Ingolstadt - "Unglaublich! Es ist die pure Explosion der Gefühle! Die Bundesliga - das wird einfach nur geil!", jubelte Kapitän Marvin Matip nach dem Aufstieg des FC Ingolstadt in die Bundesliga in die TV-Mikrofone. Wenn am Freitag der Spielplan der Bundesliga erscheint, werden die Schanzer erstmals darauf zu lesen sein.bundesliga.de verrät, weshalb man sich auf den Aufsteiger freuen darf.

Rückblick

Schon nach den ersten Wochen der vergangenen Saison war klar, mit dem FCI muss man in dieser Saison rechnen. Zwar endeten die ersten beide Spiele nur remis, doch die Mannschaft von Coach Ralph Hasenhüttl zeigte schon in den ersten 180 Minuten der Saison gute Ansätze sowie ein ungeheures Entwicklungspotenzial. Am 3. Spieltag beim 2:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth platzte dann endlich der Knoten. Und wie! Bis zur Winterpause verloren die Schanzer nur ein Spiel und sicherten sich so souverän die Herbstmeisterschaft.  

Mit einer interessanten Mischung aus kalkulierter Risikobereitschaft und Kompromisslosigkeit in der Spieleröffnung sowie einer hohen Aggressivität im Pressing überzeugten die Ingolstädter auch den letzten Zweifler. Der Verein wich vom vorgegebenen Ziel Klassenerhalt ab und legte den Fokus auf den Aufstieg.

Zum Jahresbeginn kam der Motor der Schanzer dann aber ins Stottern. War die Mannschaft in der Hinrunde noch völlig frei von Nervosität, lasteten allmählich die gestiegenen Erwartungen schwer auf den Schultern der Spieler. Doch genau in dieser Situation zeigten die sportlichen Verantwortungsträger eine Eigenschaft, die auch in der kommenden Saison von Bedeutung sein könnte: Sie behielten die Ruhe und lebten dem Team so vor, immer an die eigene Stärke zu glauben. Dieser Plan ging auf.

Key-Player

Als Säulen des Erfolgs sind nicht nur taktische Reife und der Zusammenhalt zu nennen, denn in jeder funktionierenden Mannschaft finden sich auch Schlüsselspieler für den Erfolg. Beim FC Ingolstadt sind dies Kapitän Marvin Matip, sein Neben- bzw. Vordermann Roger und Top-Scorer Pascal Groß.

Marvin Matip
Der Kapitän und Innenverteidiger war der zweikampfstärkste Spieler der 2. Bundesliga, hat zudem enorme Stärken in der Offensive. Knapp 80 Prozent seiner Pässe landeten beim Mitspieler. Zudem erzielte er drei Treffer und bereitete einen weiteren vor.

Roger
Der Brasilianer ist der typische Mittelfeldspieler Marke “Wadenbeißer“ und gibt nur selten einen Ball verloren. Ligaweit ist er der mit Abstand am häufigsten gefoulte Spieler, was für seine geschickte Zweikampfführung spricht.

Pascal Groß
Der Mittelfeldregisseur spielte eine ganz starke Saison. Erreichte er in zuvor vier Jahren in der 2. Bundesliga nur 15 Scorerpunkte, waren es in der abgelaufenen Saison satte 23 (sieben Tore, 16 Vorlagen). Zudem ging Groß voran, fraß pro Partie 11,8 Kilometer und verzeichnete die meisten Ballkontakte der 2. Bundesliga.

Trainer

Knapp anderthalb Jahre ist es her, da stand der FCI auf dem letzten Tabellenplatz, hatte in den ersten zehn Saisonspielen 2013/14 gerade einmal sieben Punkte eingefahren. Dann kam Ralph Hasenhüttl und mit ihm der Aufschwung.

Der Österreicher bevorzugt das Konterspiel. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter aber eher ein Hybrid aus aggressivem Pressing a la Borussia Dortmund und überfallartigem Umschaltspiel, das man insbesondere bei Borussia Mönchengladbach sieht. Gründe, weshalb das Arbeitspapier des 47-Jährigen Übungsleiters vorzeitig bis 2017 ausgedehnt wurde.

Ausblick

Der FCI macht seine Hausaufgaben. Infrastruktur, sportliche Führung sowie das Herzstück, die Mannschaft, sind bereits erstligareif. Die Verträge von Leistungsträgern wie Alfredo Morales, Roger oder Tobias Levels wurden vorzeitig verlängert und mit Romain Brégerie von Mitaufsteiger SV Darmstadt bereits der erste Neuzugang eingetütet. Das Bild, das die Schanzer bereits zu diesem Zeitpunkt abgeben, lässt nur einen Schluss zu: Der ambitionierte Club strebt eine dauerhafte Bundesliga-Zugehörigkeit an.

Bayern, Dortmund und Co. dürfen sich auf einen Gegner einstellen, der extrem unangenehm zu bespielen ist. Die taktische Ausrichtung, die schon in der 2. Bundesliga zum Erfolg führte, könnte auch viele Teams aus dem Oberhaus vor Probleme stellen.

Von Thomas Ziemann