Köln - 1990 führte Franz Beckenbauer Deutschland als Teamchef zum dritten Weltmeistertitel. 25 Jahre danach gratulieren die 90er-Weltmeister dem "Kaiser" auf bundesliga.de zum 70. Geburtstag.

Klaus Augenthaler

"Als ich 1975 mit knapp 18 Jahren beim FC Bayern zum ersten Mal zusammen mit ihm trainiert habe, haben wir junges Gemüse uns kaum herangetraut an ihn. Franz Beckenbauer war Franz Beckenbauer – da war schon Ehrfurcht vorhanden. Viel später als Trainer war er, vor allem an- fangs, so detailversessen, dass wir die Augenfarbe jedes Gegenspielers kannten und ob er einen Schnurrbart trägt oder nicht. Und ein kleiner Vulkan konnte er sein. "Die können es halt nicht besser", hat er zunächst gesagt – und schon ist er explodiert! Und hat sich schon bald wieder beruhigt."

Uwe Bein

"100 Prozent normal. Nichts Aufgesetztes. Total natürlich. Für mich immer die Persönlichkeit schlechthin gewesen, unter der ich Nationalspieler und Weltmeister geworden bin. Bewusst habe ich ihn mit neun Jahren bei der WM 1970 in Mexiko wahrgenommen – im Jahrhundertspiel im Halbfinale gegen Italien, er den Arm in der Schlinge wegen einer Verletzung."

Raimond Aumann

"Franz ist einer der angenehmsten Menschen, die ich kennengelernt habe. Er hat jeden gleichbehandelt, auch den kleinen Mann, und ist auch deshalb ein großes Vorbild für mich. Und typisch für Franz war die berühmte Szene vom Weißbier-Torwandschießen im ZDF nach unserer Deutschen Meisterschaft 1994. Wir mühen uns nach Kräften, den Ball zu treffen und nicht das Glas, also nicht den Inhalt zu verschütten. Und der Franz? Der schießt den Ball wie selbstverständlich vom Weißbierglas rechts unten ins Loch. Er konnte in dieser Hinsicht einfach machen, was er wollte – es ist geglückt."

Thomas Berthold

"Leben und leben lassen, so habe ich ihn als Teamchef erlebt. Er wusste, wann er die Leine länger lassen oder anziehen musste. Wenn die Leistungen seinen Ansprüchen genügten, die auf seinem eigenen hohen Niveau als Spieler basierten, war’s angenehm. Wenn nicht, wie beim Osterturnier in Berlin 1988 bei einem 3:5 gegen Schweden, hat er uns auch schon mal angezählt und damit gedroht, mit der U21 zu spielen. Seine ganze Art wirkt spielerisch, aber ganz sicher ist ihm nicht alles zugeflogen. Er hat als Spieler hart trainiert, als Trainer enorm gearbeitet und war als Funktionär beispielsweise rund um die WM 2006 super vorbereitet. Ohne Überzeugungskraft, Substanz und Nachhaltigkeit ist eine solche Herausforderung nicht so zu bewältigen, wie er es getan hat."

Andreas Köpke

"Als natürliche Autorität und mit perfektem Gefühl für die jeweilige Situation hat er unsere Mannschaft zwischen langer Leine und kurzen Zügeln geführt."

Andreas Brehme

"Wo andere hingelaufen sind, da hat der Franz als Spieler schon gestanden. Mit seinen Fähigkeiten, seiner Technik wäre er auch heute noch Weltklasse auf dem Platz. Sogar wenn wir bei der Nationalmannschaft 5 gegen 2 gespielt haben im Training, hat man beim Teamchef gesehen: Da kann jemand mit der Kugel umgehen! Zu ihm hat jeder ehrfürchtig aufgeschaut. Als Teamchef hat er uns Sicherheit gegeben, er hat uns starkgeredet. Und er wusste ganz genau, wann er durchgreifen musste und wann er Freund sein konnte."

Guido Buchwald

"Für mich der beste deutsche Spieler überhaupt. Und für mich ein Erlebnis, diesen Weltklassespieler und eine Persönlichkeit mit solchem Charisma als Trainer gehabt zu haben – einmalig! Er hat auch mich als Spieler geprägt, obwohl ich bei ihm durch eine harte Schule gehen musste, als er mich 1986 aus dem erweiterten WM-Kader gestrichen hat. Aber auch die Art und Weise, in der er mir diese Nachricht im Trainingslager in meinem Zimmer vermittelt hat, war bemerkenswert. Und 1990 wurde ich in Italien ja entsprechend entschädigt."

