Nach dem bitteren 4:4 in Berlin vor einem Jahr hat die deutsche Nationalelf mit Schweden noch eine Rechnung offen
Nach dem bitteren 4:4 in Berlin vor einem Jahr hat die deutsche Nationalelf mit Schweden noch eine Rechnung offen

DFB-Elf will Schweden-Scharte auswetzen

Stockholm - Die Scharte von Berlin auswetzen, die Kräfteverhältnisse gerade rücken und beim Jubiläum von Bastian Schweinsteiger die ersten WM-Experimente wagen: Bundestrainer Joachim Löw hat sich mit der deutschen Nationalmannschaft zum Abschluss der WM-Qualifikation am Dienstag in Stockholm gegen Schweden (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) eine Menge vorgenommen. Das Spiel ist zwar für beide Mannschaften rein rechnerisch bedeutungslos geworden - aber das legendäre 4:4 in Berlin vor einem Jahr macht die Partie zu einer Frage der Ehre.

Mit Wut im Bauch nach Schweden

"Es geht in erster Linie darum, die Qualifikation mit einem Sieg abzuschließen. Aber jeder weiß, dass wir mit den Schweden noch eine Rechnung offen haben", sagte Löw bereits kurz nach dem 3:0-Sieg am Freitag gegen Irland, mit dem das Ticket für die Endrunde im kommenden Jahr in Brasilien vorzeitig gelöst worden war.



Während seine Spieler ein freies Wochenende verbrachten, tüftelte der Bundestrainer mit seinem Trainerstab an der Marschroute für Dienstag, am dem es nicht noch einmal eine böse Überraschung gegen die Tre Kronor geben soll und darf. "Das Ergebnis vom vergangenen Oktober wurmt mich immer noch. Deshalb reisen wir auch mit einer kleinen Portion Wut im Bauch nach Schweden", verriet Löw kurz vor dem Abflug der DFB-Auswahl am Montagmorgen vom Flughafen Köln/Bonn in die schwedische Hauptstadt, wo am Abend in der Friends Arena in Solna das Abschlusstraining stattfand.

Noch ein Jahr später hat Löw Albträume, in denen der 16. Oktober vergangenen Jahres vor seinen Augen abläuft. Im Berliner Olympiastadion führte seine berauschend spielende Mannschaft nach Treffern von Miroslav Klose (2), Per Mertesacker und Mesut Özil bis zur 62. Minute 4:0, hätten bis zu diesem Zeitpunkt aber auch schon 6, 7 oder 8:0 führen können. Und dann geschah das Unfassbare, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic, der am Dienstag wegen einer Gelbsperre fehlt, erzielte in jener 62. Minute per Kopf den Anschlusstreffer, der bei den Gästen eine Aufholjagd einläutete, die am Ende gegen eine verunsicherte deutsche Elf in einem 4:4 endete. Löw hatte das Desaster kommen sehen, aber in Mario Götze und Lukas Podolski in der Sturm- und Drangphase der Schweden zwei Offensivkräfte eingewechselt anstatt die eigene Abwehr zu stabilisieren.

Kroos: "Das war peinlich"



"Dieses Unentschieden und vor allem seine Entstehung haben uns wehgetan. Aber vielleicht hat gerade diese Begegnung auch ihre positiven Seiten. Die Spieler, die in Berlin auf dem Platz standen, werden ihre Lehren gezogen haben. Wenn wir uns noch einmal in einer ähnlichen Situation befinden, wird es ihnen sicher nicht wieder passieren, ein solches Spiel aus der Hand zu geben", sagte der Bundestrainer anschließend.

"Das war damals nur peinlich", erinnert sich der gegen Irland überragende Toni Kroos an den denkwürdigen Abend in der Haupstadt: "So etwas darf sich nicht wiederholen. Wir wollen im Rückspiel zeigen, dass wir zu Recht Gruppenerster sind. Wir wollen die Qualifikation mit einem Sieg und einem gutem Spiel beenden, das sind wir auch uns selber schuldig.

Auch Bastian Schweinsteiger, der am Dienstag sein 100. Länderspiel bestreitet, ist heiß auf dieses Spiel. "Vor einem Jahr haben wir uns dämlich verhalten, das wird uns nicht noch einmal passieren. Aber wir müssen natürlich auf der Hut sein."


Die deutsche Startelf: Neuer - Lahm, Boateng, Hummels, Jansen - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Schürrle - Kruse