München - So richtig entspannt wird Joachim Löw nicht auf der Tribüne des Berliner Olympiastadions sitzen. Wenn Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag im DFB-Pokalfinale aufeinandertreffen, dürfte der Bundestrainer angesichts der großen Brisanz des Schlagers zittern, dass sich keiner seiner EM-Kandidaten verletzt.

Immerhin stehen 13 Spieler auf dem Platz, die bei der EURO dem Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angehören und gemeinsam den Traum vom vierten EM-Titel realisieren sollen.

Schlechte Erfahrungen von der WM 2010



"Es gibt noch einige Unwägbarkeiten bis zur EM, es können sich noch Spieler verletzen", sagte der DFB-Coach am Montag bei der Präsentation seines vorläufigen 27-köpfigen Aufgebots für die EURO in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli). Die Angst ist nicht unbegründet: Vor der WM 2010 in Südafrika waren in Michael Ballack, Christian Träsch und Heiko Westermann gleich drei Spieler kurzfristig verletzt ausgefallen.

Löw hat aber nicht nur das Pokal-Endspiel im Kopf. Auch im Champions-League-Finale am 19. Mai mit den Stars des FC Bayern sowie bei noch ausstehenden Ligaspielen von Real Madrid (mit Sami Khedira und Mesut Özil) und Lazio Rom mit Miroslav Klose droht Verletzungs-Gefahr - was die ohnehin schwierigen EM-Planungen noch mehr durcheinanderbringen würde.

"Wir wollen sie endlich wieder schlagen"



Doch erst einmal kommt es in Berlin zum explosiven Duell der beiden derzeit besten deutschen Teams. Nachdem Dortmund den Bayern nun zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft weggeschnappt und zudem vier Niederlagen in Folge beigebracht hat, sinnt der Rekordmeister auf Revanche. Für die Bayern geht es diesmal um mehr als nur den 16. Pokalgewinn: Es geht darum, die Vorherrschaft im deutschen Fußball zurückzuerobern - und es geht um ganz viel Prestige.

"Wenn man vier Mal verliert, hat man eine gewisse Wut im Bauch. Auf sich selbst und auch, weil wir Dortmund zeigen wollen: Leute, es geht jetzt nicht die nächsten fünf Jahre so weiter", sagte Bayerns Nationalspieler Thomas Müller mit aller Deutlichkeit. "Wir wollen Revanche und sie endlich wieder schlagen", betonte Münchens Toni Kroos. Auch der Dortmunder Kevin Großkreutz stellte klar, "dass wir unbedingt das Double holen wollen."

Acht Bayern und fünf Dortmunder



Dass beide Teams mit angezogener Handbremse spielen, nur damit sich keiner vor der EURO verletzt, ist deshalb nicht zu erwarten. Bei den Bayern werden am Samstag in Müller, Kroos, Mario Gomez, Holger Badstuber, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Jerome Boateng gleich acht deutsche Nationalspieler auflaufen. Bei Dortmund sind es fünf: Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marcel Schmelzer und Mario Götze.

Bis zum 29. Mai muss Löw seinen engültigen EM-Kader benennen. Nach jetzigem Stand muss er vier Spieler streichen, sollte sich keiner bis dahin verletzen. Klar ist, dass einer der vier Torhüter kein Ticket erhält. Nur Manuel Neuer hat derzeit seinen Platz sicher. Selbst Tim Wiese erhielt im Dreikampf mit Ron-Robert Zieler und Marc-Andre ter Stegen keinen Freifahrtsschein von Löw: "Im Moment gibt es keine Veranlassung, uns endgültig zu entscheiden."

Vier Wackelkandidaten im Mittelfeld



Auch sonst will der Bundestrainer den Konkurrenzkampf "bis zur letzten Stunde" offen halten. Man werde das "ausreizen", sagte er. Während in der Abwehr und im Angriff die Plätze fest vergeben sein dürften, gibt es bei den 13 nominierten Mittelfeldspielern in Sven und Lars Bender, Ilkay Gündogan und Julian Draxler noch vier Wackelkandidaten.