Von 1987 bis 1996 spielte Bjarne Goldbæk für den FC Schalke 04, den 1. FC Kaiserslautern, TeBe Berlin und den 1. FC Köln. Goldbæk wurde mit dem FCK Pokalsieger und Deutscher Meister. Später spielte er unter anderem beim FC Chelsea und beim FC Fulham. Seine Karriere beendete der Däne, der 28 Mal für sein Land spielte und bei der WM 1998 und der EURO 2000 dabei war, bei Rot-Weiss Essen. Heute ist Goldbæk lizenzierter Spielerberater und arbeitet als Bundesliga-Experte bei Eurosport Skandinavien. Während der WM 2010 schreibt er regelmäßig für bundesliga.de über die Endrunde.

Ganz ehrlich: Ich habe am Mittwoch mit den deutschen Spielern gelitten. Es war eine Demonstration, eine ganz klare Sache für Spanien. Einige deutsche Spieler haben auf diesem höchsten Niveau ihre Grenzen aufgezeigt bekommen in punkto Ballsicherheit und Tempo.

Die Deutschen wollten ganz sicher nah am Gegenspieler stehen, körperlich spürbar in die Zweikämpfe gehen und den Spaniern auch mal weh tun - aber sie sind einfach nicht in die Zweikämpfe gekommen.

Natürlich ist die Luft jetzt ein bisschen raus, die Spieler sehnen sich nach Urlaub. Aber diese deutsche Mannschaft hat einen sehr guten Charakter. Sie wird deshalb Samstag im Spiel um Platz noch mal alles geben und am Ende mit der Bronzemedaille nach Hause fahren! Viele Spieler wissen ja aus eigener Erfahrung, wie schön der Sieg 2006 im kleinen Finale war und dass der letzte Eindruck viel zählt.

Sind die Spanier einfach zu übermächtig? Werden wir ein ähnlich einseitiges Spiel wie gegen Deutschland auch im Finale gegen Holland sehen? Für mich ist Spanien der klare Favorit. Denn die Holländer haben keine sehr gute Abwehr. Und auch das defensive Mittelfeld halte ich für zu langsam. Damit wir uns richtig verstehen: Wir reden vom allerhöchsten fußballerischen Niveau und auf diesem Niveau sehe ich die Holländer gegenüber Spanien einfach im Nachteil.

Deshalb können die Holländer auch nicht mit einer ähnlichen Taktik spielen, wie sie Inter Mailand in der Champions League erfolgreich gegen den FC Barcelona angewendet hat. Denn im Grunde spielt Spanien ja so wie Barcelona. Aber Inter hatte eine Weltklasse-Abwehr um Lucio, Samuel und Maicon. Dazu kommt, dass Robben, Sneijder und van der Vaart nicht gut und nicht gerne Deckungsaufgaben übernehmen.

Das heißt aber nicht, dass die Holländer chancenlos sind. Denn sie haben überragende Offensivspieler, die sich auch mal individuell durchsetzen können: Wie Robben, wie Sneijder, wie das Arbeitstier Kuijt oder auch van Persie, der aber bisher sehr blass geblieben ist. Am Boden können diese Spieler die spanischen Innenverteidiger Puyol und Piqué durchaus in Verlegenheit bringen - sofern sie es schaffen, bei Ballgewinn in diese Räume zu kommen.

Grundsätzlich finde ich es gut, dass es neben Uruguay drei Mannschaften ins Halbfinale geschafft haben, die offensiv ausgerichtet waren. Und dafür belohnt wurden, dass sie agiert und nicht nur reagiert haben. Holland spielt zwar nicht mehr so spektakulär wie früher, aber technisch ist das immer noch hervorragend. Unterm Strich ist aber sicher Deutschland die positivste Überraschung.

Was hat uns diese WM noch gezeigt oder gelehrt? Die Afrikaner sind doch noch nicht so weit, wie das einige Experten erwartet haben. Außer von Ghana kam praktisch nichts von den anderen. Und die Zeiten für die Stars und Superstars werden schwieriger. Weil fast alle Mannschaften taktisch besser stehen und die Räume zumachen, so dass es für den Einzelnen immer schwerer wird, sich zu profilieren. Taktisch geht der Trend weg vom starren 4-4-2-System zu einem flexibleren System mit einer Spitze.

Südafrika hat sich als sehr guter Gastgeber gezeigt - allen Befürchtungen und Bedenken zum Trotz. Die Begeisterung des Landes kam gut rüber, auch wenn die Vuvuzelas in den Stadien richtig nerven. Ich hoffe doch sehr, dass diese Mode nicht in die Bundesliga überschwappt.

Ihr

Bjarne Goldbæk



Weitere Kolumnen:

Bjarne Goldbæk Kolumne Teil1

Bjarne Goldbæk Kolumne Teil2

Bjarne Goldbæk Kolumne Teil3

Bjarne Goldbæk Kolumne Teil4

Bjarne Goldbæk Kolumne Teil5