München - Wenn Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München 100 Ballkontakte in einer Partie hat, dann überrascht das den Bundesliga-Fan kaum noch. Wenn Schalkes Manuel Neuer die gegnerische Mannschaft mit seinen Paraden zum Verzweifeln bringt, ist auch dies nicht verwunderlich.

Doch die Hinrunde der Saison 2010/11 brachte in Fußball-Deutschland viele Stars hervor, die überragende Leistungen zeigten und sich so viel Anerkennung verdienten. Darunter sind nicht nur blutjunge und aufstrebende Talente, sondern auch langjährige Bundesliga-Profis, die ihren Karrieren noch mal einen enormen Schub gegeben haben.

Die Fans wünschen sich natürlich nun, dass all diese Spieler ihre hervorragende Form auch in der Rückserie beweisen.

bundesliga.de nennt die Durchstarter der Hinrunde und erklärt anhand der Datenbank, welche Leistungen diese Spieler in den kommenden Monaten bestätigen müssen.

Nuri Sahin (Borussia Dortmund)

Nuri Sahin spielt schon einige Jahre in der Bundesliga, doch in dieser Saison ist ihm endgültig der Durchbruch gelungen. Der Dortmunder Mittelfeldstratege hatte in der Hinrunde 1534 Ballkontakte - das ist Liga-Höchstwert. Zudem verwandelte er zwei direkte Freistöße und bereitete sechs Tore vor, nur Tiffert (Kaiserslautern, 10) und Ze Roberto (HSV, 7) haben mehr Assists. Sahin war insgesamt an zehn der 39 Dortmunder Tore beteiligt, ist damit der beste Scorer im BVB-Trikot und hat somit maßgeblichen Anteil an der Tabellenführung.

Mario Götze (Borussia Dortmund)

Auch Götze hat sechs Tore in der Hinrunde aufgelegt und erzielte in seiner 1. Saison als Stammspieler (24 Pflichtspiele) vier Tore (je 2 in der BL und EL). Das 1:0 in Mainz sowie das 4:3 in Lwiw waren sogar spielentscheidende Treffer. Götze brachte 81,4 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, ein starker Wert für einen Offensivspieler. Nur Kapitän Sebastian Kehl (3 Einsätze) hat mannschaftsintern einen besseren Wert (84,9 Prozent). Gegen Schweden bestritt er am 17. November 2010 im Alter von 18 Jahren und 167 Tagen sein 1. Länderspiel und war damit der jüngste Nationalspieler seit Uwe Seeler 1954 und der siebtjüngste in der DFB-Geschichte überhaupt!

Shinji Kagawa (Borussia Dortmund)

Der Japaner erzielte gemeinsam mit Barrios die meisten Treffer für Borussia Dortmund (je 8). Zudem ist Kagawa gemeinsam mit Leverkusens Vidal der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Liga. Zu den acht Toren in der Bundesliga kommen noch vier weitere Treffer in der Europa League. Mit sechs dieser zwölf Treffer erzielte er jeweils das 1:0. Dortmunds Mittelfeldspieler hat eine Chancenverwertung von 25 Porzent - intern nutzte nur Lewandowski seine Chancen besser (31 Prozent). In der Hinrunde sammelte Kagawa neun Scorerpunkte, nur Sahin hat mannschaftsintern mehr (10).

Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund)

Auch der starken Hinrunde von Großkreutz ist das gute Abschneiden der Dortmunder zu verdanken. Neben drei Torvorbereitungen (nur Sahin und Götze lieferten mehr) gelangen dem Nationalspieler auch vier eigene Treffer, bereits jetzt fast so viel wie in der kompletten Vorsaison (fünf). Zudem überzeugt der Marathonmann mit den besten Zweikampfwerten der BVB-Stammoffensive. 44,8 Prozent der Duelle hat er für sich entschieden und damit mehr als Barrios, Götze und Kagawa.

Sven Bender (Borussia Dortmund)

Nuri Sahin hätte in der Hinrunde wohl kaum diese Dominanz und Genialität gezeigt, hätte sein Schattenmann Bender ihm nicht zur Seite gestanden und im Hintergrund geschuftet. Nach Sahin bestritt Bender die meisten Zweikämpfe aller Dortmunder (194), 54,1 Prozent davon entschied er für sich. Bender, der in 16 von 17 Spielen zum Einsatz kam, konnte 42 Mal einen gegnerischen Pass abfangen und seine Mannschaft wieder in Ballbesitz bringen, was nur Mats Hummels (46) beim BVB öfter gelang.

