München - So richtig strahlen konnte nach dem Schlusspfiff nur einer. Als Mario Gomez nach verrichtetem Tagwerk - beim 2:1-Sieg seines FC Bayern gegen den VfB Stuttgart hatte der Stürmer sein 28. Saisontor erzielt - aus der Kabine kam, präsentierte er den wartenden Journalisten stolz die Torjägerkanone.

Es wird der einzige Titel bleiben für den Rekordmeister aus München. Weder beim Pokalfinale am kommenden Samstag noch beim Endspiel der Champions League ist der FCB vertreten, in der Bundesliga feiert Borussia Dortmund schon seit zwei Wochen die Meisterschaft.

"Das Worst-Case-Szenario vermieden"

"Wir haben nichts gewonnen, wir haben nur das Mindestziel erreicht. Das ist kein Grund, groß zu feiern. Bayern muss um Titel spielen, nicht um den 2. oder 3. Platz ", sagte Übergangstrainer Andries Jonker. Ihm war es nach der Beurlaubung von Louis van Gaal nur fünf Spieltage vor dem Saisonende wenigstens noch gelungen, den FC Bayern auf Platz 3 und damit an die Hintertür zur Champions League zu führen.

Jonker, künftig Trainer der gerade aus der 3. Liga abgestiegenen zweiten Mannschaft der Bayern, holte immerhin 13 von 15 möglichen Punkten, und deshalb sagte der erleichterte FCB-Präsident Uli Hoeneß: "Ich bin Andries Jonker sehr, sehr dankbar." Sportdirektor Christian Nerlinger betonte mit größtmöglicher Nüchternheit: "Wir haben das Worst-Case-Szenario vermieden, es war keine zufriedenstellende Saison."

Auch mit der direkten Qualifikation für die "Königsklasse" in der nächsten Saison wurde es nichts. Allen Münchener Psychospielchen zum Trotz siegte Bayer Leverkusen beim SC Freiburg. Damit behauptete die "Werkself" den 2. Rang, die Bayern müssen als Dritter hingegen versuchen, sich über die Qualifikationsspiele für die Teilnahme an der "Königsklasse" zu empfehlen.

Lob von den Ex-Kollegen

Platz 2 wäre Gomez "zwar lieber gewesen", dennoch konnte er die Freude über die erste Torjägerkanone seiner Karriere nicht verhehlen. "Ich bin Stürmer und will immer möglichst viele Tore machen, da ist es schön, am Ende der Saison diese Auszeichnung zu bekommen", sagte der 25-Jährige, der für seine 28 Tore lediglich 32 Saisonspiele benötigte.

"Mario ist eiskalt vor dem Tor, er nützt jede Chance, die er kriegt. Das hat ihn schon damals in Stuttgart ausgezeichnet, dass er aus wenig viel gemacht hat", charakterisierte VfB-Kapitän Christian Träsch gegenüber bundesliga.de seinen ehemaligen Mitspieler. Für VfB-Keeper Sven Ulreich ist Gomez neben Dortmunds Shinji Kagawa gar der Spieler der Saison: "Mario hat eine für ihn persönlich hervorragende Saison gespielt. Seine Leistung muss man anerkennen."

Der so Gelobte vergaß allerdings nicht, die Rolle seine Kollegen lobend zu erwähnen: "Da steht jetzt zwar Mario Gomez drauf, aber das ist ein Titel für die Mannschaft. Ich brauche die Bälle meiner Mitspieler. Ich habe 28 Mal eine fantastische Vorlage bekommen, nur so konnte ich die vielen Tore machen."

Gomez: "Habe endlich meinen Platz beim FC Bayern gefunden"

Relativ ungerührt bewertete FCB-Präsident Uli Hoeneß Gomez' Trophäe: "Das ist für Mario eine feine Sache - aber dafür kann sich der Verein nichts kaufen." Immerhin hatte Gomez mit seinem 1:1-Ausgleichstreffer in der 37. Minute die Weichen für einen versöhnlichen Saisonausklang gestellt. Nachdem die frei aufspielenden Gäste aus Stuttgart durch Shinji Okazaki mit 1:0 in Führung gegangen waren (24.), nutzte Gomez seine einzige richtig gute Szene und netzte nach starker Vorarbeit von Arjen Robben nervenstark ein.

Im zweiten Durchgang sorgte dann Bastian Schweinsteiger mit seinem 2:1-Siegtreffer (71.) für gute Stimmung auf dem Platz und auf den Rängen. "Als wir über das Ergebnis von Leverkusen Bescheid wussten, war am Ende ein bisschen die Luft raus. Ich bin froh, dass Bastian das 2:1 gemacht hat und wir uns ordentlich von den Fans verabschiedet haben", erklärte Gomez, der zwei Jahre nach seinem Wechsel von Stuttgart nach München "endlich meinen Platz in diesem Club gefunden" hat: "Ich habe viele Jahre davon geträumt, im besten deutschen Verein eine wichtige Rolle zu spielen. Das habe ich nun, und werde alles dafür tun, dass es auch in Zukunft so sein wird."

Klose vergibt, Gomez trifft

Gomez ist inzwischen Stürmer Nummer eins in München, Miro Klose ist es nicht mehr. Die Szene aus der zwölften Spielminute verdeutlichte diesen Status geradezu symptomatisch. Hatte Gomez lange daran zu knabbern, dass er bei der EURO 2008 im Nationaltrikot im Gruppenspiel gegen Österreich einen Ball aus nächster Nähe nicht im leeren Tor unterbrachte, passierte Klose gegen den VfB ein ähnliches Malheur. Nach Robbens Pass schoss er die Kugel aus zwei Metern Entfernung über den verwaisten VfB-Kasten.

Gomez machte es später besser und kündigte an: "Ich will auch im nächsten Jahr so viele Tore machen oder vielleicht noch mehr, aber am Ende ist es wichtig, dass wir in der nächsten Saison wieder die Meisterschaft gewinnen."

Sollte das gelingen, wird Gomez sicherlich auch nicht mehr der Einzige sein, der nach dem 34. Spieltag strahlend aus der Kabine kommt.

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber