DFB-Team verspielt den Sieg

Kopenhagen - Der zweite Anzug der deutschen Nationalmannschaft hat sich beim ersten Saisonauftritt wacker geschlagen, aber einen Sieg leichtfertig verspielt. Ohne 16 WM-Fahrer und ohne den rekonvaleszenten Kapitän Michael Ballack kam das B-Team von Bundestrainer Joachim Löw in Dänemark trotz einer 2: 0-Führung nur zu einem 2:2 (1:0), hinterließ dabei aber einen ordentlichen Eindruck.

32 Tage nach dem Spiel um den dritten Platz bei der WM in Südafrika gegen Uruguay (3:2) erzielten in Kopenhagen Mario Gomez in der 19. Minute sowie der kurz zuvor eingewechselte Patrick Helmes (73.) die Treffer für das deutsche Rumpfteam. Den Anschlusstreffer erzielte praktisch im Gegenzug (74.) in seinem 100. Länderspiel für Dänemark Dennis Rommedahl. Für den Ausgleich sorgte in der 87. Minute Mads Junker nach einem schweren Fehler von Torhüter Tim Wiese, der über weite Strecken aber der große Rückhalt der Mannschaft war.

"Ich habe gute Ansätze gesehen. Daher bin ich zufrieden. Es war viel Unterhaltung im Spiel, die Mannschaft war gut organisiert und hatte einige Chancen", sagte Löw. Seine Spieler ärgerten sich über den vergebenen Sieg. "Nach einer 2:0-Führung dürfen wir das Spiel nicht mehr hergeben. Aber diese Mannschaft wird so wohl nie wieder zusammenspielen", sagte Torschütze Gomez. Wiese fügte an: "Beim zweiten Tor war ich nicht sicher, ob ich den Ball in die Hand nehmen soll. Das war ein blödes Ding."

Agger und Eriksen mit guten Chancen

Vor 19.071 Zuschauern im nur halb gefüllten Parken Stadion konnte Joachim Löw rund drei Wochen vor dem Start in die EM-Qualifikation mit dem Doppelpack in Belgien und gegen Aserbaidschan Anfang September aber nur wenige Erkenntnisse sammeln. Das bunt zusammengewürfelte DFB-Team tat sich vor allem in der Anfangsphase gegen den Europameister von 1992 äußerst schwer. Erst nach dem Führungstreffer durch den WM-Edelreservisten Gomez, der nach guter Vorarbeit von Ersatz-Kapitän Thomas Hitzlsperger seinen 13. Treffer im 39. Ländersspiel erzielte, wurde es etwas besser.

Zuvor hatte die DFB-Auswahl aber Glück, dass sie gegen die Gastgeber nicht in Rückstand geraten war. Die ebenfalls ersatzgeschwächten Dänen, bei denen in dem Wolfsburger Neuzugang Simon Kjaer nur ein Bundesligalegionär im Einsatz war, dominierten vom Start weg das Geschehen und hatten im 25. Duell gegen Deutschland ihre erste gute Möglichkeit in der 7. Minute durch Kapitän Daniel Agger. Dessen Kopfball aus kurzer Distanz war aber zu unplatziert. Nur zwei Minuten später verpasste Christian Eriksen mit einem Freistoß aus 18 Metern nur knapp das Ziel.

16 WM-Fahrer fehlen

Ohne 16 WM-Fahrer, darunter Stars wie Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Lukas Podolski, Miroslav Klose und Philipp Lahm, lief beim dreimaligen Weltmeister vor der Pause kaum etwas zusammen. Löw hatte in Wiese, Tasci, Toni Kroos, Jerome Boateng, Marko Marin und Gomez sechs Spieler in der Startformation aufgeboten, die bei der WM in Südafrika dabei waren. Das Verlegenheitsteam, in dem Boateng erstmals auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung spielte, wirkte von Beginn an verunsichert und leistete sich zunächst einen Fehler nach dem anderen.

Im zweiten Duchgang bot sich ein ähnliches Bild. Die Gastgeber nutzten immer wieder die Fehler in der deutschen Viererkette, die so wohl nie wieder zusammenspielen wird. Nach einem erneuten Fauxpas von Boateng verpasste Pedersen (47.) die große Möglichkeit zum Ausgleich, Serdar Tasci verhinderte in letzter Sekunde für den bereits geschlagenen Wiese Schlimmeres.

Wiese trotz Patzer stark

Wiese parierte in der 55. Minute zudem glänzend gegen Kjaer, Sekunden später traf Agger nur den Pfosten. Mitten hinein in die dänische Drangphase fiel das 2:0, als Gentner einen klugen Pass auf Helmes spielte, der zu seinem zweiten Tor im 13. Länderspiel abschloss. In der Folgezeit drängten die Dänen immer stärker aufs deutsche Tor und wurden dafür mit dem verdienten Ausgleich belohnt.

Der Bremer Wiese kam zu seinem dritten Einsatz im DFB-Trikot, sammelte bei seinem ersten Länderspiel über 90 Minuten trotz des Patzers in der Schlussphase durchaus Pluspunkte, was den Dreikampf zwischen den deutschen Pfosten zwischen WM-Keeper Manuel Neuer und Rene Adler weiter anheizen wird.

Hitzlsperger Kapitän

In Abwesenheit von Michael Ballack und Lahm führte Hitzlsperger die deutsche Mannschaft aufs Feld. Der 28-Jährige, der wegen Formschwäche die WM verpasst hatte, konnte nicht nur durch seinen Scorerpunkt in seinem 52. Länderspiel auf sich aufmerksam machen. Nach Hitzlspergers Auswechslung übernahm Tasci die Spielführerbinde.

Nach dem Seitenwechsel feierte Sascha Riether sein Debüt im Nationaltrikot. Der Wolfsburger, 40. Neuling in der Ära Löw, rechtfertigte das Vertrauen des Bundestrainers, der seine erste Niederlage als Chefcoach im März 2007 in Duisburg ebenfalls mit einem Verlegenheitsteam beim 0:1 gegen Dänemark kassiert hatte.