München - Sieben Spieltage vor Saisonschluss scheinen nur noch Borussia Dortmund und Bayern München realistische Meisterschaftschancen zu besitzen. Der BVB führt die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz aus München an, deren Hoffnungen vor allem auf dem direkten Duell in Dortmund am 30. Spieltag ruhen.

Dem Tabellen-Dritten Schalke 04 werden angesichts von bereits neun Zählern Rückstand auf den Ruhrrivalen keine Chancen mehr eingeräumt. Die bundesliga.de-Datenbank weiß, welche Fakten im Titelrennen am Ende zumeist ausschlaggebend waren.

Viele Siege und wenige Niederlagen sind historisch gesehen gleich wichtig



In jeweils 40 von bisher 48 Jahren Bundesliga war der Meister das Team mit den meisten Siegen oder das Team mit den wenigsten Niederlagen. Die Meisterchance liegt hier also bei je 83 Prozent, wobei die meisten Siege im Zeitalter der 3-Punkte-Regel an Wichtigkeit zugenommen haben. Seit der Saison 1997/98 hatte der Meister auch immer die meisten Siege auf dem Konto.

Dortmund gewann letzte Saison am häufigsten und verlor am seltensten (gleiches gilt bisher für diese Saison); wenn das zusammen trifft, wird man logischerweise immer Meister.

Die Hinrunde ist wichtiger als die Rückrunde



Interessant: In 67 Prozent der Fälle wurde die beste Mannschaft der Hinrunde Deutscher Meister, nur in 48 Prozent der Fälle das beste Team der zweiten Saisonhälfte. Auch bei den Heim- und Auswärtsbilanzen gibt es Unterschiede. Während für den Klassenerhalt insbesondere die Heimstärke entscheidend ist, wurde die auswärtsstärkste Mannschaft in 58 Prozent der Fälle Deutscher Meister, das beste Heimteam "nur" in 46 Prozent.

Die Bayern waren letzte Saison die beste Heimmannschaft und führen auch aktuell wieder die Heimtabelle an; den Ausschlag für Dortmund gab in den letzten knapp zwei Spieljahren die Auswärtsstärke.

Und auch an der alten Regel "Defense wins Championships" ist etwas dran: In 58 Prozent der Fälle durfte der Verein mit den wenigsten Gegentoren die Meisterschale in die Höhe recken, nur in 44 Prozent der Spielzeiten wurde die Mannschaft mit den meisten Treffern auch Deutscher Meister. Hier passt die Aktualität ebenfalls ins Bild: Die Bayern erzielten letzte wie diese Saison die meisten Tore, der BVB stellt jeweils die beste Defensive.

Es ist schwer, sich per Torflut zum Meister zu schießen



Sich über eine bestimmte Anzahl an Toren eine "Meister-Garantie" heraus zu schießen, ist kaum möglich: Mönchengladbach wurde 1973/74 mit überragenden 93 Treffern nur Zweiter.

Die Bayern trafen letzte Saison stolze 81 Mal, das war die beste Ausbeute eines Vereins seit 23 Jahren (1987/88 erzielten die Münchner 83 Treffer). Zum Titel reichte es nicht. Werder Bremen stellte von 2005 bis 2008 gleich drei Mal in Folge die beste Offensive der Bundesliga, wurde aber nicht Meister.

Umgekehrt könnte diese Saison eher ein Schuh daraus werden: Mit maximal 23 Gegentoren wurde man in der Bundesliga bisher immer Meister. Dortmund steht bei 17 Gegentreffern, Bayern bei 18. Stuttgart stellte die beste titellose Defensive aller Zeiten in der Saison 2003/04 mit Felix Magath und Timo Hildebrand: Trotz lediglich 24 Gegentoren reichte es nur zu Rang 4.

Schalke wurde mit 24 Siegen Vize-Meister, Leverkusen mit drei Niederlagen



Erst einmal gewann eine Mannschaft 25 Spiele in einer Bundesliga-Saison: Der FC Bayern München im Spieljahr 1972/73. Schon 24 Siege, also der zweitbeste Wert aller Zeiten, reichten einmal nicht zur Meisterschaft: Schalke gewann 1971/72 von 34 Spielen eben diese 24, die Bayern aber ebenfalls und die Münchner spielten sieben Mal Remis (Schalke nur vier Mal).

1982/83 brachte es Werder Bremen trotz 23 Siegen nur auf den 2. Rang hinter dem HSV, 1987/88 wurden die Bayern mit 22 Siegen nur Zweiter hinter Werder; seit dem reichten zumindest 22 gewonnene Spiele (die ja im Zeitalter der 3-Punkte-Regel 66 statt 44 Punkte bedeuten) immer zum Titel.

Das könnte sich diese Saison ändern: Der BVB hat sieben Spieltage vor Schluss bereits 19 Spiele gewonnen, die Bayern 18. Umgekehrt verlor Leverkusen 1999/2000 ganze drei Spiele, das letzte davon in Unterhaching, und wurde dennoch nur Vize; selbst wenn Dortmund diese Saison kein Spiel mehr verliert, wäre das also keine Meister-Garantie. Die Bayern schafften es im "Herzschlag-Finale" 2000/01 als einziges Team der Bundesliga-Geschichte, mit satten neun Niederlagen Meister zu werden.

Ein Rekord an Auswärtssiegen ist keine Garantie



Noch nie gewann eine Mannschaft mehr als elf Auswärtsspiele in einer Bundesliga-Saison. Das schafften der BVB im letzten Meisterjahr und Bremen in der Double-Saison 2003/04.

Leverkusen siegte im vergangenen Spieljahr aber auch elf Mal auswärts, ebenso der HSV 2005/06, beide blieben aber dennoch ohne Titel. Eigentlich ist es ganz "einfach": Verliere nicht mehr als ein Auswärtsspiel pro Saison, und du wirst Meister. Das schafften bisher aber nur die Bayern 1986/87 (gar keine Auswärtsniederlage) und Köln in der ersten Saison 1963/64 (eine).

Die wenigsten Auswärtsniederlagen schon eher



Dortmund verlor diese Saison erst zwei Auswärtsspiele, auch dieser Wert reichte in den letzten 46 Jahren immer zur Meisterschaft. Einzig Köln im Spieljahr 1964/65 musste sich mit ganzen zwei verlorenen Gastspielen (bei nur 16 Vereinen) mit Rang 2 zufrieden geben.

Wenn der BVB kein Auswärtsspiel mehr verliert, sollte es also auch unabhängig vom Ausgang des Schlagerspiels gegen die Bayern reichen...

Tobias Gonscherowski