Drei Niederlagen in Folge und die Rotsperre des Top-Torschützen Andrey Voronin, dazu mit Werder Bremen einen Gegner, der laut Favre "bei Ballbesitz zu den stärksten Teams in der Bundesliga gehört" - alles Gründe, die vor dem Spiel gegen Hertha BSC sprachen.

Am Ende gelang trotz Rückstand in der ersten Hälfte durch die Tore von Josip Simunic und Raffael die Aufholjagd. Ein Sieg, der nicht nur drei wichtige Punkte und damit den Anschluss an die Tabellenspitze sicherte, sondern auch ein Zeichen gegen aufkommende Zweifel an der Tauglichkeit der Mannschaft war.

Erstes Saisontor für Simunic

"In den letzten paar Wochen haben die Leute ein wenig den Glauben an uns verloren", konstatierte Simunic. Er führte aufgrund des Ausfalls von Arne Friedrich (Meniskus-OP) die Mannschaft als Kapitän auf den Platz und konnte diese Rolle laut Manager Dieter Hoeneß "super ausfüllen". Simunic war es auch, der mit einem Kopfballtreffer, sein erster Torversuch in dieser Saison, den Ausgleich und damit die Wende einleitete.

Nach dem Abpfiff hielt ihn nichts mehr. Er rannte direkt Richtung Kurve, um sich dort bei den Fans für die Unterstützung zu bedanken. "Das Tor habe ich auch dank der Fans geschossen. Sie haben uns nach dem Gegentreffer weiter angefeuert und an uns geglaubt. Dafür wollte ich mich bedanken."

Hertha nach der Pause in alter Stärke

Es läuft natürlich noch nicht alles wieder rund bei der Hertha. Das weiß auch Trainer Lucien Favre: "Anfangs war Bremen die klar bessere Mannschaft. Es ist sehr schwierig, gegen sie zu spielen." Das gelang den Hauptstädtern in der zweiten Halbzeit besser. Die Hertha fand zurück zum berüchtigten Kurzpassspiel und dem frühzeitigen Stören des gegnerischen Spielaufbaus.

Auch dafür hatte Favre die Erklärung: "Es war einfach an der Zeit, endlich mal wieder zu gewinnen." Es gelang dem Hertha-Coach, seine Mannschaft in der Pause wachzurütteln. Mit der Einwechslung von Amine Chermiti in der zweiten Hälfte bewies er dann auch noch ein gutes Händchen. Chermiti war es, der für viel Unruhe vor dem Tor sorgte, den entscheidenden Zweikampf vor dem 2:1 gewann und dann Raffael bediente.

"Moral bewiesen"

"Der Trainer hat in der Pause ein paar klare Worte an die Mannschaft gerichtet. Die Umsetzung hat man dann auf dem Platz gesehen", so der zum Zuschauen verdammte Friedrich, der den Berlinern wohl noch bis Mitte Mai fehlen wird. Er schätzt den Sieg realistisch ein: "Glück ist immer dabei, aber das muss man sich auch erarbeiten. Die Mannschaft hat heute Moral bewiesen." Jetzt gilt es laut Friedrich "nicht nachzulassen." Bereits am Freitag steht für den BSC das Auswärtsspiel in Hoffenheim an, aber auch da braucht man sich seiner Meinung nach nicht zu verstecken: "Gegen Hoffenheim ist auch wieder was drin für uns."

Aus Berlin berichtete Daniel Dillmann