Die einen spielten "Tiqui-Taca", die anderen schauten entgeistert zu: Spaniens Traumpaar Xavi und Andres Iniesta hat die deutschen Hoffnungsträger Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil nach allen Regeln der Fußball-Kunst entzaubert. Die Iberer ließen leichtfüßig den Ball laufen, die DFB-Kicker hechelten atemlos hinterher. Klassenunterschied. Vorführung. Lehrstunde. 0:1 (0:0) hieß es im WM-Halbfinale in Durban am Ende. Das Kurzpass-Spektakel hatte über das Biedermann-Gestolper triumphiert.

Vor der Partie war kaum ein Mannschaftsteil der DFB-Elf so gefeiert worden wie das Herz, die Lunge und die Seele des Spiels. Gegen England (4:1) und Argentinien (4:0) waren Schweinsteiger und Özil die Antreiber und Ankurbler. Gegen Spanien wirkte das Duo überfordert. Gerüchte über vermeintliche Millionenangebote hatten zuletzt die Runde gemacht. Real, Barcelona. Doch die besten Mittelfeldspieler der Welt laufen ohnehin bereits für Spaniens Top-Clubs auf - und in der Seleccion.

Spanien agiert - Deutschland reagiert

Perfekt aufeinander abgestimmt bestimmten Xavi und Iniesta den Rhytmus des Europameisters. Bei den Deutschen war der Taktstock offenbar schon vor dem Anpfiff gebrochen. Unterstützt von den auch in der Spieleröffnung starken Abräumern Xabi Alonso und Sergio Busquets konnte das Kreativ-Duo Xavi/Iniesta streckenweise fast nach Belieben zaubern. Auf dem Flügel wirbelte auch noch der überraschend für Fernando Torres in die Startelf gerutschte Pedro.

Bei den deutschen hatten Schweinsteiger und Özil hingegen kaum Hilfe. Sami Khedira wirkte langsam mit den Füßen und in seinen Gedanken. Piotr Trochowski hatte seine beste Szene als er nach gut einer Stunde für Toni Kroos das Feld räumte. Und Lukas Podolski kam nie zum Abschluss. Ob es mit dem gesperrten Thomas Müller besser gelaufen wäre, wird man nie erfahren. Wenigstens Kroos sorgte für ein wenig Belebung und hatte noch die beste deutsche Chance (69.).

Puyol trifft nach Eckstoß

So kam es, wie es kommen musste. Carles Puyol köpfte Spanien zum Sieg (73.). Das DFB-Trauma aus dem EM-Finale 2008 hatte sich wiederholt. Zumindest mit einem anderen Protagonisten, aber mit gleichem Ausgang. Im EURO-Endspiel war Torres auf Zuspiel von Xavi das entscheidende 1:0 in Wien gelungen. Im WM-Halbfinale in Durban zirkelte der Regisseur des FC Barcelona einen Eckball milimetergenau auf Puyols Schädel.

Zwischen beiden Ergebnissen lagen gut zwei Jahre und 8800 Kilometer Entfernung. Die Deutschen waren dem kleinen Barca-Genie jedoch erneut nicht gewachsen. "Ich bin ein Fußballromatiker. Ich liebe das schöne und offensive Spiel. Wenn man auf diese Art und Weise gewinnt, ist die Freude am Ende umso größer", sagt Xavi. Am Mittwoch lachte sein Herz.