Thomas Häßler

"Stolz wie Oskar war ich bei meinem ersten Länderspiel 1988 in Finnland, dass ich diesen großartigen Fußballer nun auch persönlich und als Menschen kennenlernen durfte. Die Beschreibung als Lichtgestalt passt für ihn, imponierend ist seine Freundlichkeit jedem gegenüber. In Italien hatte er die Qual der Wahl zwischen vielen guten Mittelfeldspielern. Dass ich im WM-Finale randurfte, hat er damit begründet, dass ich in der Qualifikation gegen Wales das entscheidende 2:1 geschossen habe. Auch wenn dieser Sieg ein Verdienst der ganzen Mannschaft war, haben mich seine Worte doch stolz gemacht."

Günter Herrmann

"Ich ziehe gerne den Vergleich zu Uwe Seeler, der mein erstes Idol war. Als es die Möglichkeit gab, ein Autogramm zu bekommen, musste mein Bruder zu ihm gehen – ich habe mich nicht getraut, hatte zu viel Respekt. Dabei ist Uwe genau wie Franz Beckenbauer ein total bodenständiger Typ, beide ohne den kleinsten Anflug von Arroganz. Als Otto Rehhagel mir erzählt hat, dass Franz zu einem Spiel ins Weser-Stadion kommen würde, um speziell mich zu beobachten, war das schon ein Gänsehautgefühl."

Pierre Littbarski

"Vor einem Länderspiel gegen England in Düsseldorf hat Franz gesagt, dass ich nicht immer nur für die Galerie dribbeln, sondern auch mal aufs Tor schießen sollte. Durch zwei Tore habe ich es geschafft, dass Franz wenigstens für einen Moment mal zufrieden mit mir war. Ich musste bei ihm also einen harten Weg gehen. Umso mehr bin ich ihm dankbar, dass er mich mitgenommen hat zur WM in Italien und nicht hat durch das Rost fallen lassen. Und dass ich im Finale spielen durfte – das Wunderbarste, das mir passieren konnte."

Frank Mill

"Europameisterschaft 1988, Mannschaftsquartier in Rottach-Egern. Zusammen mit dem kürzlich leider verstorbenen Wolfram Wuttke genieße ich auf dem Balkon von Zimmer 8 Feierabend-Weizen und -Zigarette. Plötzlich schaut jemand um die Ecke: der Franz! Und was sagt er? Habt Ihr für mich auch ein Weizen? Klar, Trainer! Und eine Zigarette hat er mit uns auch noch geraucht. So ist der Franz halt!"

Andreas Möller

"Für Franz sind wir alle durchs Feuer gegangen, wegen seiner ganzen Art. Mit Lockerheit, aber auch sehr bestimmend hat er mich zu meinem ersten Länderspiel 1988 gegen Russland in Düsseldorf empfangen: Geh raus, zeig, was du kannst! Aber auch sonst war jeder Small Talk mit ihm ein Erlebnis."

Hans Pflügler

"Eine tolle Persönlichkeit! Bewundernswert allein schon, mit welcher Ruhe und Gelassenheit er entspannt die unendlich vielen Autogramm- und Fotowünsche erfüllt. Und beim Trainer war für mich als Spieler interessant zu sehen, wie Franz seine Emotionen rausgelassen hat."

Lothar Matthäus

"Er ist der Botschafter und das Gesicht des deutschen Fußballs – auf allen Positionen hat er das Optimale erreicht. Dabei wurde ihm vom lieben Gott nicht alles in die Wiege gelegt, wie mancher vermuten könnte. Franz hat für den Erfolg hart gearbeitet. Schon als Spieler, dem ich als kleiner Junge in Herzogenaurach bei adidas begeistert zugeschaut habe, wenn der FC Bayern dort im Sommer seine Saisonvorbereitung absolviert hat. Wobei Franz für mich das falsche Trikot trug, denn ich war ja Gladbach-Fan. Hoffentlich bleibt der Franz uns noch lange erhalten. Wie ich ihn kenne, kann er es dreistellig schaffen wie bei seinen 103 Länderspielen. Wir wünschen es ihm. Zunächst aber: Alles Gute zum 70!"

