Frankfurt - Weitgehende Kontinuität in Bezug auf Spielplan und Sendefenster einerseits, neue Möglichkeiten für zusätzliche Innovationen andererseits: Die DFL Deutsche Fußball Liga hat heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main die Eckpunkte der Ausschreibung der audiovisuellen Medienrechte für den Zeitraum der Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 vorgestellt.

Diese umfasst die Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie des Supercups und der Relegation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Es ist vorgesehen, die Rechte noch vor dem Start der Europameisterschaft im Juni dieses Jahres zu vergeben.

Der seit 2009 bestehende Regelspielplan bleibt auch in der kommenden Rechteperiode im Wesentlichen erhalten. Die Live-Rechte werden durch zusätzliche Exklusivität weiter aufgewertet, ohne auf eine zeitnahe und die umfassendste frei empfangbare Berichterstattung einer Top-Liga in Europa zu verzichten. Auf Wunsch des Bundeskartellamtes enthält die Ausschreibung zudem ein sogenanntes Alleinerwerbsverbot, wonach ein Bieter künftig nicht mehr über alle Verbreitungswege hinweg alle Live-Rechte der Bundesliga erwerben kann.

"Diese Ausschreibung bedeutet ein erstklassiges Angebot für Medienunternehmen, um in den kommenden Jahren mit attraktiven Programminhalten Zuschauer zu begeistern und an sich zu binden", sagt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: "Gleichzeitig verbinden wir Tradition und Innovation mit der Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums zur Zukunftssicherung des deutschen Profi-Fußballs auf europäischem Spitzenniveau. Ziel ist es, die seit Jahrzehnten erfolgreiche Institution Bundesliga weiter zu stärken – sportlich, wirtschaftlich und mit Blick auf die Fans in den Stadien und einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen."

Durch das vorgestellte Ausschreibungskonzept wird der Regelspielplan auch in den kommenden vier Jahren und damit bis 2021 insgesamt 12 Jahre nahezu unverändert bleiben. Aus sportlichen Gründen und mit Blick auf einen Interessenausgleich zwischen Amateurfußball einerseits und mitreisenden Fans andererseits wird es künftig pro Saison fünf zusätzliche Begegnungen am Sonntag und fünf weitere am Montag geben. Zudem ist vorgesehen, dass eine Zweitliga-Partie vom Freitag auf den Samstag rückt. Zur besseren Planbarkeit für Fans und Medienpartner wird die Zahl der "englischen Wochen" im Grundsatz auf zwei pro Spielzeit begrenzt.

Ausgeschrieben werden acht Rechtepakete zur Live-Verwertung sowie neun Rechtepakete zur zeitversetzten Verwertung, die den Erwerbern erstmals eine technologieneutrale Übertragung über alle Verbreitungswege ermöglichen. Insbesondere die zentralen Live-Pakete werden um attraktive Zusatzrechte wie In-Match-Clips, Highlight-Berichte aller Bundesliga-Spiele und Gastronomie-Rechte erweitert. Die umfassende und zeitnah frei empfangbare Berichterstattung am Samstag bzw. Sonntag ist weiterhin ab 18.30 Uhr bzw. 21.15 Uhr möglich. Erstmals ausgeschrieben wird ein Free-Highlight-Paket mit allen Wochenend-Spielen der Bundesliga und 2. Bundesliga am Montagabend.

Vorbehalte des Bundeskartellamtes in Bezug auf einen in der Vergangenheit möglichen Erwerb aller Live-Rechte durch einen einzigen Bieter werden mit der Einführung eines Alleinerwerbsverbots ("No Single Buyer Rule") berücksichtigt. Das bedeutet: Falls ein einziger Anbieter sämtliche Live-Rechte der Bundesliga erwerben sollte, wird zusätzlich ein so genanntes Over-the-Top-Paket (OTT-Paket) angeboten. Dieses beinhaltet drei Live-Spiele pro Spieltag (eines am Samstag, zwei am Sonntag) plattform-exklusiv für die Verbreitungswege Web-TV und Mobile. Der Wettbewerb wird somit die Form des Angebotes bestimmen: Entweder wird ein Teil der Bundesliga-Spiele über alle Technologien oder über die Verbreitungswege Web-TV und Mobile bei einem zweiten Anbieter zu sehen sein. Die so gestaltete Regelung soll den aktuellen Gegebenheiten in Bezug auf den deutschen Medienmarkt Rechnung tragen. Das Bundeskartellamt hatte am 11. April 2016 grünes Licht für das vorliegende Ausschreibungsmodell gegeben.

Hinsichtlich des Vergabeprozesses bleibt es bei den Live-Rechten im Wesentlichen bei der Praxis der Ausschreibung 2012. Im ersten Schritt, der so genannten Vorbehaltspreis-Auktion, wird die DFL für sämtliche Rechtepakete Vorbehaltspreise festlegen. Diese werden weder öffentlich noch gegenüber den Interessenten bekannt gegeben, jedoch dem Bundeskartellamt vorab mitgeteilt. Falls in dieser Bieterrunde das Höchstgebot für ein ausgeschriebenes Rechtepaket den festgelegten Vorbehaltspreis erreicht oder überschreitet und das zweithöchste Gebot um mehr als 20 Prozent unter dem Höchstgebot liegt, nimmt der Ligavorstand das entsprechende Höchstgebot an. Andernfalls wird das entsprechende Paket in einer zweiten Bieterrunde erneut angeboten

Sofern es zu einer zweiten Bieterrunde kommt, wird die DFL Reservationspreise festlegen, die ebenfalls nicht öffentlich kommuniziert werden. Sollten Gebote für Rechtepakete abgegeben werden, die diese Reservationspreise übersteigen, ist für diese Gebote zunächst deren Höhe maßgeblich. Das höchste Gebot wird angenommen, wenn das zweithöchste Gebot für dasselbe Rechtepaket mehr als 20 Prozent geringer ist. Andernfalls liegt die Entscheidung über die Annahme im Ermessen des Ligavorstands.

Im Bereich der Highlight-Rechte wird es dagegen nur eine Bieterrunde geben. Hier gilt aber ebenso: Falls ein Höchstgebot den Reservationspreis erreicht und das zeithöchste Gebot mehr als 20 Prozent darunter liegt, erhält es den Zuschlag. Liegen mehrere Gebote innerhalb der 20-Prozent-Spanne, entscheidet der Ligavorstand.

Interessierte Unternehmen, welche die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, haben bei Einreichung vollständiger Unterlagen bis zum 19. April Anspruch auf Zulassung zur Ausschreibung. Mit diesem Tag beendet die DFL auch die Registrierungsphase. Die finale Genehmigung der Rechtevergabe obliegt im Anschluss an die Entscheidung des Ligavorstands der Mitgliederversammlung der 36 Vereine und Kapitalgesellschaften. Die Öffentlichkeit wird unmittelbar nach Genehmigung der Medienverträge durch die Mitgliederversammlung des Ligaverbands im Rahmen einer Pressekonferenz über das Ausschreibungsergebnis informiert.

Zusätzlich zur audiovisuellen Ausschreibung wurden die Audio-Rechte für den Bereich der Bundesrepublik Deutschland für die Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 ausgeschrieben. Dabei handelt es sich primär um Pakete für die Verbreitungswege Broadcast und Netcast. Die Entscheidung über die Vergabe der Rechte soll ebenfalls im Rahmen der genannten Mitgliederversammlung des Ligaverbandes erfolgen.

Informationen zu den ausgeschriebenen Rechtepaketen können auch dem Anhang dieser Mitteilung entnommen werden.