Warschau - Die deutsche Nationalmannschaft hat im Hexenkessel von Warschau mit dem 0:2 (0:0) gegen Gastgeber Polen eine historische Niederlage kassiert (Bilder des Spiels).

Für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw war es auf dem Weg zur EURO 2016 in Frankreich die erste Pleite im 19. Spiel gegen den östlichen Nachbarn und die erste Schlappe in einem Auswärtsspiel in der EM-Qualifikation seit dem 10. Oktober 1998 (0:1 in Türkei). Nach den Treffern von Arkadiusz Milik (51.), und dem eingewechselten Sebastian Mila (88.) steht die Auswahl des DFB am Dienstag in Gelsenkirchen gegen Irland in der Gruppe D unter Zugzwang. Bei einer weiteren Niederlage könnten die Iren und Polen (gegen Schottland) schon auf sechs Punkte davonziehen.

Zu Beginn viel Mittelfeldgeplänkel

"Wir hatten uns vorgenommen, drei Punkte zu holen. Leider hat es nicht gereicht. Jetzt müssen wir am Dienstag gegen Irland gewinnen", sagte Debütant Karim Bellarabi.

Bei der Premiere des neuen Assistenten Thomas Schneider an der Seite von Löw gab es in der Anfangsphase kaum Torchancen. Die Polen zogen sich bei deutschem Ballbesitz weit zurück und setzten auf Konter. Dem DFB-Team mangelte es bei den Angriffsbemühungen zunächst an Kreativität und Präzision. Daher sahen die 56.934 Zuschauer viel Mittelfeldgeplänkel, daran änderten auch die neun Weltmeister in der Startformation von Löw nichts.

Der Bundestrainer hatte mit seiner Aufstellung aber einmal mehr überrascht. Der 54-Jährige vertraute von Beginn an auf die Dienste des Leverkuseners Karim Bellarabi, der als 914. Nationalspieler überhaupt und 73. Neuling in der Ära von Löw in die Geschichte einging. Der Deutsch-Marokkaner, der auf der rechten Seite im Mittelfeld sehr engagiert aufspielte und im ersten Durchgang die beiden besten Möglichkeiten besaß (38. und 43.), ist durch seinen Einsatz nur noch für die DFB-Elf spielberechtigt. (DFB-Stars in der Einzelkritik)

Müller als einzige Spitze

Zudem bot Löw als einzige Spitze Thomas Müller auf, der zuletzt im Mittelfeld gespielt und beide Treffer gegen Schottland erzielt hatte. Für den Münchner rückte WM-Held Mario Götze ins zentrale Mittelfeld zurück, wo er den verletzten Mesut Özil als Spielgestalter ersetzen sollte. Dies gelang in der ersten halben Stunde aber nur in Ansätzen.

Im Vergleich zum Schottland-Spiel gab es insgesamt drei Änderungen in der Startelf. Bellarabi spielt anstelle von Rekonvaleszent Marco Reus. Der Stuttgarter Antonio Rüdiger ersetzte zudem in der Abwehrkette rechts Hoffenheims Sebastian Rudy und Abwehrchef Mats Hummels kehrte nach überstandener Verletzung anstelle des fehlenden Benedikt Höwedes ins Zentrum zurück.

Auf der Doppelsechs agierten einmal mehr Toni Kroos und Christoph Kramer, weil neben Kapitän Bastian Schweinsteiger auch Sami Khedira passen musste. Zudem fehlten auch noch der angeschlagene Mario Gomez, sodass gegen den EM-Co-Gastgeber von 2012 die jüngste deutsche Startelf (Durchschnittsalter 24 Jahre und 125 Tage) seit dem 3:1 gegen Belgien am 11. Oktober 2011 auf dem Rasen stand.

Bellarabi mit guten Chancen

Dem deutschen Spiel fehlte zunächst der Schwung. Dennoch wäre auch eine schnelle Führung möglich gewesen. In der zehnten Minute ließ der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca aber weiterspielen, als Kamil Glik Müller im eigenen Strafraum mit der flachen Hand einen Schlag auf den Hals verpasste. In der 17. Minute kam Hummels in aussichtsreicher Positionen zu einem Kopfball, der allerdings abgeblockt wurde.

Bellarabi verfehlte dann bei seiner ersten Chance nach Götze-Flanke das Tor der Polen nur knapp, ehe er zwei Minuten vor der Pause an Torhüter Wojciech Szczesny scheiterte. Beim besten Angriff der Gastgeber im ersten Durchgang klärte Rüdiger im eigenen Strafraum gegen Bayern-Torjäger Robert Lewandowski.

Nach dem Wechsel folgte der Schock für den dreimaligen Europameister. Nach einer Flanke des Dortmunders Lukasz Piszczek gewann Milik das Kopfballduell gegen Jérôme Boateng und überwand Neuer, der durch seinen Strafraum irrte und ebenfalls eine schlechte Figur machte.

Deutschland suchte die schnelle Antwort. André Schürrle fand in Szczesny aber seinen Meister (55.). Auch Erik Durm (63.) und erneut Bellarabi (67.) schafften es nicht, den Schlussmann des FC Arsenal zu überwinden. Pech hatte der eingewechselte Lukas Podolski bei seinem Lattenschuss (81.). Der zweite Treffer von Mila auf Vorarbeit von Robert Lewandowski brachte die endgültige Entscheidung.

SID