Bayern München, der FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen liefern sich einen harten Dreikampf an der Bundesliga-Spitze. bundesliga.de präsentiert in einer Interview-Serie vor dem 27. Spieltag zu jedem Verein einen prädestinierten Experten. Heute: Gerd Müller.

Gerd Müller - "Bomber der Nation", siebenfacher Bundesliga-Torschützenkönig, 15 Titelgewinne. Ganz Fußball-Deutschland verbindet mit diesem Namen auch heute noch Tore, Tore, Tore.

Die Liste seiner vielen Erfolge ist lang: Weltmeister 1974, Europameister 1972, WM- und EM-Torschützenkönig, Europas Fußballer des Jahres 1970, Fußballer des Jahres in Deutschland 1967 und 1969, Weltpokalsieger 1976, Europapokal der Landesmeister 1974, 1975, 1976 und der Pokalsieger 1967, je vier Mal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger - und: gleich sieben Mal bester Torschütze in einer Bundesliga-Saison.

Vor allem durch seine kurzen Drehungen verschaffte er sich immer wieder den entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Bewachern: Sage und schreibe 365 Tore hat Müller in der Bundesliga erzielt, das letzte davon am 18. November 1978 bei der 1:2-Niederlage seines FC Bayern in Kaiserslautern.

Außerdem stellte der "Bomber" einen Rekord auf, der wohl für die Ewigkeit ist: Vierzig Treffer sind ihm allein in der Spielzeit 1971/72 gelungen - selbstredend bis heute die absolute Bestmarke, wie auch sieben Hattricks in seiner Laufbahn. Vier Mal schaffte Müller fünf Tore in einem Spiel.

Im Sommer 1965 war Gerd Müller zu den Bayern gekommen. Ein stämmiger Bursche aus der schwäbischen Kreisstadt Nördlingen, ein bisschen schüchtern, aber mit strammen Haxen - und Babyspeck um die Hüften.

14 Jahre später flüchtete der selbe Müller aus München. Als ihn Trainer Pal Csernai am 14. Februar 1979 erstmals in seiner Karriere auf die Bank setzte, war der "Bomber" so bedient, dass er spontan zu den Ford Lauderdale Strikers nach Florida wechselte.

1985 kehrte Müller nach Deutschland zurück. Fast schon vergessen, ohne Aufgabe, ohne neue Herausforderung. Manager Uli Hoeneß holte seinen Spezl zurück an die Säbener Straße. Heute arbeitet Müller als Assistent von Mehmet Scholl bei den Amateuren des FC Bayern. Still und leise im Hintergrund, aber zufrieden.

bundesliga.de: Bayern, Schalke und Leverkusen bilden die Spitzengruppe in der Liga. Wer wird Deutscher Meister und was werden die entscheidenden Faktoren im Endspurt um den Titel sein?

Gerd Müller: Der FC Bayern wird Deutscher Meister, weil er von allen Teams die größte Erfahrung im Titelkampf hat. Darüber hinaus ist die Mannschaft äußerst stabil, zeigt Moral und auch großen Kampfgeist, wenn sie mal in Rückstand geraten sollte. Und mit Arjen Robben sowie Franck Ribéry verfügt der FC Bayern über die herausragenden Spieler der Bundesliga. Es wird sehr, sehr schwer für Schalke und Leverkusen.

bundesliga.de: Die drei Top-Teams spielen alle noch gegeneinander. Fällt die Entscheidung in diesen direkten Duellen?

Müller: In den nächsten drei Wochen wird die Meisterschaft in meinen Augen entschieden. Die Bayern gewinnen auf Schalke und in Leverkusen.