Geld gewinnt keine Spiele. Das ist jener Slogan, mit dem der sterbliche Fußballfan einst die "Galaktischen" von Real Madrid bei ihrer Bruchlandung auf dem Boden der Tatsachen mit feiner Schadenfreude begrüßt hatte.

Das königlich-spanische Experiment war letztlich an einer Überdosis kostspieliger Stars und einem Mangel an mannschaftlicher Homogenität gescheitert.

Überlegte Top-Einkäufe

Der FC Bayern München beweist aktuell im Premiere-Ligapokal, dass der ein oder andere Euro mehr doch zum Erfolg führen kann, wenn er eben nur zielgerichtet und nach Bedarf investiert wird.

Während Luca Toni seine Qualität verletzungsbedingt erst mit Verzögerung unter Beweis stellen darf, Miroslav Klose im Vorrunden-Duell gegen seinen Ex-Verein an gute alte Bremer Zeiten anknüpfen konnte und gegen Stuttgart nun angeschlagen auf der Bank Platz nehmen musste, begeisterte Franck Ribery in beiden Partien auch die neutralen Beobachter.

"Bereicherung für die Bundesliga!"

Nach dem Doppelpack gegen Bremen traf der Franzose mit einem sehenswerten Weitschuss zur 1:0-Führung in der 8. Minute auch gegen den stark ersatzgeschwächten amtierenden Deutschen Meister.

"Im Moment fühle ich mich sehr gut", erklärt Ribery lakonisch. "Es läuft einfach sehr gut mit der ganzen Mannschaft. Aber ich hoffe, dass es noch besser wird." Das darf durchaus als Drohung verstanden werden.

Für Ottmar Hitzfeld ist entscheidend, dass der Mittelfeldstar neben den sportlichen auch menschliche Qualitäten offenbart: "Für mich ist wichtig, dass sich Ribery so gut eingefügt hat und keine Starallüren zeigt. Er ist ein Spaßfußballer, der eine unheimliche Ausstrahlung hat. Er ist eine Bereicherung für die ganze Bundesliga."

Der VfB kann und wird mehr zeigen

Dieser Meinung schließt sich sogar Armin Veh an: "Es ist gut, dass Ribery in der Bundesliga spielt." Dennoch ließ der Stuttgarter Trainer keinen Zweifel daran, dass sich der amtierende Deutsche Meister in der Liga von einer anderen Seite präsentieren wird.

"Ich sehe das ziemlich locker und weiß, wie ich dieses Spiel einordnen muss", erklärte Veh nach dem 0:2 gegen den FC Bayern. "Wir sind mitten in der Vorbereitung, es haben viele Spieler gefehlt. Die Bayern waren klasse, aber wir sind auch ziemlich gut. Es war ein herrliches Tor von Franck Ribery zum 1:0. Raphael Schäfer konnte da nichts machen.

Schuldlos war der Stuttgarter Keeper auch am 0:2. Marcell Jansen verantwortet bei den Gästen die meisten Torschussvorlagen (5), von denen eine den Weg zu Sandro Wagner und von dort ins Tor fand.

Chance genutzt

Der Amateur konnte auf ganzer Linie überzeugen. Neben seinem Tor hatte Wagner bereits die Führung durch Ribery per Hacke vorbereitet. Zudem verbuchte der 19-Jährige die meisten Torschüsse in den Reihen der Bayern (7).

"Es hat mich gefreut, dass ich heute die Chance bekommen habe, von Beginn an zu spielen. Der Trainer hat gesagt, ich soll mir etwas zutrauen. Es hat Spaß gemacht mit solch guten Spielern zusammenzuspielen."

Einmal mehr zeichnete sich beim Rekordmeister die neue taktische Ausrichtung über die Flügel ab. 17 Mal, ebenso oft wie der VfB, brachten die Außen den Ball als Flanke in den gegnerischen Strafraum.

Neugier

Den frischen Offensivhunger der Bayern belegen 18 Torschüsse (VfB: 8). Vor allem der erneut überzeugende Hamit Altintop prüfte Raphael Schäfer mehr als ein Mal aus der Distanz.

Der FC Bayern erarbeitete sich hervorragende 62 Prozent Ballbesitz und brachte 89 Prozent seiner Pässe an den Mann (VfB: 79), 83 Prozent davon in der gegnerischen Hälfte (VfB: 63).

Der FC Bayern macht bereits in dieser noch unreifen Phase der jungen Saison neugierig auf mehr. Und das Duell gegen den FC Schalke 04 im Finale des Premiere-Ligapokals am Samstag in Leipzig (ab 17:30 Uhr im Live-Ticker auf bundesliga.de sowie bei Premiere) serviert wohl einen doppelten Aperitif auf eine hoch interessante Saison 2007/08.

Michael Wollny



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