Der Trauer um Torwart Robert Enke folgte die gelungene Rückkehr in den Fußball-Alltag: Dank des "Doppelpacks" von Lukas Podolski feierte die deutsche Nationalmannschaft nach ihrer schwierigsten Woche einen versöhnlichen Jahresabschluss, auch wenn die Gedanken der Spieler und von Bundestrainer Joachim Löw auch nach dem letzten Länderspiel des Jahres weiter um den toten Nationalkeeper kreisten.

"Robert hätte in die Hände geklatscht und gesagt: Es geht weiter. Ich habe auch während des Spiels an Robert gedacht und sein Trikot auf der Bank angeschaut", sagte Löw nach dem 2:2 (1:0) gegen die Elfenbeinküste, das emotional eines der schwierigsten Spiele in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft war.

Lob für die Mannschaft

Der 49-Jährige zollte seinem Team ein großes Lob dafür, dass es zumindest in den 90 Minuten auf dem Platz das traumatische Erlebnis der vergangenen Woche einigermaßen verdrängen konnte.

"Nach der Trauer der letzten Tage war es nicht leicht, den Spagat zurück in die Normalität zu schaffen. Aber die Mannschaft hat Stärke gezeigt und Moral bewiesen. Ich muss ihr ein großes Kompliment machen", sagte Löw, der trotz des furchtbaren Selbstmords von Enke am Dienstag vergangener Woche die Mannschaft gut auf das Spiel vorbereitet hatte.

Das sah auch DFB-Präsident Theo Zwanziger so, der den Hut vor der engagierten Leistung des dreimaligen Welt- und Europameisters zog. "Für die Mannschaft war es sehr, sehr schwer. Sie hat ihren Torwart verloren. Die unglaubliche Welle der Anteilnahme hat sie vom sportlichen Geschehen abgelenkt. Im Großen und Ganzen ist es den Spielern gelungen, wieder ihren Beruf auszuüben, nämlich Fußball zu spielen, und in die sportliche Realität zurückzukehren. Aber wir werden Robert Enke nicht vergessen", sagte Zwanziger, der sich in den vergangenen Tagen einmal mehr als Krisen-Manager bewährt hatte.

Kießling überzeugt

Nachdem der angeschlagene DFB-Kapitän Michael Ballack Schalker Veltins-Arena das Trikot von Enke mit der Nummer eins auf der Ersatzbank platziert und die Fans den Nationalkeeper noch einmal mit Sprechchören gehuldigt hatten, war der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zunächst zumindest auf dem Platz kaum mehr etwas von den Tagen der Trauer anzumerken.

Insbesondere Bundesliga-Top-Torjäger Stefan Kießling sorgte einige Mal für Wirbel rund um den Strafraum der Ivorer und holte auch sehr clever den Elfmeter raus, den Podolski zum 1:0 verwandelte.

"Stefan hat eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Er war unheimlich präsent, hat Räume geschaffen, den Elfmeter rausgeholt und die Bälle gut verteilt. Es hat mir gut gefallen, was er 60 Minuten geboten hat, nachdem er ja jetzt länger nicht dabei war", sagte Löw.

Podolski: "Die beiden Tore waren für Robert"

Spieler des Spiels war in der Nationalmannschaft aber einmal mehr Podolski, der seinen sechsten "Doppelpack" im DFB-Trikot (11./90+3) wegen der Tragik um Enke allerdings nicht gebührend feiern wollte.

"Mir war nicht zum Jubeln. Die beiden Tore waren für Robert. Aber das Leben muss weitergehen. Das ist auch mit dem Anpfiff passiert", sagte Podolski, der mit nunmehr 37 Länderspieltoren in der ewigen DFB-Torjägerliste mit Teammanager Oliver Bierhoff gleichzog.

Während die Stürmer Kießling und Podolski mit ihren Leistungen absolut zufrieden sein konnten, waren die beiden Torhüter Tim Wiese und Manuel Neuer, die jeweils eine Halbzeit spielten, nach Spielende hin- und hergerissen. Während Wiese auch nach Spielende noch schwer unter dem Drama um Enke litt, frustrierten Lokalmatador Neuer die beiden Gegentore der Elfenbeinküste in der zweiten Halbzeit durch Emmanuel Eboue (57.) und Seydou Doumbia (85.).

Neuer nimmt Gegentor auf seine Kappe

Vor allem der Ausgleichstreffer, bei dem Neuer in seinem "Wohnzimmer" nach einem verunglückten Rückpass seines Clubkollegen Heiko Westermann Gästestürmer Eboue den Ball in den Unterleib schoss und der Abpraller anschließend ins eigene Tor trudelte, hat schon jetzt einen festen Platz im Kuriositätenkabinett. "Das Tor geht auf meine Kappe, da gibt es gar keine Diskussion", sagte Neuer zu der nach eigenen Worten "Schalker Koproduktion."

Wiese hatte derweil weniger mit den gegnerischen Angreifern, als vielmehr mit sich selbst zu kämpfen. Nach seinem ersten Länderspiel von Beginn an öffnete der 27-Jährige sein Herz und berichtete von der "schlimmsten Woche" seines Lebens.

"Es war eine ganz schwere Woche für uns. Ich bin immer noch in Gedanken bei Robert und habe die ganzen Tage schlecht geschlafen", sagte der Bremer und richtete dann für einen Moment den Blick in die Zukunft: "Ich werde diesen Lehrgang aus meinem Kopf streichen."