Baden-Baden - Die deutsche Nationalmannschaft hat zum neunten Mal die Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres gewonnen. Nicht zuletzt wegen der starken Leistungen bei der WM in Südafrika mit dem hervorragenden dritten Platz trat das Team von Bundestrainer Joachim Löw in die Fußstapfen der Frauen-Nationalmannschaft, die im vergangenen Jahr zur Mannschaft des Jahres gewählt worden war.

"Wir haben nach der Rückkehr aus Südafrika gespürt, welche Emotionen wir ausgelöst haben", sagte Löw bei der Ehrung: "Wenn man sich diese Bilder anschaut, dann war das ein großer Erfolg. Das hing auch mit dem Auftretern der Mannschaft zusammen." Laudator Reinhold Messner, der das DFB-Team vor der WM in seiner Heimat Südtirol kennen gelernt hatte, fügte hinzu: "Ich habe gemerkt, dass jeder Einzelne sich mit dem Ziel WM identifiziert hat."

Löw und Lahm zu Gast

Das Team setzte sich bei dem Votum von fast 1500 Sportjournalisten am Sonntagabend vor 700 Gäste im Kurhaus von Baden-Baden mit 3436 Punkten deutlich vor dem Deutschland-Achter (Rudern/1738) und der Eishockey-Nationalmannschaft (1457) durch. Bei den Einzelsportlern ging der Titel an Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und die alpine Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch.

Neben Löw kam auch Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm in die Kurstadt, um den Pokal abzuholen. Ursprünglich sollte auch der stellvertrende Kapitän Bastian Schweinsteiger mit dabei sein - allerdings fehlte er seinem Verein Bayern München schon zuvor beim Bundesligaspiel gegen Gastgeber VfB Stuttgart wegen eines grippalen Infektes. Der 26-jährige Mittelfeldspieler war in München geblieben und konnte daher auch die Reise nach Baden-Baden nicht antreten.

Starke WM trotz zahlreicher Ausfälle

Wie 2006, als das Team des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann ebenfalls Rang drei erreichte, wurde Deutschlands Fußball-Aushängeschild nicht zuletzt wegen des "Sommermärchens" als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet. Vier Jahre später begeisterte der dreimalige Welt- und Europameister sogar noch mehr, vor allem weil die Vorzeichen völlig anders waren.

Denn während der Vorbereitung auf Sizilien und in Südtirol verging kaum ein Tag ohne schlechte Nachrichten für Bundestrainer Joachim Löw. Nachdem im Vorfeld bereits der Leverkusener Torwart Rene Adler, den Löw zuvor zur Nummer eins gemacht hatte, und dessen Vereinskollege Simon Rolfes verletzungsbedingt für die WM absagen mussten, kam es für das DFB-Auswahl kurz vor der WM knüppeldick.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Vor allem der Ausfall von Kapitän Michael Ballack, aber auch die Verletzungen von Heiko Westermann und anderen brachten die Planungen von Löw gewaltig durcheinander. "Wir müssen das Beste daraus machen und werden auch so eine gute Mannschaft haben, die unser Ziel in Südafrika erreichen kann", sagte Löw, der trotz der Absagenflut seinen Optimismus nicht verlor und mit seinen Assistenztrainern Hansi Flick und Andreas Köpke (Tor) an Lösungen bastelte.

Und am Ende machte die sportliche Führung aus der Not eine Tugend, denn alle Personalentscheidungen erwiesen sich am Ende als richtig. So packte der Schalker Manuel Neuer, der in Südtirol als Nummer eins für Südafrika bekannt gegeben worden war, seine Chance beim Schopf und spielte ein überrragendes Turnier. Philipp Lahm gab in der Kapitänsrolle als Ersatz für Ballack eine hervorragende Figur ab, und im Mittelfeld konnte Sami Khedira, den vor dem Turnierstart kaum einer auf dem Zettel hatte, die Ballack-Rolle im Zusammspiel mit dem "emotionalen Leader" Bastian Schweinsteiger glänzend ausfüllen.

Mit starken Leistungen in die Herzen der Fans

So war es kein Zufall, dass Khedira und Mesut Özil, der ebenfalls die WM-Bühne für sich nutzen konnte, nach dem Turnier von Real Madrid unter Vertrag genommen wurden. Dass sich in dem Münchner Shootingstar Thomas Müller ein deutscher Akteur den goldenen Schuh des besten Torschützen und den Titel als bester Nachwuchsspieler sicherte, passte in das tolle Bild, das das DFB-Team in Südafrika abgab.

Die DVD mit den deutschen WM-Spielen am Kap, darunter das 4:1 im Achtelfinale gegen England und das 4:0 gegen Diego Maradonas Argentinien im Viertelfinale, ist nicht nur deshalb in diesem Jahr unter dem Weihnachtsbaum ein Renner.

Die 64. Wahl der Sportler des Jahres in Zahlen:

Mannschaft des Jahres: 1. Nationalmannschaft Männer (Fußball) 3426 Punkte, 2. Deutschland-Achter (Rudern) 1738, 3. Nationalmannschaft Männer (Eishockey) 1457, 4. THW Kiel (Handball) 1279, 5. Bayern München (Fußball) 1199, 6. Evi Sachenbacher/Claudia Nystad (Langlauf) 1182, 7. Turbine Potsdam (Fußball) 991, 8. Tischtennis-Team 796, 9. Springreiter-Equipe 601, 10. Team-Pursuit (Eisschnelllauf) 565

Sportler des Jahres: 1. Sebastian Vettel (Heppenheim/Formel-1) 4288 Punkte, 2. Timo Boll (Düsseldorf/Tischtennis) 2088, 3. Martin Kaymer (Mettmann/Golf) 1763, 4.Andre Lange (Oberhof/Bob) 1437, 5. Christian Reif (Ludwigshafen/Leichtathletik) 850, 6. Paul Biedermann (Halle/Saale/Schwimmen) 848, 7. Felix Loch (Berchtesgaden/Rodeln) 505, 8. Peter Joppich (Koblenz/Fechten) 453, 9. Philipp Boy (Cottbus/Kunstturnen) 437, 10. Patrick Hausding (Berlin/Wasserspringen) 409

Sportlerin des Jahres: 1. Maria Riesch (Partenkirchen/Ski alpin) 3957, 2. Magdalena Neuner (Wallgau/Biathlon) 3921, 3. Verena Sailer (Mannheim/Leichtathletik) 1693, 4. Verena Bentele (Tettnang/Behindertensport) 1258, 5. Viktoria Rebensburg (Kreuth/Ski alpin) 1105, 6. Betty Heidler (Frankfurt/Main/Leichtathletik) 656, 7. Jenny Wolf (Berlin/Eisschnelllauf) 624, 8. Tatjana Hüfner (Oberwiesenthal/Rodeln) 462, 9. Stephanie Beckert (Erfurt/Eisschnelllauf) 454, 10. Linda Stahl (Leverkusen/Leichtathletik) 431