Holger Osieck

(Cotrainer): "Bewusst haben wir uns erstmals 1977 getroffen, bei einem Spiel mit meinem damaligen Club Vancouver Whitecaps gegen Cosmos New York, wo Franz Beckenbauer weitere Topstars wie Pelé und den Italiener Giorgio Chinaglia an seiner Seite hatte. Es war das erste Fußballspiel in Kanada in einem ausverkauften Stadion, und wir haben 5:3 gewonnen – es war ein großer Moment, in dem man überlegt, ob das nicht ein idealer Zeitpunkt für das Karriereende wäre. Franz war als Spieler überragend. Heute wäre seine Paraderolle möglicherweise die Position im defensiven Mittelfeld vor der Viererabwehrkette. Er war ja kein Dauerläufer, kein Manndecker, sondern absoluter Kreativspieler. Nach dem WM-Titel von 1990 haben wir zusammen auch bei Olympique Marseille gearbeitet, damals eine Ausnahmemannschaft mit Topstars wie Éric Cantona, Jean Tigana oder Jean-Pierre Papin. Bemerkenswert war die Akzeptanz für Franz auch bei diesen Spielern in einem anderen Land."

Stefan Reuter

"Ich kann nur Danke sagen, weil Franz uns mit seiner Souveränität zum WM-Titel geführt hat und seine Ausstrahlung auf die Mannschaft übertragen hat. Wir alle, die wir im Fußball unterwegs sind, profitieren von dem, was er auf außergewöhnliche Weise geleistet hat."

Paul Steiner

"Während der WM 2006 hatte die FIFA alle Weltmeister der vergangenen Turniere nach München eingeladen. Als Franz damals den Raum betrat, sind alle Stars aufgestanden und haben applaudiert, Franzosen, Argentinier, Engländer, Italiener – phänomenal. In einem solchen Moment wird sein Stellenwert ganz deutlich. Für mich war es ein Traum, als der Anruf tatsächlich kam und Franz mir gesagt hat, dass ich in Italien dabei sein würde, wo er uns allen nach dem Finale das Du angeboten hat. In dieser Zeit konnte ich mir selbst ein Bild davon machen, dass er Dinge, die er anpackt, mit 100 Prozent erledigt oder sogar mit 110 Prozent. Aura, Ausstrahlung und Klarheit
in dieser Qualität von Weltmännern habe ich unter meinen Trainern nur noch bei Rinus Michels erlebt."

Karl-Heinz Riedle

"Jeder, der Franz kennt, weiß um seine große Persönlichkeit. Als junger Spieler hatte ich das Glück, dass er mich zur Nationalmannschaft dazugenommen hat und dann auch in den WM-Kader. Seine Klasse hat er nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch – er ist einfach wahnsinnig sympathisch!"

Olaf Thon

"Im Alter von acht Jahren habe ich Franz Beckenbauer beim WM-Gewinn verfolgt, als Fußballer kennt man die sportliche Geschichte eines solchen Weltklassespielers sowieso ziemlich genau. Er war und ist eine Lichtgestalt, eben der Kaiser – charmant, höflich, diszipliniert, aber auch impulsiv. Auch nicht ganz frei von Fehlern, was menschlich ist – Weltklasse, wie er auch solche Situationen gelöst hat. Ein paar Tage nach unserem 6:6 mit Schalke im DFB-Pokal im Jahr 1984 gegen die Bayern habe ich erstmals in einem Interview von ihm gehört, dass ich ein Kandidat für seine Nationalelf sein könnte, in der ich ein paar Monate später beim 3:2 auf Malta debütiert habe. Obwohl ich 1990 im WM-Finale nicht gespielt habe, gibt es nur schöne Erinnerungen in Verbindung mit Franz Beckenbauer. Er hebt sich eben noch einen Tacken ab von anderen großen Persönlichkeiten."

Rudi Völler

© imago / Ulmer

"Ich habe mit 1860 München ja noch gegen ihn gespielt, als er 1980 von Cosmos New York zurück in die Bundesliga zum HSV kam. Vier Jahre später wurde er, für uns alle ein großes Idol, überraschend Teamchef. Wobei ich von Anfang an das gute Gefühl hatte, dass er auf mich setzt. Was sich auch bei der WM 1990 gezeigt hat, als ich nach dem Halbfinale gegen England mit geschwollenem Wadenbeinköpfchen verletzt war. Ich solle mich nicht verrückt machen, hat er zu mir gesagt. Und: Ich solle entscheiden, ob es für das Endspiel gegen Argentinien ginge oder nicht – auf seine typische Art. Aber auch mit Akribie, die man bei ihm vielleicht gar nicht vermutet, beispielsweise bei der Spielanalyse, damals noch auf Videokassetten. Und trotzdem immer mit einer gewissen Leichtigkeit, seiner lockeren Art, die er sich auch in schwierigen Situationen bewahrt hat. Mit seiner Eleganz und seinen Fähigkeiten wäre er, beispielsweise als Sechser im Mittelfeld, auch heute überragend, einfach Weltklasse."