München - Nach dem 3:0 gegen Österreich ist und bleibt wie immer die Erkenntnis: Wenn es darauf ankommt, ist die Nationalmannschaft hellwach und hochkonzentriert. In den jüngsten drei Freundschaftsspielen hatte das DFB-Team neun Gegentore kassiert.

Mit 19 Zählern hat Deutschland in der WM-Qualifikationsgruppe C nun fünf Punkte Vorsprung auf den ärgsten Verfolger Schweden und gleich deren acht auf Österreich und Irland. Der nächste Gegner sind die Färöer und im Oktober dann die Iren und Schweden.

Umstellung in der Defensive ist erfolgreich

Gespannt darf man sein, ob Bundestrainer Joachim Löw auf der kleinen Insel im Atlantik den bisherigen Abwehr-Chef Mats Hummels erneut auf die Ersatzbank verbannt und wieder Per Mertesacker sowie Jerome Boateng das Vertrauen schenkt. Der Erfolg gab seiner Maßnahme gegen Österreich auf jeden Fall Recht - richtig gefordert wurde die deutsche Abwehr allerdings nicht. (XL-Galerie: DFB-Stars in der Einzelkritik)

Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison zeigten die deutschen Profis dem Nachbarn aber deutlich auf, welche Mannschaft auf dem Rasen das Sagen hat.

"Wir wollten zeigen, dass der Gegner nicht das Gefühl hat, er ist auf Augenhöhe mit uns, und das Spiel bestimmen. Die Jungs haben das überragend gut gemacht. Wir waren der hochverdienter Sieger", erklärte ein sichtlich zufriedener Bundestrainer nach dem sechsten Sieg im siebten Quali-Spiel.

Klose gleichauf mit dem "Bomber der Nation"

In einer sehr einseitigen Partie, in der das DFB-Team eigentlich nur das Nötigste tat, sorgte eine Aktion für besonders viel Applaus auf den Rängen: Der Führungstreffer von Miroslav Klose. Das 1:0 war der 68. Treffer des Angreifers von Lazio Rom im Trikot mit dem Adler auf der Brust.

Damit zog Klose mit Gerd Müller in der ewigen Rangliste des DFB gleich. Von einem Vergleich mit dem "Bomber der Nation" wollte der Rekordtorschütze aber nichts wissen: "Das Tor bedeutet mir unheimlich viel, aber ich möchte mich nicht auf eine Stufe mit Gerd stellen."

Dass er nach seinem Treffer nicht zu seinem langjährigen Markenzeichen, dem Salto, ansetzte, erklärte Klose wie folgt: "Sie wissen wie alt ich bin. Es ist schon länger her, dass ich einen Salto gemacht habe, deshalb lasse ich das lieber sein."

Lahm: "Ich denke, das wir das schaffen"

Festlich war es schon vor dem Anpfiff zugegangen. Michael Ballack wurde drei Jahre nach seinem letzten Länderspiel offiziell verabschiedet und Philipp Lahm bekam für seinen 100. Nationalmannschafts-Einsatz ebenfalls ein Präsent überreicht.

"Natürlich ist das ein besonderer Moment. Es gibt ja nicht viele Spieler, die diese Marke erreicht haben. Wenn man beim 100. Länderspiel vor der eigenen Haustür gegen den Tabellenzweiten 3:0 gewinnt, dann ist alles in Ordnung", meinte Philipp Lahm nach dem Schlusspfiff.

Nach einem rundherum gelungenen Fußball-Abend glaubt wohl niemand mehr an ein Scheitern auf dem Weg zur WM in Brasilien. Der 2. Platz ist Deutschland wohl nur noch rechnerisch zu nehmen. Aber der Gruppensieg sollte es schon sein.

"Das ist immer klar unser Ziel gewesen, dass wir die Gruppe gewinnen. Wir haben fünf Punkte Vorsprung. Die Schweden haben gewonnen und auch noch das direkte Duell gegen uns. Wenn wir unsere Dinge so erledigen wie gegen Österreich und wir auf den Färöern und gegen Irland gewinnen, denke ich, dass wir das schaffen", ist sich Lahm sicher.

Michael Reis