traf der 1,85-Meter-Mann in seinen ersten 34 Partien für Mönchengladbach nur sechs Mal, gelangen ihm in den vergangenen acht Spielen gleich fünf Tore.

Hinter Reus und Hanke tummeln sich im Mittelfeld ebenso schnelle wie technisch versierte Mitstreiter. Arango besticht beispielsweise nicht bloß durch seine vier Saisontreffer, davon drei durch Weitschüsse, sondern gehört mit sieben Assists gleichzeitig zu den Top-Vorbereitern im "Oberhaus". Kein anderes "Fohlen" leitete mehr Großchancen ein (zwölf) und schlug mehr Flanken (32) als der Venezolaner.

Shootingstar Herrmann

Nicht umsonst adelte Sportdirekter Max Eberl den 31-jährigen Standardspezialisten, der seinen Vertrag beim VfL erst vor einer Woche bis 2014 verlängert hat, kürzlich als "einen der besten Mittelfeldspieler der Liga und für uns eine ganz wichtige Spielerpersönlichkeit".

Und nicht zuletzt ist zwischenzeitlich auch Herrmann zum absoluten Shootingstar avanciert. Seit Reus in den Sturm vorgerückt ist, nimmt der 21-Jährige dessen alte Position im rechten Mittelfeld ein und weiß von dort aus dank seiner enormen Schnelligkeit immer wieder für "Alarmstufe Rot" zu sorgen. Seit dem 12. Spieltag gelangen dem Flügelflitzer bereits vier Tore und sechs Vorlagen - der bevorzugte Abnehmer dafür ist übrigens Reus.

Trainingsarbeit zahlt sich aus

Borussias attraktive Spielanlage, die mancher Beobachter schon mit der Philosophie des großen FC Barcelona verglich, ist allerdings kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat konsequenter Trainingsarbeit.

"Die Automatismen, die wir im Training einstudieren, die zeigen sich auch im Spiel. Der Fußball ist sicher für die Fans im Stadion und die Zuschauer am Fernseher schön anzusehen. Das ist unser Ziel. Der moderne Fußball geht zum One-Touch-Football. Den können wir immer noch verbessern. Die Bälle können noch genauer kommen, man kann den schwächeren Fuß verbessern. Das fordert der Trainer immer", erklärte Hanke. Die Konkurrenz dürfte auf alle Fälle gewarnt sein.

Stefan Missy