Die Bundesliga ist der größte Publikumsmagnet Europas. Sogar weltweit gibt es keine andere Fußball-Liga, die im Schnitt so viele Zuschauer anlockt. Ein Grund hierfür ist auch das Miteinander von Liga, Clubs und Fans.

Zum neunten Mal in den vergangenen zehn Jahren konnte die Bundesliga einen neuen Zuschauerrekord aufstellen. Im Schnitt kamen in der Saison 2010/11 genau 42.101 Besucher zu jedem Spiel. Erstmals wurde damit die 42.000er-Marke durchbrochen.

Zuschauerschnit in 20 Jahren verdoppelt

Insgesamt durften die 18 Clubs 12,88 Millionen Menschen in ihren Stadien und Arenen begrüßen. Damit kamen mehr als doppelt so viele Fans zu den 306 Ligaspielen als noch vor 20 Jahren.Für den Boom gibt es viele Gründe. Zum einen liegt das enorme Zuschauerinteresse an dem spannenden Wettbewerb, der mit Borussia Dortmund 2010/11 bereits den vierten verschiedenen Deutschen Meister in fünf Jahren und mit dem FC Schalke 04 den ebenfalls vierten DFB-Pokalsieger in dieser Zeit hervorbrachte, sowie für große Spannung um die internationalen Startplätze wie auch im Kampf gegen den Abstieg sorgte.

Hinzu kommen die familienfreundlichen Eintrittspreise, die bei im Schnitt rund 22 Euro pro Ticket weniger als die Hälfte kosten als etwa in der englischen Premier League. Auch die modernen Stadien mit ihrer ausgezeichneten Infrastruktur, die zu einem vergnüglichen und sicheren Erlebnis laden, haben ihren Anteil. Daneben haben aber auch die DFL und die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga ihre Angebote und Leistungen für die verschiedenen Fan- und Besuchergruppen in den vergangenen Jahren erheblich erweitert und somit eine noch engere und stabilere Bindung zwischen Fan und Verein erreicht.

"Frauenboom" auf der Tribüne

Längst hat sich die Bundesliga etwa zu einem Magneten für die ganze Familie entwickelt. Mädchen und Jungen, Jung und Alt bestimmen das bunte Bild auf den Tribünen, genauso wie Menschen mit Behinderungen. Mehr als 25 Prozent der Stadionbesucher sind mittlerweile weiblich. Dies wird von den Clubs bei der Organisation der Fußballveranstaltungen gezielt berücksichtigt. Ein entscheidender Punkt ist hierbei auch die hohe Sicherheit in den Stadien. 25 Millionen Euro hat der deutsche Profifußball allein in der vergangenen Saison für die Gewährleistung eines sicheren Stadionbesuchs investiert. Denn die Sicherheit im Fußball ist und bleibt das höchste Gut der Bundesliga, der "sichere Stadionbesuch hat allerhöchste Priorität", wird Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball niemals müde zu betonen.

Um die Sicherheit weiterhin nachhaltig garantieren zu können, haben Ligaverband, DFL und DFB schon im April 2010 im Rahmen eines Runden Tisches im Bundesinnenministerium unter Teilnahme von Landesinnenministern und hochrangigen Polizei-Vertretern einen "Zehn Punkte Plan für mehr Sicherheit im Fußball" präsentiert. Dieser wird seitdem konsequent umgesetzt.

Kompetenz als Schlüssel für Gewaltprävention

Ein zentraler Punkt darin war die Verpflichtung aller Clubs einen hauptberuflichen Sicherheitsbeauftragten einzustellen, der im Dialog mit Fans und Polizei die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut bringen soll. Ferner wurden zahlreiche Kongresse, Fachtagungen oder Konferenzen mit etwa 1000 Teilnehmern veranstaltet. Dazu gehörten Fortbildungsmaßnahmen sowohl für die Fanbeauftragten der Bundesliga und 2. Bundesliga als auch für die Verantwortlichen der Kids-Clubs.

Kernpunkt der vergangenen Maßnahmen war aber die erstmalige Veranstaltung sogenannter Regionalkonferenzen. DFL und DFB hatten dazu Vertreter der Bundes- und Landespolizei, Medien-, Sicherheits- und Fanbeauftragte der Proficlubs sowie Fanprojekte aus den Städten der Bundesliga und 2. Bundesliga eingeladen. Hier bot sich allen Teilnehmern die Möglichkeit, in Workshops und Foren persönliche Kontakte zu knüpfen oder auszubauen. Und dabei die Aufgaben und Pflichten der anderen Berufsgruppen noch genauer kennenzulernen. Mit dem Ziel, die Zusammenarbeit aller an der Sicherheit Beteiligten weiter zu verbessern.

"Die Regionalkonferenzen sind ein wesentlicher Baustein, um den Dialog zwischen allen Beteiligten rund um das Thema Sicherheit zu intensivieren. Wir werden die Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans auch weiter konsequent verfolgen und weitere Dialog-Angebote machen", sagt DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus.

