Gelsenkirchen - Clemens Tönnies war bestens gelaunt. Mit beschwingtem Schritt und fröhlich pfeifend spazierte Schalkes Boss schon in der Halbzeitpause durch die Arena. Ganz offenbar gefiel ihm, was seine Mannschaft unter dem neuen Trainer Roberto Di Matteo gegen Hertha BSC ablieferte. Die Handschrift des Italieners zeichnet sich bereits nach seinem Debüt ab - er setzt vor allem auf eine kompakte Defensive.

Auch Roberto Di Matteo selbst war durchaus angetan von dem, was seine neue Mannschaft beim 2:0-Sieg über Hertha BSC gezeigt hatte. "Organisation und Kampfgeist haben mir gefallen. Wir haben viele Zweikämpfe gewonnen", lobte der neue Cheftrainer des FC Schalke 04.

Aus einer kompakten Defensive heraus

Dass dem Italiener vor allem eine geordnete und stabile Defensivarbeit am Herzen liegt, daran hatte er schon in seinen ersten Tagen auf Schalke keinen Zweifel gelassen. Und das haben auch die Spieler bereits verinnerlicht. "Dem Trainer ist es ganz wichtig, aus einer kompakten Defensive zu agieren und auf keinen Fall in Konter zu laufen", erklärte Torschütze Julian Draxler die Marschordnung.

Schalke verteidigte mit zwei tief stehenden Viererketten, in der die Außenspieler im Mittelfeld – Draxler und Eric-Maxim Choupo-Moting – in die Defensive deutlich mit eingebunden waren. Dabei spielt Schalke kein aggressives Pressing, sondern attackiert den Gegner, wenn der sich der eigenen Hälfte nähert, um ihn dann kompakt zurückzudrängen. "Wir haben ab der Mittellinie Druck aufgebaut, wenn Hertha nach vorne spielen wollte. So konnten sie die Bälle nicht vernünftig nach vorne kombinieren", bestätigte Klaas-Jan Huntelaar nach der Partie diese Taktik.

Internationale Bewährungsprobe

Auch Benedikt Höwedes zeigte sich zufrieden mit der Leistung gegen Berlin: "Wir wollten erstmal die Mitte zumachen, wenig Bälle durch das Zentrum bekommen und kompakt bleiben – das haben wir schon gut umgesetzt." Höwedes sieht darüber hinaus Potenzial, auch offensiv in Zukunft eine andere Leistung zu zeigen: "Wir haben die Qualität dazu und die werden wir effektiv nutzen."  

Dennoch: Die Defensive steht unter di Matteo zunächst im Fokus. Und Weltmeister Höwedes ist unter dem Schweizer als Abwehrchef gesetzt.  Auch am Dienstag wird er wieder gefordert sein. Dann gibt Sporting Lissabon in der Champions League seine Visitenkarte auf Schalke ab und stellt Roberto Di Matteo und sein neues Team vor die erste internationale Bewährungsprobe (Champions-League-Gruppenphase).

Pfeilschnelle Außenstürmer

Denn die Offensive des portugiesischen Vizemeisters ist qualitativ exzellent besetzt und wird die Schalker noch mal vor größere Herausforderungen stellen, als die der Berliner Hertha. Besonders die pfeilschnellen Außenstürmer Nani (ehemals Manchester United) und André Carrillo könnten Höwedes und Co. echte Probleme bereiten. Am Wochende schossen sich beide schon warm, erzielten beim 3:1-Sieg Sportings gegen den FC Porto jeweils einen Treffer.

In der heimischen Liga ist Sporting Lissabon nach sieben Spieltagen noch ungeschlagen. Mit erst vier Gegentreffern stellen sie die derzeit zweitbeste Defensive Portugals. Auch das Tore schießen wird für S04 also nicht einfach werden, zumal mit Cedric Soares, Jefferson und Paulo Oliveira Verteidiger von europäischem Format in der Abwehr stehen. "Unser Ziel ist es, zu gewinnen. Das ist unsere Mentalität. Wir kämpfen immer um den Sieg", sagt Rechtsverteidiger Soares. Die Portugiesen werden sich am Dienstag also keinesfalls verstecken.

Der erste Königsklassen-Sieg soll her

Das gilt jedoch genauso für die Hausherren, die nach zwei Unentschieden zum Auftakt der Gruppenphase gegen Sporting international nun endlich den ersten Saisonsieg einfahren wollen, um den Anschluss an den Führenden der Gruppe G, den FC Chelsea, nicht zu verlieren. Zeigen die Königsblauen allerdings wieder eine derart engagierte Leistung wie bei di Matteos Premiere gegen Berlin, dann können sie frohen Mutes in die Champions-League-Partie gehen.

Dietmar Nolte und Dennis-Julian Gottschlich