München - Es war eine Bilanz des Schreckens. In der vergangenen Woche bekamen fünf der sieben deutschen international vertretenen Vereinen einen Elfmeter zugesprochen. Alle fünf wurden verschossen.

Weder Mats Hummels (Dortmund), noch Klaas-Jan Huntelaar (Schalke), Mario Mandzukic (Bayern) oder Oscar Wendt (Mönchengladbach) trafen auf europäischer Ebene, noch Andre Schürrle (Leverkusen) in der Bundesliga. Zufall oder neuer Trend? Ein Blick in die bundesliga.de-Datenbank verschafft Klarheit.

Elfmeter schießen verlernt?



Täuscht es, oder haben die Fußballer ein bisschen verlernt, Elfmeter zu schießen? Nur noch selten sieht der Fan einen knallhart und dennoch platziert geschossenen Strafstoß der Kategorie "unhaltbar". Der Mönchengladbacher Filip Daems gehört zu den Repräsentanten dieser seltener zu werden scheinenden Spezies, die nach dem Motto verfahren: "Mich interessiert nicht, was der Torwart macht, ich knalle den Ball einfach in die Ecke und fertig."

Zuletzt war immer häufiger zu beobachten, dass die Schützen den Keeper ausgucken und verladen. Gut geschossen waren diese Elfmeter lange nicht immer, platziert auch nicht, doch es reichte, den Ball eben in die Ecke zu schieben, in die der Torhüter nicht hechtete. Ein Spezialist dieser Kategorie ist etwa der Düsseldorfer Jens Langeneke, der so in der vergangenen Saison neun Elfer am Stück verwandelte, bis der zehnte abgewehrt werden konnte.

Geringe Erfolgsquote vom Punkt aus



Doch was sagen die unbestechlichen Fakten? In der noch jungen Saison wurden nur 66 Prozent aller Strafstöße verwandelt (sechs von neun). Bleibt die Bundesliga auf diesem niedrigen Niveau, wäre das am Saisonende ein historischer Negativrekord.

Eine schwache Erfolgsquote bei Strafstößen ist allerdings kein Trend der letzten Jahre, im Gegenteil: In der letzten Saison wurden 87 Prozent aller Strafstöße verwandelt (66 von 76). Das war die beste Erfolgsquote der Historie!

Drei von vier Elfern sitzen



In der kompletten Bundesliga-Geschichte wurden 74 Prozent aller Strafstöße im Tor untergebracht. Allgemein ist der Einfluss des Zufalls nach vier Spieltagen natürlich noch sehr groß. In der Historie der Liga gab es immerhin drei Spielzeiten, in denen an den ersten vier Spieltagen nicht einmal die Hälfte der Strafstöße verwandelt wurden.

1964/65 wurden nur vier von zehn (40 Prozent), 2003/04 nur vier von neun (44 Prozent) und 1972/73 sieben von 15 Strafstößen (47 Prozent) verwandelt. 1972/73 gab es an den ersten vier Spieltagen also gleich acht Fehlversuche (Rekord für die ersten vier Spieltage). Beinahe drei Mal so viele wie in der laufenden Spielzeit.

Nur Schürrle und van der Vaart "Wiederholungstäter"



Damals waren unter den Fehlschützen eine Reihe von Spielern, die zwei Jahre später Weltmeister wurden (Heynckes, Höttges, Kapellmann, Kremers und Keeper Nigbur gehörten dem 74er WM-Kader an).

Betrachtet man die Fehlschützen der laufenden Saison, muss man sich keine großen Sorgen machen: Aaron Hunt hat nach seinem Fehlschuss noch zwei Mal verwandelt, steht insgesamt bei vier Toren bei fünf Versuchen. Auch Vedad Ibisevic hat in dieser Saison erstmals vergeben, steht ebenfalls bei vier von fünf in seiner Bundesliga-Karriere. Für Andre Schürrle war der Fehlschuss schon der zweite in seiner Karriere (drei von fünf verwandelt), genauso wie für den Hamburger Rafael van der Vaart, der neun seiner bisher elf Strafstöße verwandelt hat.

Tobias Gonscherowski