Hauptamtliche Fanbetreuer in der Bundesliga

Weiteres Geld fließt über den Supercup in die Fanarbeit. Wie schon im Vorjahr werden zehn Prozent des Supercup-Überschusses dafür investiert. "Die Bundesliga ist stolz auf das höchste Zuschauer-Aufkommen in ganz Europa und auf gewachsene Fan-Strukturen. Aus diesem Grund ist es uns ein Anliegen, in diesem Bereich weiter zu investieren. Auch vor dem Hintergrund der konsequenten Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans für zusätzliche Sicherheit im Fußball ist die getroffene Entscheidung folgerichtig", sagt Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

Eine Schlüsselrolle im Zusammenspiel der unterschiedlichen Fangruppen und der Clubs spielen auch die Fanbeauftragten, deren Hauptamtlichkeit ab dieser Saison für die Clubs verpflichtend ist. Durch ihre unmittelbare Nähe zu den Fans und Fanclubs in den Kurven und auf den Stehrängen, die Teilnahme an Auswärtsreisen und die zahllosen Gespräche mit allen Besuchergruppen verfügen die Fanbeauftragten frühzeitig über einen ständigen Einblick in die Wünsche, Ideen und Sorgen der Anhänger.

Eng zusammen mit den Fanbeauftragten arbeiten die Fanprojekte, die es in den meisten Städten des Profifußballs gibt. Fanprojekte sind clubunabhängig. Träger können beispielsweise das Städtische Jugendamt oder die Jugendhilfe sein. Fanprojekte leisten in den Städten wichtige Beiträge zur Jugendarbeit. Diese Arbeit der 26 Fanprojekte wird von der Bundesliga und der 2. Bundesliga jährlich mit 1,3 Millionen Euro unterstützt.

Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans der DFL

Die ligaweit wichtigste Institution für praktisch alle fanrelevanten Themen ist die 2006 eingerichtete DFL-Koordinationsstelle für Fanangelegenheiten. Sie ist für die weitere Vernetzung der Fanbeauftragten, der Behindertenfanbeauftragten, der Reporter für Blinde und Sehbehinderte, der Kids-Clubs, die Aus- und Weiterbildung der mit Fanangelegenheiten vertrauten Personen auf höchstem Niveau sowie die konsequente Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans verantwortlich. Sie intensiviert und fördert den Dialog mit öffentlichen Stellen wie den Fanprojekten, unterschiedlichen unabhängigen Interessenvertretungen von Fans, mit Sicherheitsorganen und der Politik. Die Koordinationsstelle kennt sämtliche Schnittstellen im großen Komplex der Fanarbeit, sie vermittelt, schlichtet und bringt verschiedene Interessensgruppen an einen Tisch.

Einzigartig in Europa ist auch die Betreuung der jüngsten Fans in den Kids-Clubs, die die große Mehrheit der 36 Proficlubs mittlerweile anbietet. Die attraktiven Sport-, Lern- oder Freizeit-Angebote dieser Kids-Clubs plus die große Anziehungskraft der Bundesliga-Vereine lassen die Mitgliederzahlen stetig wachsen. Etwa 75.000 Mitglieder zählen die Kids-Clubs insgesamt. Allein durch den FC Bayern, der im Dezember 2010 seine ersten FCB-Kids aufgenommen hat, sind mehrere Tausend Kinder dazugekommen. Neben allem Spaß und Spiel, den Kids-Clubs ihren jungen Mitgliedern bieten, werden auch klare sozialpädagogische Aufgaben und Ziele definiert, die vor allem auch der Frühprävention dienen sollen. Etwa durch Sommercamps mit jungen Fans verschiedener Clubs oder Fußballturniere wie der Mini-Reviermeisterschaft mit Kids-Clubs von Schalke, Dortmund und VfL Bochum 1848.

Barrierefreie Stadien

Auch auf die wachsende Zahl von Fußballfans mit Behinderung haben sich die Bundesligaclubs vorbildlich eingestellt und bieten spezielle Zuschauerplätze für diese Fans an. Nahezu barrierefreie Bedingungen wurden für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte geschaffen. Um diesen Standard zu halten, hat die DFL mit Unterstützung der Bundesbehindertenfanarbeitsgemeinschaft e.V. (BBAG), des Fanclubs Sehhunde e.V. und Clubvertretern den Mitgliedern des Ligaverbandes eine Empfehlung zur Einrichtung von Behindertenplätzen erstellt.

Alle Clubs stellen zudem einen Behindertenfanbeauftragten. Zwei Drittel aller Clubs bieten als besonderen Service den "Blindenreporter" an, der Sehbehinderten das Spielgeschehen live im Stadion schildert.

Im November 2010 hatten die Bundesliga-Stiftung und die Deutsche Bahn zudem den neuen Reiseführer "Barrierefrei ins Stadion" für Fußballfans mit Handicap vorgestellt. Das 234 Seiten starke Werk bietet Menschen mit Behinderung alle Informationen für eine barrierefreie Anreise ins Stadion.

Stefan Kusche