Lewis Holtby (1. FSV Mainz 05)

Der Shootingstar der Liga. Die Schalke-Leihgabe hat die Mainzer Fans begeistert und glänzte auch mit Effektivität. Sechs Torvorlagen (gemeinsam mit Fuchs teaminterner Bestwert) und zwei Treffer gehen auf das Konto des Youngsters, der sich mittlerweile ebenso Nationalspieler nennen darf, nachdem er im Testspiel der Löw-Elf gegen Schweden debütierte. Insgesamt macht das acht Scorerpunkte, was teamintern nur noch von einem anderen Spieler getoppt wird: Andre Schürrle.

Andre Schürrle (1. FSV Mainz 05)

Nur fünf Bundesligaspieler sammelten in der Hinrunde mehr Scorerpunkte als der Mainzer Senkrechtstarter: Neun Tore und drei Assists steuerte Schürrle zum Höhenflug der 05er bei. Dabei erzielte der Stürmer fast immer entscheidende Treffer und führte sein Team zu wichtigen Zählern, denn wenn der Neu-Nationalspieler traf, gewann Mainz in sieben von acht Fällen. Schürrles Torversuche sind zudem zielsicher und effizient: 14 seiner Versuche gingen aufs Tor, neun davon zappelten im Netz.

Papiss Demba Cisse (SC Freiburg)

Der Zweite der Torjägerliste (13 Tore) ist Freiburgs Lebensversicherung. 52 Prozent der Treffer der Breisgauer gehen auf das Konto des Senegalesen. Cisse ist dabei, in die Freiburger Geschichte einzugehen, denn nur einem Spieler gelangen bisher annähernd so viele Treffer: Rodolfo Esteban Cardoso markierte 1994/95 16 Tore, brauchte dafür aber eine ganze Saison. In unglaublichen 72,2 Prozent der von Cisse bestrittenen Pflichtspiele war der Angreifer auch unter den Torschützen (13 von 18 Spielen, inklusive DFB-Pokal).

Didier Ya Konan (Hannover 96)

Ohne Ya Konan sieht es extrem düster aus für Hannover 96: Alle elf Spiele, in denen der Angreifer seit seinem Wechsel zu den Niedersachsen fehlte, gingen verloren. Neben seinen Qualitäten als Knipser (neun Tore) ist auch sein Passspiel auf engstem Raum für die Mannschaft von Mirko Slomka enorm wichtig. Ya Konan bereitete vier Tore vor und ist damit der zweitbeste Scorer der Liga.

Srdjan Lakic (1. FC Kaiserslautern)

Lakic' Präsenz macht das Angriffsspiel der Kaiserslauterer variabel. Neben seiner Kopfballstärke ist "Lucky" Lakic auch aus der Distanz enorm gefährlich: Ligaweit erzielte der Kroate die meisten Treffer aus der Ferne (vier). Bei jedem Lauterer Sieg trug sich Lakic in die Torschützenliste ein und hat zum jetzigen Zeitpunkt schon deutlich mehr Tore erzielt als in der gesamten Aufstiegssaison des 1. FCK (elf im Vergleich zu sieben). Lakic brachte 22 Schüsse auf das gegnerische Tor, elf davon und damit die Hälfte zappelten im Netz.

Theofanis Gekas (Eintracht Frankfurt)

Der Toptorjäger der Liga brachte selbst den Tabellenführer zu Fall. Mit seinen 14 Toren ist er nur noch sechs Treffer von seiner Bestmarke entfernt, mit der er 2006/07 im Trikot des VfL Bochum Torschützenkönig wurde. Eintracht Frankfurt konnte in dieser Saison nur gewinnen, wenn der Torjäger traf; drei Mal entstanden die Treffer des Griechen nach Kontern, was ebenfalls Ligahöchstwert ist. Absolut beeindruckend ist Gekas' Chancenverwertung: 36 Schüsse gab er ab, 14 waren drin! 39 Prozent seiner Versuche landeten damit im Netz.




Jessica Pulter und Christoph Gschoßmann