Köln - Das Sportliche spielt beim Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande am heutigen Dienstag nur eine untergeordnete Rolle. Die Partie soll vier Tage nach den schockierenden Vorfällen in Paris als “Botschaft für die Demokratie“ dienen. Viele Bundesliga-Profis in den beiden Nationalmannschaften wollen ihren Teil dazu beitragen.

“Uns allen war klar, dass dieses Spiel stattfinden soll und auch stattfinden muss. Es hat eine Botschaft für die Freiheit und die Demokratie“, sagte Bundestrainer Joachim Löw auf der abschließenden Pressekonferenz. Die sonst übliche Rivalität des Nachbarschaftsduells (ab 20:30 Uhr im Liveblog) tritt in den Hintergrund. Die Symbolik des Spiels ist wichtiger, als der Sieg.

“Das Ergebnis wird nicht die entscheidende Rolle spielen", sagte Joachim Löw. "Ich wünsche mir sehr, dass die sportliche Rivalität in den Hintergrund tritt. Es wird für mich nicht der Maßstab sein, der es eigentlich gewesen wäre - nämlich ein Test für die EM." Erst am Sonntag, nach einem freien Tag für Spieler und Verantwortliche, hatte sich der DFB dazu entschlossen, die Partie nicht abzusagen.

Boateng und Hector müssen passen

Nicht mit dabei sind die verletzten Bundesliga-Profis Jonas Hector (Pferdekuss) und Jerome Boateng (Sehnenreizung) sowie Leroy Sané, der zum wichtigen EM-Qualifikationsspiel der U21 gegen Österreich gereist ist. Zudem erhält auch Weltmeister Manuel Neuer eine wohlverdiente Pause. Damit bleibt dem Bundestrainer ein Mini-Kader mit 15 Feldspielern und drei Torhütern. Die besten Chancen auf einen Startelfeinsatz zwischen den Pfosten hat wohl Hannovers Ron-Robert Zieler.

Robben bekommt eine Pause

Auf Seiten der Niederlande stehen zwei Spieler aus der deutschen Eliteklasse im Aufgebot. Die beiden Stürmer Bas Dost (VfL Wolfsburg) und Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke 04). Superstar Arjen Robben ist verabredungsgemäß hingegen nicht im Kader. Der Münchner hatte schon vorher mit Elftal-Coach Danny Blind besprochen, dass er nur im Test gegen Wales mitkickt. Robben ist wie Neuer und Boateng bereits wieder an der Säbener Straße und bereitet sich mit dem FC Bayern auf das Topspiel am Samstag beim FC Schalke vor.

Deutschland und die Niederlande wollen mit dem Test nun gemeinsam ein Zeichen setzen und den Blick auch ganz vorsichtig wieder nach vorne richten. "Wir hoffen, dass die Spieler die Gedanken an die Geschehnisse während des Spiels ablegen, an den Sport denken und so auch in den Alltag zurückkehren können", erklärte Manager Oliver Bierhoff. Auch Löw versprach den Fans “trotz allem eine konzentrierte Leistung.“

"Wir treten sehr, sehr gerne an"

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"Wir treten sehr, sehr gerne an, um mit dem, was wir machen, eine Symbolik und ein Statement abzugeben“, sagte Borussia Dortmunds Ilkay Gündogan. Auch Bayern-Profi Thomas Müller will mit dem Fußball helfen und den Fans etwas Normalität zurückgeben. “Die Entscheidung, morgen mit der Nationalelf gegen die Niederlande zu spielen trage ich zu 100 Prozent mit. Auf diese Weise können wir Fußballer mit den Mitteln des Sportes ein Zeichen für Völkerverständigung, Toleranz und Demokratie setzen.“

Das DFB-Team trifft zum insgesamt 41. Mal auf die Niederlande. Nur gegen die Schweiz (51) spielte man in der über 108-jährigen Länderspiel-Historie häufiger. Von den bisherigen Duellen konnte die DFB-Auswahl 15 für sich entscheiden, 15 endeten Unentschieden, zehn gingen verloren. Heute Abend ist das Ergebnis allerdings unwichtig: “Natürlich werden unsere Gedanken auch während des Spiels bei den Opfern und deren Angehörigen sein. Diese Partie findet mit ganz anderen Werten statt als sonst. Wenn wir das Spiel auf diese Art verstehen, haben wir unabhängig vom Ergebnis schon alle gemeinsam gewonnen", erklärte Löw.

Von Thomas Ziemann

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