Hamburg - Frank Arnesen (45), ehemaliger dänischer Nationalspieler, war von Juni 2005 bis Mai 2011 beim FC Chelsea, zunächst als Nachwuchskoordinator und Chefanalytiker (bis Juli 2009), anschließend als Sportdirektor. Von Mai 2008 bis Mai 2011 gehörte er außerdem dem Vorstand an.

Seit Mai 2011 ist Arnesen Sportchef und Vorstandsmitglied beim Hamburger SV. Vor dem Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) spricht Arnesen über seine Erfahrungen bei den Londonern, Clubbesitzer Roman Abramowitsch und die Titelchancen des FCB.

Frage: Herr Arnesen, wie gut kennen Sie Roman Abramowitsch? Hatten Sie während Ihrer Zeit bei Chelsea viel mit dem Clubbesitzer zu tun?

Frank Arnesen: Natürlich habe ich ihn kennengelernt, wir haben ja miteinander gearbeitet. Wir verstehen uns auch privat gut. Vor ein paar Wochen hat mich Roman hier auf der Geschäftsstelle des HSV besucht, als er beruflich in Hamburg war. Auch die Spieler in Chelsea schätzen ihn sehr. Er ist privat ein lockerer Typ, sehr umgänglich, niemals von oben herab. Er gibt Chelsea nicht nur etwas von seinem Geld, er liebt diesen Verein auch.

Frage:: Wie groß ist der Einfluss von Abramowitsch bei Chelsea?

Arnesen: Natürlich hat er großen Einfluss im Verein. Er ist ja quasi der größte Sponsor. Aber er ist nicht so vermessen, die Transferpolitik bestimmen zu wollen. Dann bräuchte er ja keine sportliche Führung einzustellen."

Frage: Die aktuelle Mannschaft des FC Chelsea scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Ist das Endspiel der Champions League in München vorläufig die letzte Chance des Clubs auf einen großen Titel?

Arnesen: Warum sollte es die letzte Chance sein? Chelsea ist ein großer Verein. Gut möglich, dass sie nach der Saison einen Umbruch einleiten wollen. Aber sie werden immer ein gewichtiges Wort im englischen und internationalen Fußball mitreden, davon bin ich überzeugt.

Frage: Wer hat die größeren Chancen im Finale, der FC Bayern oder der FC Chelsea?

Arnesen: Die Bayern sind sicher in der Favoritenrolle, weil das Spiel in ihrem eigenen Wohnzimmer in München stattfindet. Aber sie müssen aufpassen: Es hat auch niemand damit gerechnet, dass Chelsea den FC Barcelona im Halbfinale ausschaltet. Da haben sie zwar keinen attraktiven Fußball geboten, aber mit unglaublicher Disziplin verteidigt. Das ist legitim und das werden sie auch in München probieren.